Wirtschaft
Wiesmoorer liefert Holz aus Kölner Dom an Fender
Der Gitarrenhersteller-Riese Fender hat beim Wiesmoorer Holzhändler Herbert Otte Holz aus dem Kölner Dom bestellt. Der bekommt zudem Zypressenholz aus einem Schlossgarten des Sonnenkönigs Louis XIV.
Wiesmoor - Herbert Otte war gerade zu Hause in seinem Garten am Wiesmoorer Stadtrand, als der Anruf aus Los Angeles kam. Am anderen Ende der Leitung: Mike Born, Direktor für Holztechnologie beim weltberühmten US-Gitarrenbauer Fender und Chef des sogenannten Custom Shops – des Firmenzweigs, in dem Unikate und Sonderanfertigungen nach Kundenwünschen gebaut werden. Er und der Wiesmoorer Holzhändler kennen sich seit einigen Jahren, der Ostfriese hat die Gitarrenbauer unter anderem mit besonderen Riegeleschen-Furnieren beliefert für besondere Instrumente, auf denen etwa der Gitarrist von „The Police“, Andy Summers, schon gespielt hat.
Was und warum
Darum geht es: Ein Wiesmoorer Holzhändler ist vom US-Gitarrenriesen Fender angefragt worden, um Holz aus dem Kölner Dom für ganz besondere Gitarren-Sonderanfertigungen zu besorgen.
Vor allem interessant für: Musiker, Holzbegeisterte, Freunde von verrückten Geschichten.
Deshalb berichten wir: In einem gemeinsamen Telefonat berichtete der Holzhändler davon, kürzlich aus den USA für einen besonderen Auftrag angerufen worden zu sein – und außerdem besonderes Holz aus dem Garten eines Lustschlosses vom „Sonnenkönig“ Louis XIV. zu bekommen. Den Autoren erreichen Sie unter: o.cordsen@zgo.de
„Herbert, es hört sich bekloppt an, aber ich brauche etwas Besonderes“
„Nun sagte er, ,Herbert, es hört sich bekloppt an, aber ich brauche etwas ganz Besonderes – und dafür brauche ich Dich. Ich habe einen Kunden, der mehrere baugleiche exklusive Gitarren will und einen ganz besonderen Bezug zu Köln hat, und dafür brauchen wir auch Holz von dort. Kannst Du uns was besorgen?‘“, erzählt Otte. „Um welchen Künstler es geht, weiß ich bis heute nicht. Aber ich habe gesagt, ,ich gebe mein Bestes‘. Und dann habe ich mich hingesetzt und überlegt.“
Relativ bald sei ihm der Gedanke gekommen: „Im Kölner Dom ist doch auch Holz verbaut.“ Mehrere Telefonate später habe er erfahren, dass es im Dom neben Steinmetzen auch eine eigene Tischlerei gebe, und dort rief er an. „Der Tischlermeister war unglaublich nett und ist sogar selbst Musiker“, sagt Otte. „Er hat dann erzählt, dass im Dom regelmäßig auch Holzbalken erneuert und ausgetauscht werden müssen, das alte Holz aber katalogisiert und aufbewahrt wird. Als ich ihm von meinem etwas skurrilen Anliegen erzählte und fragte, ob ich davon wohl etwas bekommen könnte, sagte er, dass das eigentlich nicht erlaubt ist – er wolle aber schauen, ob er trotzdem etwas ermöglichen könne.“
Holzwurmzerknabberte Balken aus dem Kölner Dom erhalten
Wenig später saßen Herbert Otte und seine Frau im Auto nach Köln. „Wir sind in abgelegene Gewölbe geführt worden, an uralten Statuen und anderen Steinmetzfiguren vorbei, bis zu den Regalen, in denen die Hölzer liegen“, erzählt er. „Und dann hat der Tischlermeister uns zwei Balken aus Brauneiche gezeigt, die im Windfang über einem Türportal verbaut waren. Die hat er uns angeboten.“
Teile der Balken sind von Holzwurmgenerationen durchknabbert worden, Löcher lassen altertümliche Zapfenverbindungen erahnen. „Das ist kein klassisch makelloses Holz, aber welches mit echter Geschichte“, sagt Otte. „Und Mike Born war begeistert und sagte sofort, ,Das will ich haben.‘“
Um die Echtheit der Balken auch belegen zu können, habe er sich neben den zwei Holzbalken auch offizielle Zertifikate mit dem Briefkopf des Kölner Doms von den Zuständigen ausstellen lassen, habe die gemeinsam mit einem der beiden Balken dann nach Los Angeles geschickt. „Dort wird das Holz in filigrane Teile und Furniere zersägt und in die Gitarren eingebaut“, sagt Otte. Einer der beiden Balken, kiloschwer, liegt zurzeit noch in seinem Haus. „Ich rechne aber damit, dass wir auch den bald noch in die USA schicken sollen“, sagt der Wiesmoorer. „Überhaupt Holz aus dem Kölner Dom zu bekommen und zu wissen, dass Holz, das ich besorgt habe, in Sonderanfertigungen für einen besonderen Künstler stecken wird, das ist schon ein tolles Gefühl“, sagt er.
Zypressenholz aus dem Garten des „Sonnenkönigs“
Und weiteres besonderes Holz mit ebenfalls besonderer Geschichte hat der Wiesmoorer kürzlich in der Nähe von Paris aufgetan: „Ich habe dort einen befreundeten Holzhändler, Rado Marinkovic. Wir stehen seit Jahren in engem Kontakt, er ist ständig in Wäldern unterwegs und er pflegt und erntet auch im Auftrag staatlicher Stellen Holz in offiziellen Parkanlagen. Rado rief mich nun vor ein paar Wochen an, dass er eine Zypresse im Garten eines Lustschlosses ernten bei Paris soll, das der „Sonnenkönig“ Louis XVI. im 17. Jahrhundert hat bauen lassen. Und diese Zypresse wurde mutmaßlich schon damals gepflanzt, als der Garten angelegt wurde.“ Gemeinsam mit Marinkovic kaufte Otte das Holz. „Es ist unglaublich schönes Holz mit einer rot-gelben Maserung und einer tollen Oberfläche, aber auch sehr empfindlich. Deswegen muss man es sehr langsam sägen und sehr langsam trocknen“, erklärt der Holz-Experte. Dies geschieht aktuell in einem Sägewerk in Frankreich. Danach soll das in dicke Scheiben geschnittene Holz nach Wiesmoor kommen, wo daraus in der Möbeltischlerei von Karl-Heinz Efken „besondere Tischplatten daraus und im Weiteren dann ganze Tische entstehen sollen“, erzählt Otte. „Vielleicht fünf oder sechs könnten es werden. Alles Unikate. „Vermarkten wollen wir sie in Ostfriesland. Denn es muss nicht sein, dass das Holz noch wieder auf weite Reisen geht.“
Blutbuchen-Brennholz bedauert
Ähnliches hätte der Wiesmoorer sich auch mit dem Holz der vor Kurzem gefällten Auricher Blutbuche vorstellen können. „Es ist unglaublich schade, dass der Baum einfach zu Brennholz zersägt worden ist. Auch das ist doch ein Baum mit Geschichte, und auch wenn das Holz von Pilzen befallen war: Das kann man ja behandeln. Aber es wäre doch ein tolles Zeichen gewesen, daraus auch Möbel zu bauen, die in Aurich hätten stehen können - vielleicht im Rathaus oder im Kreishaus. Aber so hätte man eine bleibende Erinnerung gehabt statt das Holz nun nur zu verfeuern“