Kolumne: Digital total

Kulturgut Personal Computer

Fabian Scherschel
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Eine Kolumne von Fabian Scherschel
| 07.09.2021 09:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Fabian Scherschel
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Auf unserem Online-Auftritt veröffentlichen wir an sechs Tagen pro Woche eine Kolumne. Dienstags geht es immer um Digitales.

Der PC – oder genauer: der IBM-kompatible Personal Computer – ist eine einmalige Errungenschaft in der Geschichte der Informatik. Normalerweise werden technische Neuerungen durch eine einzelne Firma vorangetrieben, die ihren Fortschritt und den damit verbundenen Wettbewerbsvorteil eifersüchtig gegenüber ihren Konkurrenten verteidigt. Firmen versuchen, mithilfe von Geheimhaltung und Patenten, die Kontrolle über ihre Produkte und deren Entwicklung fest im Griff zu behalten. Das wiederum führt zu monolithischen Systemen wie Apples Mac-Computer oder den modernen Smartphones.

IBMs PC ist etwas Besonderes. Durch eine Laune der Geschichte war es damals für IBM von Vorteil, diese Kontrolle abzugeben. Der PC wurde als offenes System konzipiert. Ein Spielfeld mit klaren Regeln, auf dem nichtsdestotrotz andere Firmen mitspielen durften.

Zur Person

Fabian Scherschel (37), geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.

Jeder, der sich an die entsprechenden Standards hielt, konnte so einen Prozessor, Speichermedien, Netzteile, Erweiterungskarten, ja sogar das Mainboard selber herstellen – und alle diese Geräte funktionierten mit Komponenten anderer Hersteller. Aus diesem Grund kann ich heute eine Grafikkarte von Nvidia auf einem Mainboard von Asus mit einer CPU von AMD betreiben. Bei meinem iPhone kann ich nicht mal defekte Komponenten gegen andere desselben Herstellers tauschen.

Die Modularität des PCs wurde zu einem ungeahnten Motor der Entwicklung der Computer-Technik: Jeder, der in den 90er Jahren aufgewachsen ist und den Sprung, den PC-Spiele zwischen etwa 1992 und 1996 gemacht haben, miterlebt hat, wird wissen, was ich meine. Digitale Technik hat sich bis dato, und seitdem nie wieder so rasant, entwickelt. Sehr viele brandheiße Technologien von heute wie Smartphones, Apps, das Internet of Things, digitale Assistenten und KI-Algorithmen lassen sich direkt zur Entwicklung des PCs als offener Plattform zurückverfolgen. Der PC ist etwas ganz Besonderes. Er ist ein Kulturgut, das wir bewahren sollten.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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