Politik
Pewsum: Podiums-Wahlkampf mit den Rathaus-Anwärtern
Hilke Looden, Alfred Jacobsen und Henning Paulsen-Jacobs wollen Bürgermeister der Gemeinde Krummhörn werden. Bei einer Podiumsdiskussion kämpften sie nun gegeneinander um die Wählergunst.
Pewsum - Frank Baumann (SPD) konnte sich am Freitagabend in der Pewsumer IGS-Turnhalle zurücklehnen. Immerhin war der scheidende Bürgermeister der Gemeinde Krummhörn dieses Mal nur Zuschauer. Für seine potenziellen Nachfolger Hilke Looden (parteilos), Alfred Jacobsen (SPD) und Henning Paulsen-Jacobs (fbl) hingegen ging es bei der Podiumsdiskussion unserer Zeitung um die berufliche Zukunft. Gut zwei Stunden lang stellten sich die drei den Fragen von Redakteur Claus Arne Hock, Redakteurin Nina Harms sowie denen des Publikums.
Grundschule Jennelt
Schon seit Jahren ist der schlechte Zustand der Jennelter Grundschule Thema und laufend kommen neue Mängel hinzu. Zwar wird über eine mögliche Sanierung oder den Neubau diskutiert. Passiert ist bislang jedoch vergleichsweise wenig. Wie stehen die Kandidaten zu diesem Problem und warum wurde es noch immer nicht gelöst?
Was und warum
Darum geht es: Unsere Zeitung hat in Kooperation mit der Schwimmsparte des Tus Pewsum eine Podiumsdiskussion organisiert. Dort stellten sich zwei Krummhörner Rathaus-Anwärter und eine -Anwärterin den Fragen zweier Redakteure sowie der Zuschauer.
Vor allem interessant für: Personen, die in der Gemeinde Krummhörn ihre Stimme abgeben dürfen oder die sich für die Kommunalwahl in Ostfriesland allgemein interessieren
Deshalb berichten wir: Wir wollen unsere Leser möglichst gut auf die Kommunalwahl vorbereiten. Darum haben wir den öffentlichen Diskussionsabend veranstaltet, gefilmt und ins Internet gestellt. Dieser Artikel dient indes als Zusammenfassung des Gesprächs. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Der Ratsherr Paulsen-Jacobs sagte, dass er schon im Jahr 2015 als Mitglied des Bildungsausschusses an einer Besichtigung teilgenommen habe, wo die Schulleiterin eine Mängelliste präsentierte. Es sei damals auch eigentlich Abhilfe zugesagt worden und Paulsen-Jacobs sei davon ausgegangen, dass sich die Gemeindeverwaltung im Rahmen der „laufenden Geschäfte“ darum kümmere. Dazu sei es aber nicht gekommen. Auch den Ratsmitgliedern fehlten bis heute aussagekräftige Unterlagen, um eine Entscheidung treffen zu können. Auch Gespräche mit allen Beteiligten und die Besichtigung vergleichbarer Schulen stünden noch aus. Paulsen-Jacobs rechnet damit, dass es wohl noch 1,5 bis zwei Jahre dauern wird, bis in Jennelt saniert oder neugebaut werden kann.
Auch Hilke Looden bemängelt, dass den Ratsleuten Unterlagen für die Entscheidungsfindung fehlen. Was die Kosten angeht, werden diese in den kommenden Jahren aufgrund der Entwicklung im Baugewerbe mit Sicherheit weiter steigen, befürchtet sie. Es dürfe nicht sein, dass seit der Bereisung im Jahr 2015 nichts passiert ist. Der Druck auf die Verwaltungsmitarbeiter müsse erhöht werden, forderte Looden. Sie hoffe nun auf die bald anstehende Klausurtagung, wo Politik, Gemeindeverwaltung, Lehrkräfte und Eltern zusammenkommen sollen, um über das Thema zu beraten.
Alfred Jacobsen gestand indes ein, dass es wohl auch an der Politik liegt, dass es an der Grundschule Jennelt bislang nicht voranging. Diese hätte nach der Bereisung öfter bei der Verwaltung nachhaken müssen, findet er. Gespräche mit der Eltern- und Lehrerschaft habe es hingegen bereits gegeben.
