Beruf
Zahl der Auszubildenden im Handwerk steigt wieder
In Ostfriesland sind in diesem Jahr deutlich mehr Lehrstellen im Handwerk besetzt worden als 2020. In einigen Sparten wird dennoch weiterhin händeringend Nachwuchs benötigt.
Ostfriesland - In den Betrieben der Handwerkskammer für Ostfriesland sind bis Anfang September 934 Lehrstellen besetzt worden. Das sind 85 mehr als zum selben Zeitpunkt des vergangenen Jahres – ein Plus von neun Prozent. „Nach einem corona-bedingten Rückgang 2020 steigen die Zahlen wieder auf ein erfreuliches Maß“, zeigt sich Hauptgeschäftsführer Jörg Frerichs zufrieden mit der Entwicklung.
Zwar waren 2019 noch 1044 Lehrstellen besetzt worden, dennoch sieht Frerichs die Zukunft des Handwerks wieder auf einem soliden Weg. „Zurzeit sind viele mögliche Bewerber noch etwas unsicher aufgrund der sich ständig verändernden Pandemielage. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir in ein bis zwei Jahren die 1000er-Marke wieder überschreiten werden. Insgesamt ist das Handwerk sehr gut durch die Pandemie gekommen.“
In vielen Sparten mehr Lehrlinge
Beim Blick auf einzelne Ausbildungsberufe fällt auf, dass besonders in den krisengebeutelten Sparten, zu denen unter anderem die körpernahen Dienstleistungen sowie das Lebensmittelhandwerk gehören, die Zahlen stabil bleiben. So muss das Friseur-Handwerk mit 31 neu abgeschlossenen Verträgen zwar einen leichten Rückgang verbuchen (Vorjahr: 37), dieser fällt aber laut Frerichs geringer aus als erwartet. Die Zahl der künftigen Fachverkäuferinnen und -verkäufer im Lebensmittelhandwerk, Schwerpunkt Bäckerei, bleibt mit 34 Auszubildenden (Vorjahr: 33) nahezu unverändert.
Das Kfz-Handwerk beginnt sich nach einem leichten Rückgang in 2020 langsam zu erholen. Mit 135 neu eingestellten Azubis verzeichnet es ein Plus (Vorjahr: 111). Ebenso sieht es im Maler- und Lackierer-Handwerk mit 68 Ausbildungsverträgen aus. Hier wurden zehn Lehrlinge mehr eingestellt als 2020.
„Viele Betriebe suchen händeringend Auszubildende
Ganz anders bei den Tischlern: Sie verbuchen mit einem Minus von 14 Verträgen einen starken Einbruch. 34 Azubis wurden neu eingestellt (Vorjahr: 48). „Dies könnte auf den aktuell vorherrschenden Materialengpass zurückzuführen sein“, vermutet Frerichs.
Die positive Entwicklung der Ausbildungszahlen sei vor allem dem großen Engagement der Betriebe und der Ausbildungsprämie zu verdanken. „Viele Betriebe suchen aber immer noch händeringend nach Nachwuchs“, so Frerichs. Nach Schätzungen der Agentur für Arbeit Emden-Leer sind in ihrem Agenturbezirk etwa 390 Ausbildungsstellen im Handwerk unbesetzt.
„Im ostfriesischen Handwerk stehen die Türen der Betriebe weiter offen für alle Jugendlichen, die noch in diesem Jahr mit einer Ausbildung beginnen wollen“, weist Wolfgang Janhsen, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Aurich-Emden-Norden darauf hin, dass noch bis September Verträge abgeschlossen werden können. Frerichs ergänzt: „Eine Alternative zur Ausbildung kann auch ein Langzeitpraktikum von etwa neun Monaten, die Einstiegsqualifizierung, sein.“