Grundstücksmarkt
Haxtum: Investor kann sich vor Anfragen kaum retten
Die Linken-Fraktion im Auricher Stadtrat rügt die „hohen Grundstückspreise“ im Baugebiet „Im Timp“. Udo Fuhrmann erklärt, wie die Preise zustande kommen. Letztlich habe die Politik sie beeinflusst.
Aurich - Bauland ist in Deutschland so begehrt wie noch nie − auch in Aurich. Deshalb kann sich Udo Fuhrmann vor Bewerbungen nicht retten. Er erschließt und vermarktet mit seiner Auricher Projektentwicklungs GmbH das Baugebiet Im Timp. Es sei „küstennah, familienfreundlich und zentral gelegen“. Mit diesen Vokabeln bietet er das Areal mit seinen 240 Wohneinheiten und 185 Grundstücken auf einer Homepage an − offenbar mit Erfolg. Erst am 27. April 2021 hat der Rat den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan gefasst. Rund 600 Anfragen lägen bereits auf seinem Schreibtisch, sagt Fuhrmann im Gespräch mit dieser Zeitung. Er sehe sich jede genau an, wäge ab und entscheide dann.
Was und warum
Darum geht es: Im neuen Baugebiet Im Timp sind die Grundstückspreise sehr hoch.
Vor allem interessant für: Interessenten an Bauland
Deshalb berichten wir: Weil wir der Kritik der Linken-Fraktion an der Preisgestaltung in dem Baugebiet auf den Grund gehen wollten. Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de
Verlust muss kompensiert werden
Die Stadt habe in dem Bebauungsplan festgelegt, dass 30 Prozent des Areals Grünfläche sein müssen. Wegen dieser Anforderung könne er diese Teilgebiete natürlich nicht vermarkten. Den dadurch erlittenen finanziellen Verlust müsse er kompensieren. Bei dem Stichwort fällt gleich der Hinweis auf die Ausgleichsflächen, die der Investor finanzieren muss. Zum Hintergrund: Weil durch das Baugebiet Naturflächen verloren gehen, müssen diese an anderer Stelle durch Neuanpflanzungen oder andere Maßnahmen neu geschaffen werden. Alleine dafür veranschlage er, so Fuhrmann, zusammen mit anderen Posten einen Betrag in Höhe von einer Million Euro. Als Investor müsse er in Vorleistung gehen.
Warum hat die Stadt das Baugebiet „Im Timp“ nicht selbst entwickelt? Baurätin Irina Krantz sagte, dass das eine „Spontanumstellung erfordert hätte“. So etwas sei immer schwierig. Sie habe es in ihrer Laufbahn bisher so erlebt, dass jede Stadt ihre ganz eigene Richtung hat, wie sie mit Bauland umgeht. In Aurich habe man das immer Erschließungsträgern und Projektentwicklern überlassen. Aus dem Stand heraus könne man aus personellen, aber aus strategischen Gründen bei dieser Frage keine Kehrtwendung machen. Alleine der Erwerb von Flächen sei eine heikle Angelegenheit. Sobald Eigentümer merkten, dass Grundstücke begehrt sein könnten, würde sich das auf den Preis auswirken. „Man ist dann schnell erpressbar“, warnt die Baurätin vor einem Risiko. So sei es sehr wichtig, dass jeder Eigentümer dieselben Konditionen für einen Verkauf bekomme. Vieles stehe und falle in diesem Bereich mit „Grundvertrauen“, so Krantz, das man entweder entgegengebracht bekomme oder auch nicht.
Am Marktplatz ist es am teuersten
Generell sind die Preise für Bauland in den vergangenen Jahr in die Höhe geschnellt. Besonders stark ist das allerdings in der Stadt Aurich der Fall, wie ein Blick auf den Grundstücksmarktbericht zeigt. Dieser wird jedes Jahr im Februar vom Gutachtachterausschuss vorgelegt. Der aktuelle Bericht zeigt, dass der durchschnittliche Preis für Bauland in Aurich innerhalb eines Jahres um 58 Prozent gestiegen ist. Konnte man im Jahr 2020 noch für im Schnitt 79 Euro pro Quadratmeter ein Grundstück erwerben, waren dafür im Februar 2021 schon 125 Euro erforderlich. Je nach Lage variieren die Preise. Mit im Schnitt 700 Euro pro Quadratmeter muss man rechnen, wenn man auf dem Marktplatz ein Grundstück erwerben will.
Sehr schwer ist es, wenn man Bauland in den weit vom Zentrum entfernt gelegenen Ortsteilen von Aurich erwerben möchte. In Middels etwa. Dort sucht Tomke Menssen seit mehr als drei Jahren nach einem idealen Grundstück. Die 22-Jährige wünscht sich eine möglichst große Fläche in Einzellage. Unterstützung erhält sie bei der Suche von Ortsbürgermeister und CDU-Ratsherr Arnold Gossel. Der ist aktuell zuversichtlich, bald eine Lösung für Tomke Menssen zu finden. Durch die Änderung einer Satzung könne es unter Umständen bald möglich werden, auch in der Nähe des Feuerwehrhauses in Middels zu bauen. Das wäre eine Chance für die Einwohner, den Ortsteil nicht verlassen zu müssen.