Wohnraum
Als nächstes ging es um die Frage, wie auch außerhalb der besonders gefragten Orte Greetsiel und Pewsum mehr Bauland geschaffen werden kann. Jacobsen schlug die Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft vor, deren Planung bereits weit gereift, aber durch die Pandemie ausgebremst worden sei. Außerdem müsse man das Bauen in „zweiter Reihe“ in Greetsiel vorantreiben. Es gebe große Gärten aus der Zeit, als noch mehr Lebensmittel angebaut und mehr Nutztiere gehalten worden seien. Diese Flächen müsse man nun für neue Häuser nutzen.
Looden, die wie Jacobsen ebenfalls in Greetsiel wohnt, warnte davor. In der Vergangenheit seien bereits mehrfach alte große Häuser abgerissen und durch Mehrparteienhäuser ersetzt worden. Diese Entwicklung müsse zugunsten von Einheimischen-Bauplätzen für Familien entgegengewirkt werden – auch in anderen Krummhörner Orten, wo die Zahl an zuziehenden Auswärtigen ebenfalls zunehme.
Paulsen-Jacobs betonte ebenfalls die Rolle der Nachverdichtung, für die man gegebenenfalls auch geltende Bebauungspläne abändern müsse, um beispielsweise den An- und Umbau von bestehenden Häusern zu erleichtern. Was die Ausweisung neuer Baugebiete angeht, komme dafür vor allem Pewsum infrage. Das sieht auch das Regionale Raumordnungsprogramm für diesen Ort und für Greetsiel vor. In kleineren Orten hingegen schränkt es die Zahl neuer Bauplätze vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ein. So soll zumindest in den etwas größeren Orten dank dieser Zentralisierung die Infrastruktur künftig sichergestellt werden.
Und wie sieht es mit dem Mangel an Wohnungen aus? Nach Kenntnis von Paulsen-Jacobs könne davon nur in Greetsiel die Rede sein, wo es zum Beispiel Saisonkräfte schwierig haben, eine Unterkunft zu finden. In den anderen Orten seien hingegen nur Bauplätze ein Problem. Jacobsen verwies zum Thema Wohnungen erneut auf die Wohnbaugesellschaft, was auch Looden grundsätzlich befürwortet. Mit einem Genossenschaftsmodell ließen sich darüber hinaus vielleicht auch Gulfhöfe und andere große Häuser erhalten und als Wohnraum nutzen, findet sie.
Angebote für die Jugend
In den vergangenen Monaten fielen einige Kinder und Jugendliche auf, die an der Pewsumer Grundschule und an der Manningaburg für Unruhe sorgten. Für beide Einrichtungen wurden daraufhin Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Das eigentliche Problem wird dadurch jedoch nicht gelöst: Es fehlt der Jugend an Treffpunkten und Freizeitmöglichkeiten in der Gemeinde. Was sind die Gedanken der drei Kandidaten dazu?
Laut Looden besteht ein Problem darin, dass sich die Jugend gerade abends treffe, wenn es keine offiziellen Betreuungsangebote mehr gibt. Man müsse die Heranwachsenden fragen, was sie sich wünschen und den Jugendpfleger der Gemeinde dabei einbinden, fordert sie ebenso wie Paulsen-Jacobs. Der bedauerte indes, dass das bisherige Jugendhaus mangels Nachfrage geschlossen werden musste. Jacobsen schlug vor, für den Anfang mit Vereinen und der Feuerwehr über mögliche Freizeitangebote zu sprechen.
Mobilität
Einig sind sich die drei Kandidaten darin, dass bei der Schaffung von entsprechenden Angeboten aber auch die Mobilität eine wichtige Rolle spielt. Looden schlug vor, dass die Krummhörn – wie auch schon die Samtgemeinde Hage und die Gemeinde Großheide – einen Bürgerbus bekommt. Die Fahrzeiten müssten dann aber an die Jugend angepasst werden. Looden kündigte an, dieses von staatlicher Seite geförderte Projekt innerhalb eines Jahres umzusetzen. Für jeden Bürgerbus braucht man einen Verein, dessen ehrenamtliche Fahrer Touren übernehmen. Sie ergänzen den bereits bestehenden regulären Personen-Nahverkehr.
