Emder Seezeichen
Emder Brunnen ist sprudelndes Beispiel für Bürgersinn
Der Brunnen im Stadtgarten ist Leo Fürbringer gewidmet. Der frühere Oberbürgermeister erneuerte Emden zwischen 1875 und 1914. Das Denkmal stand nicht immer auf diesem Platz.
Emden - Er steht mitten in der Stadt, sprudelt vom Frühjahr bis zum Herbst, was das Zeug hält, und gilt als herausragendes Beispiel bürgerschaftlichen Engagements: Der Fürbringer-Brunnen im Stadtgarten ist heute aus dem Bild Emdens kaum noch wegzudenken. Das Denkmal feiert im kommenden Jahr seinen 120. Geburtstag, an seinem jetzigen Standort steht es aber erst seit 37 Jahren.
Der Brunnen erinnert an den früheren Oberbürgermeister Leo Fürbringer, der am 19. Juli 1875 vor der Emder Bürgerschaft seinen Amtseid geleistet hatte. Er war damals 30 Jahre alt. Fürbringer gilt als Erneuerer Emdens, der der Stadt und vor allem dem Hafen damals zu einem wirtschaftlichen Aufschwung verhalf. In seine 40-jährige Amtszeit fielen unter anderem die Eindeichung des Kaiser-Wilhelm-Polders im Westen der Stadt, der Bau mehrerer Hafenbecken, des Ems-Jade-Kanals und der Nesserlander Schleuse, die den Hafen tideunabhängig machte.
Ein Denkmal zum Dienstjubiläum
Das Format und das Wirken des 1843 in Gera geborenen und 1923 in Emden gestorbenen Mannes wurde auch deutlich mit dem Bau des Neuen Binnenhafens und der Großen Seeschleuse, die 1913 ihren Betrieb aufnahm. Im selben Jahr ging Fürbringer in den Ruhestand. Während des Ersten Weltkrieges übernahm er den Posten des Stadtoberhauptes aber von 1914 bis 1918 erneut, nachdem sein Nachfolger Dr. Mützelburg zum Kriegsdienst eingezogen worden war.
Die Idee zu dem Brunnen entstand im Jahr 1900, als Fürbringer 25 Jahre im Amt war. Damit wollte die Stadt ihm ein Denkmal setzen. Das Geld kam bei einer Unterschriftensammlung zusammen, mit der Emder Bürgerinnen und Bürger dem Stadtoberhaupt zum Dienstjubiläum gratulieren sollten.
Lange im Dornröschenschlaf
Zwei Jahre später wurde der Fürbringer-Brunnen an der Bonnesse aufgestellt. Den Auftrag führte der Bildhauer Georg Küsthardt aus Hannover aus. Er hatte zuvor für Emden schon eine Bronzebüste von Kaiser Wilhelm I. und das Denkmal für den Reichspostminister Heinrich von Stephan geschaffen. Den Fürbringer-Brunnen prägen zwei etwa lebensgroße Figuren eines Fischers und eines Seemanns.
Den Zweiten Weltkrieg überdauerte der Brunnen fast unbeschadet. Dennoch musste das Denkmal 1956 dem Straßenbau weichen. Zunächst lagerten die Einzelteile lange Zeit hinter dem städtischen Verwaltungsgebäude an der Ringstraße. Später transportierte die Stadt sie zum damaligen Bauhof auf dem Buschplatz.
Viele engagierten sich
Aus dem Dornröschenschlaf geweckt wurde der Brunnen erst wieder 1981 von dem Emder Dr. Erich Brüggemann. Der Rechtsanwalt und Notar, der sich zuvor unter anderem mit privaten Initiativen für die Denkmalslok am Bahnhofsplatz und das Museumsfeuerschiff „Amrumbank“ im Ratsdelft engagiert hatte, rief damals einen Arbeitskreis zum Wiederaufbau ins Leben, mobilisierte Firmen, die praktische Hilfe leisteten, oder sich wie viele Einzelspender, Vereine und andere Organisationen finanziell engagierten.
Es gab namhafte Stiftungen und viele kleine Spenden. Hinzu kamen Sonderaktionen: Eine Bäckerei verkaufte einen 30 Meter langen Obstkuchen, ein Ölgemäde wurde gestiftet und es gab ein Brunnenfest zur Grundsteinlegung am 5. Mai 1984. Die Restaurierung des Denkmals übernahm der Emder Steinbildhauer Thomas Buss.