Naturschutz

Fehntjer Tief: Land kassiert Kreistagsbeschluss aus Leer

Nikola Nording
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Von Nikola Nording
| 06.09.2021 18:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Ausweisung des Fehntjer Tiefs ist seit Jahren umstritten. Foto: Ortgies /Archiv
Die Ausweisung des Fehntjer Tiefs ist seit Jahren umstritten. Foto: Ortgies /Archiv
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Über die Sicherstellung des Fehntjer Tiefs wurde jahrzehntelange gestritten. Ende Juni hatte der Kreistag eine Entscheidung gefasst. Die hat das Umweltministerium allerdings nun kassiert.

Landkreis Leer - Es hatte sich schon angedeutet, jetzt ist es amtlich: Das Land Niedersachsen hat den Kreistagsbeschluss zum Fehntjer Tief kassiert. Das Umweltministerium hat den Landkreis angewiesen, die Sicherstellung in Natur- und Landschaftsschutzgebiet so umzusetzen, wie die Kreisverwaltung es in der Vorlage für den Kreistag Ende Juni ausgearbeitet hatte. Das Land hatte diesen Schritt bereits angekündigt.

Was und warum

Darum geht es: Das Fehntjer Tief soll in Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete eingeteilt werden. Die Aufteilung sorgt für Ärger. Jetzt hat das Umweltministerium eine Entscheidung gegen den Kreistagsbeschluss getroffen.

Vor allem interessant für: Landwirte sowie Naturschützer

Deshalb berichten wir: Der Streit um das Fehntjer Tief schwelt seit Jahren. In Aurich war die Entscheidung schneller gefallen.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de

Seit Jahren wird über die Sicherung des sogenannten Flora-Fauna-Habitat-Gebiets (FFH) rund um das Fehntjer Tief gestritten. Das Land Niedersachsen folgt mit der Umwandlung in Landschaft- und Naturschutzgebiete einer Richtlinie der Europäischen Union, die bereits ein Vertragsverletzungsverfahren wegen der zögerlichen Umsetzung der Richtlinie gegen Deutschland angestrengt hat. In Aurich hatte der Kreistag die Einteilung für seinen Bereich des Fehntjer Tiefs verabschiedet. Ende Juni folgte die die Sicherstellung in Landschaftsschutz- und Naturschutzgebiete im Kreistag in Leer. Allerdings hatten sich die Politiker dort gegen die Vorlage der Kreisverwaltung ausgesprochen und diese verändert. Das reichte dem Ministerium, um den Beschluss abzulehnen.

Vorlage der Kreisverwaltung wird umgesetzt

Die von der Kreisverwaltung ausgearbeitete Vorlage hatte einige Monate zuvor ein Beteiligungsverfahren durchlaufen. Der Kreistagsbeschluss dagegen nicht. Deswegen entschied sich Hannover dafür, die Vorlage an die EU zu schicken. „Es war völlig klar, was passieren wird“, sagt Christian Budde, Sprecher des niedersächsischen Umweltministeriums. Das Ministerium hatte dieses Vorgehen mehrfach angekündigt.

Beim Landkreis Leer kommentiert man die Entscheidung des Landes zurückhaltend. „Ja, wir haben eine Weisung des Umweltministeriums erhalten. Diese wird jetzt erstmal intern bewertet, so dass sich der Landkreis derzeit noch nicht inhaltlich dazu äußern kann“, teilt die Pressestelle am Montag mit.

Landwirte unzufrieden

Bei der Kreistagssitzung Ende Juni in Leer hatten die Landwirte auf ihre Anliegen aufmerksam gemacht. Foto: Ortgies/Archiv
Bei der Kreistagssitzung Ende Juni in Leer hatten die Landwirte auf ihre Anliegen aufmerksam gemacht. Foto: Ortgies/Archiv
Deutlicher werden die Landwirte. Der Verein Nachhaltige Naturlandschaft sowie der Landwirtschaftliche Hauptverein im Landkreis Leer hatten die Sicherstellung kritisch begleitet. Besonders die Vorgaben in den zukünftigen Naturschutzgebieten schränken die Arbeit der Landwirte aus ihrer Sicht stark ein. Daher sind die Vertreter empört über die Entscheidung des Landes. Denn gerade die Änderungen des Kreistages waren zu ihren Gunsten gefallen. Es sei schon bemerkenswert, wie sich das Umweltministerium in seiner fachaufsichtlichen Weisung „über den erklärten fraktionsübergreifenden Willen der gewählten Vertreter vor Ort hinwegsetzt, um eigene Vorstellungen über den Schutz der wertgebenden Arten und Lebensraumtypen durchzusetzen“, teilt Rudolf Bleeker, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Hauptvereins Leer mit.

Er ärgert sich, dass zwischen den Entscheidungen zu viel Zeit verloren gegangen sei. Bereits im Mai habe es Anzeichen gegeben, dass der politische Wille die Vorlage des Kreises ablehnen könnte. Dennoch habe die Kreisverwaltung zwischen Ausschusssitzung im Mai, Kreisausschuss und Kreistagssitzung im Juni keine Änderungen vorgenommen. „Das Umweltministerium hat noch länger, nämlich ganze zweieinhalb Monate, für die seit langem angekündigte Weisung gebraucht“, so Bleeker. Er ist sich sicher: „In der Zeit wäre auch ein erneutes Beteiligungsverfahren möglich gewesen.“

Juristisch vorgehen

Die Landwirte wollen nun juristisch gegen die Entscheidung vorgehen. Das sieht man in Hannover entspannt: „Wir gehen davon aus, dass die Sicherstellungen in Niedersachsen qualitativ hochwertig sind“, sagt Budde. Klagen oder Einwänden der EU sehe man gelassen entgegen.

Beim Umweltministerium geht man davon aus, dass es in Leer nicht die letzte Entscheidung zum Fehntjer Tief sein wird. Man gehe davon aus, dass hinsichtlich der Gewässerrandstreifen sowie der Aufteilung von Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten ein weiteres Verfahren zur Veränderung der jetzigen Sicherstellung angestrebt werde. Das sei möglich.

„Das ist aber nicht mehr mit dem jetzigen Kreistag möglich. Der wird am Sonntag neu gewählt“, sagt Bleeker. Danach werde man sicher auf die neuen Fraktionen zugehen. Wie die Verteilung im Kreistag dann ist, sei abzuwarten.

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