Jacobsen erinnerte daran, dass es bereits erste Treffen zum Thema Bürgerbus in der Krummhörn gegeben hat, das Projekt jedoch ins Stocken geriet und es an Ehrenamtlichen fehlte. Außerdem könnten Schüler auch mal mit dem Rad fahren, zumindest, wenn es um kürzere Strecken gehe. Paulsen-Jacobs entgegnete, dass es vor allem an der Pandemie liege, dass das Projekt in der Krummhörn noch nicht weiter sei. Der Bürgerbus hat seiner Meinung nach eine Zukunft – vor allem, wenn man aus ihm einen Bürger- und Urlauberbus machen würde, um die Auslastung zu erhöhen.
Kaputte Straßen
Weiterhin ging es um die vielen maroden Wirtschaftswege in der Gemeinde und um ein neues Modellprojekt, das die Situation verbessern soll. Die Idee: Von den Sanierungen direkt betroffene Grundbesitzer sollen 20 Jahre lang feste Beiträge für die Arbeiten einzahlen. Bei normalen Straßenausbau-Beiträgen hingegen müssen Anwohner nur zahlen, wenn gerade unmittelbar vor ihrer Haustür saniert wird. Wie aber geht es mit diesem Projekt weiter?
Laut Jacobsen gibt es einen Arbeitskreis, der schon 16 Mal zusammengekommen ist. Allerdings könne man nicht anfangen, bevor es eine Förderzusage gebe. Jacobsen empfiehlt in diesem Zusammenhang, eine „Fördermittel-Management-Stelle“ bei der Gemeinde einzurichten, deren Aufgabe es auch allgemein sein soll, bei allen möglichen Ideen nach potenziellen Finanzhilfen Ausschau zu halten.
Looden lehnt das ab: Die Akquise von Fördergeld sei die Aufgabe des Verwaltungschefs. In diesem Fall gelte es, auch schon vor der zugesicherten Finanzspritze mit der Sanierung einzelner Wege zu beginnen. Diese müssten ja auch nicht immer hochklassig sein. Manchmal tue es vielleicht auch ein einfacher Schotterweg, schlug sie vor. Paulsen-Jacobs warnte davor. Wenn Fördergeld beantragt werde und man schon vor der Zusage mit Bauarbeiten beginne, verwirke man den Anspruch auf die Zahlung.
Das wollten die Zuschauer wissen
Schließlich bekam auch noch das Publikum die Gelegenheit, Fragen an die drei Kandidaten zu stellen. Unter anderem zeigten sich einige Zuhörer besorgt, welchen Einfluss die CDU und die SWK auf Looden haben, die die parteilose Kandidatin offiziell unterstützen. Sie versicherte, dass sie frei entscheiden kann und sich nicht an deren Positionen halten muss.
Eine weitere Zuhörerin wollte wissen, wie die Kandidaten auf das hohe Durchschnittsalter in der Gemeinde reagieren, wo es an einer Tagespflege und – außer in den Pflegeheimen – an seniorengerechten Unterkünften mangele. Jacobsen kündigte an, sich bei der Diakonie, bei der Awo und den Kirchen nach den aktuellen Angeboten und dem möglichen Bedarf zu erkundigen. Looden stimmte dem bei.
Dr. Stephan Peters, der der Flüchtlingskoordinator der Nachbargemeinde Hinte ist, kündigte die Ankunft von weiteren 560 Geflüchteten im Landkreis Aurich an und fragte, wo diese und mögliche weitere Schutzsuchende untergebracht werden sollen. Paulsen-Jacobs riet davon ab, auf Verdacht einen „Pool an Häusern“ zu kaufen und empfahl stattdessen Containerlösungen. Dem schlossen sich auch Looden und Jacobsen an. Paulsen-Jacobs wies zudem darauf hin, dass die Krummhörner Ratsfraktionen kürzlich mit dem Asylkreis über eine mögliche Unterstützung der Gruppierung Seebrücke gesprochen hatten. Sollte die Gemeinde die Initiative unterstützen, würde sie sich offiziell dazu bereit erklären, mehr Schutzsuchende aufzunehmen, als ihr von oben zugeteilt wird.