Sicherheit

Fluchtweg fehlt: Jennelter Schüler nutzten gesperrte Räume

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 05.09.2021 12:06 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
An der Grundschule Jennelt soll sich etwas tun. Was genau, steht allerdings noch nicht fest. Archivfoto: Wagenaar
An der Grundschule Jennelt soll sich etwas tun. Was genau, steht allerdings noch nicht fest. Archivfoto: Wagenaar
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Ende 2019 wurde klar, dass einige Räume der Grundschule Jennelt nicht mehr der Brandschutznorm entsprechen. Trotzdem wurden sie bis jetzt weitergenutzt. Die Gemeinde Krummhörn räumt einen Fehler ein.

Jennelt - Weil ein zweiter baulicher Fluchtweg fehlt, dürfen zwei Räume im Obergeschoss der Grundschule Jennelt nicht mehr für den Unterricht genutzt werden. Das hatte der Landkreis Aurich bereits Ende des Jahres 2019 verfügt, wie dessen Sprecher Nikolai Neumayer am Sonntag unserer Zeitung auf Nachfrage bestätigt. Erst jetzt aber wurde auch die Schulleitung über diesen Beschluss informiert, bestätigt am Sonnabend der Sprecher der Gemeinde Krummhörn, Fritz Harders.

Was und warum

Darum geht es: Ohnehin schon wird der schlechte Zustand der Grundschule Jennelt seit Jahren kritisiert. Nun kommt ein weiteres Problem hinzu.

Vor allem interessant für: Bewohner der Gemeinde Krummhörn, deren Kinder die Schule besuchen oder deren Steuergeld in die Sanierung oder den Neubau der Einrichtung fließen könnte

Deshalb berichten wir: Wir sind durch einen anderen Medienbericht auf die Probleme mit dem Brandschutz aufmerksam gemacht worden und haben daraufhin auch selbst den Gemeindesprecher und die LAK kontaktiert.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Im vorvergangenen Jahr habe es eine Begehung zusammen mit dem Landkreis gegeben, bei der es um den Brandschutz gegangen sei. „Die Auflagen wurden im Laufe der Jahre immer weiter verschärft“, so Harders. Zuletzt hätten diese im oberen Bereich der Schule dann nicht mehr der neuesten Verordnung entsprochen, die den zusätzlichen Fluchtweg vorschreibe, erklärt der Gemeindesprecher.

Bürgermeister wollte Schule informieren

Bürgermeister Frank Baumann (SPD) habe damals zugesagt, die Schule zu warnen. Das habe der Verwaltungschef dann aber leider versäumt. Harders führt das auch auf das Datum der Begehung zurück: Donnerstag, den 19. Dezember – Freitag war der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien.

Allerdings handelt es sich bei den betroffenen Räumen laut dem Gemeindesprecher um keine Klassenzimmer. Stattdessen befänden sich dort ein Leseraum und eine Bibliothek. Das erklärt laut Neumayer auch, warum der Landkreis im Anschluss an die Begehung keine Nachprüfung veranlasste: „Eine weitere Überprüfung seitens des Landkreises, ob bauliche Anpassungen erfolgen, ist grundsätzlich nur dann notwendig, wenn aus brandschutztechnischer Sicht eine Gefährdung für Personen besteht.“ Zum Zeitpunkt der Überprüfung sei das nicht der Fall gewesen, da die Räume nicht für den Unterricht vorgesehen gewesen seien. Heißt das jetzt, dass Schüler die Räume auch weiterhin zumindest als Bibliothek und Leseraum nutzen können, obwohl kein zusätzlicher Fluchtweg vorhanden ist? Eine Antwort auf diese Nachfrage an den Landkreis steht noch aus.

Die Schule jedenfalls führt sicherheitshalber schon einmal Verhandlungen mit der Ländlichen Akademie Krummhörn (LAK), die ebenfalls Teile der Schule nutzt und diese – so die Hoffnung – den Schülern mit zur Verfügung stellt. Das bestätigte am Sonnabend Christine Schmidt, die Geschäftsführerin des Vereins. Gleichzeitig versicherte sie: „Wir werden eine Lösung finden.“

Idee: Schüler in die LAK-Werkstatt

Die LAK betreibe im unteren Teil des Gebäudes eine Werkstatt, wo sich Töpfer- und Holzgruppen träfen. Deren Termine könnte man vielleicht auf den Nachmittag verschieben, während vormittags die Schulkinder kommen könnten. Das sei aber gewiss kein gemütlicher Ort zum Schmökern und es stelle sich zudem die Frage, ob diese Lösung auch sicherheitstechnisch machbar wäre. So befänden sich in der Werkstatt auch Brennöfen. Längerfristig wäre da vermutlich der Bau eines zweiten Rettungsweges oder das Aufstellen eines Containers besser, schlug die Geschäftsführerin vor.

Sie zeigte Mitleid mit der Schulleitung, bei der die Nerven ohnehin schon blank liegen würden. Schmidt spielt damit auf den maroden Zustand des Gebäudes an – eines der Hauptthemen, mit denen sich die Krummhörner Politik derzeit beschäftigt. Wie der Ratsherr und Bürgermeister-Kandidat Henning Paulsen-Jacobs (fbl) am Freitag bei einer Podiumsdiskussion unserer Zeitung in Erinnerung rief, hatte die Schulleitung schon 2015 eine Mängelliste für den Bildungsausschuss des Rates zusammengefasst.

Zum Brandschutz kommen weitere Mängel hinzu

Zuletzt schlug der Elternrat Ende Juli Alarm, als er Vertreter aus Politik und Verwaltung empfing, um möglichst noch vor dem Beginn des neuen Schuljahres Lösungen zu finden. So war unter anderem bei einem Unwetter im Juni Wasser in mehrere Räume der Schule eingedrungen und es hatte sich schwarzer Schimmel gebildet. Außerdem wurden Probleme mit Oberlichtern bemängelt, die sich nur schwer, nur auf Kipp oder gar nicht öffnen lassen. Stoßlüftungen, die als wichtige Hygienemaßnahme gegen die Verbreitung des Corona-Virus gelten, seien dadurch unmöglich, hieß es. Zudem ging es um Unterrichtsmaterial, das teilweise auf den Fluren zwischengelagert worden war. Das entspricht ebenfalls nicht mehr den geltenden Brandschutzbestimmungen für Schulen.

Bei dem Gespräch Ende Juli kündigten die zuständige Fachbereichsleiterin Ina Droll-Dannemann und deren Mitarbeiterin Marianne Folkerts rasch Abhilfe an. Demnach sollten noch vor dem Ferienende die Fenster des betroffenen Klassenraums komplett gereinigt und die von Schimmel befallenen Flächen neu gestrichen werden. Außerdem sei für die Herbstferien der Einbau eines neuen Oberfensters vorgesehen, damit künftig Stoßlüftungen möglich sind, sagte Folkerts. Es könne aber nur eine Behelfslösung sein, weil die Ursache des Schimmelbefalls damit nicht beseitigt werde, hieß es. Zum neuen Schuljahr verfüge aber jede der sieben Klassen über einen eigenen Raum.

Wie aber geht es langfristig weiter? Diese Frage bleibt bislang unbeantwortet. In den kommenden Wochen soll es jedoch eine Klausurtagung geben, zu der Politik, Gemeindeverwaltung, Lehrkräfte und Eltern eingeladen sind. Dort soll auch besprochen werden, ob die komplette Schule kernsaniert oder – in Teilen oder komplett – neu gebaut werden soll.

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