Geschichte
Entscheidung über Gebäude auf Synagogen-Grundstück rückt näher
Lange schien Stillstand auf dem Grundstück der ehemaligen Synagoge in Leer geherrscht zu haben, nachdem bei Grabungen Überreste des Gebäudes gefunden wurden. Jetzt sollen wieder Gespräche stattfinden.
Was und warum
Darum geht es: Die Überreste der ehemaligen Synagoge sollen offiziell zum Baudenkmal erklärt werden. Das macht den Bau eines großen Wohn- und Bürokomplex dort komplizierter. Jetzt stehen neue Gespräche an.
Vor allem interessant für: Geschichtsinteressierte und diejenigen, die sich über das unansehnliche Gelände an der Ecke Heisfelder/Friesenstraße ärgern.
Deshalb berichten wir: Seit mehr als einem Jahr ist klar, dass Überreste der ehemaligen Synagoge in Leer noch im Boden zu finden sind. Seitdem hörte die Öffentlichkeit nichts mehr darüber, ob das dort geplante Wohn- und Bürohaus von den Investoren weiterverfolgt wird. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
Das könnte die Verwirklichung des Bau- und Geschäftshauses durch die Besitzer der Grundstücke, die Firmen Wittrock aus Rhede und Mersmann & Thomas aus Rhauderfehn, erschweren. Bisher müssen sich die Bauherren nur mit der Unteren Denkmalschutzbehörde – das ist die Leeraner Stadtverwaltung – und mit der Ostfriesischen Landschaft auseinandersetzen, wenn es um den Umgang mit den Überresten des jüdischen Gotteshauses geht. Sobald die Synagogen-Überreste auf der Liste der Kulturdenkmale steht, sitzt auch das Niedersächsische Landesamt für Denkmalspflege mit im Boot.
Stadt will Bauherren Weg nicht verbauen
Die Behörde hatte die Stadt zur Stellungnahme zu einer Aufnahme in die Liste der Kulturdenkmale aufgefordert. Aus „denkmalrechtlicher Sicht“ sei das zu befürworten, heißt es in dem Antwortschreiben von Bürgermeisterin Beatrix Kuhl (CDU), das der Redaktion vorliegt. Es folgt jedoch ein großes Aber. Seit Jahren suche die Stadt nach einer Möglichkeit, die „städtebaulich außerordentlich unbefriedigende“ Situation an der Ecke Heisfelder/Friesenstraße zu beseitigen. Nun seien die Gespräche weit gediehen. Der Versuch, die Überreste der Synagoge zu schützen, sollte deshalb nicht dazu führen, dass sich auf dem Gelände wieder über Jahrzehnte hinweg nichts mehr tue, appelliert Kuhl an das Niedersächsische Landesamt für Denkmalspflege.
Die Leeraner Synagoge war in der Nacht auf den 10. November 1938 von den Bürgern abgebrannt und die Trümmer wenige Tage danach abgeräumt worden. Zuletzt standen auf dem Gelände eine Tankstelle und eine Werkstatt, die seit 17 Jahren nicht mehr in Betrieb sind. Das wenig ansehnliche Gelände ist seitdem zu einem echten Ärgernis für die Leeraner geworden. Deshalb war das Interesse groß, als ein Vertreter der Firma Wittrock erste Pläne für ein großes Wohn- und Geschäftshaus auf dem Areal vorstellte. Das Vorhaben war auch die Chance für die Archäologen, nach Überresten der Synagoge zu suchen.
Gespräch Ende des Monats
Bis vor einem guten Jahr war unsicher gewesen, ob es die im Boden geben könnte. Es sind sowohl Augenzeugenberichte überliefert, nach denen nach dem Brand alles abtransportiert worden sei, als auch solche, wonach der Keller mit dem Schutt des Gebäudes und dem übrig gebliebenen Inventar verfüllt worden sei. Erste Archäologische Untersuchungen brachten dann tatsächlich Mauerreste und Gebrauchsgegenstände zutage. Damit war klar, dass sich die Bauherren mit einem Kulturdenkmal im Boden auseinanderzusetzen haben und sich auf weitere Auflagen einstellen können.
Seitdem hat sich auf dem Gelände nichts mehr getan. Ende September werde es aber ein Gespräch mit den Grundstückseigentümern samt Anwältin, der zuständigen Mitarbeiterin des Landesamtes für Denkmalpflege Caroline Ritter, dem Leiter des Archäologischen Dienstes der Ostfriesischen Landschaft Dr. Jan Kegler sowie Mitarbeitern der Stadtverwaltung und ihr selbst geben, kündigte Bürgermeister Beatrix Kuhl an.
Die Grundstückseigentümer wollten sich informieren lassen, was sich auf dem Synagogen-Gelände umsetzen lasse. Er wisse von diesem Termin zwar noch nichts, freue sich aber auf diesen Austausch, sagte Kegler der Redaktion. „Ich bin neugierig, welche Schritte die Investoren bei den Planungen für ihren Bau seit den Funden vor einem Jahr unternommen haben.“