Verbraucher

Im Biomüll steckt immer noch zu viel Plastik

| | 06.09.2021 19:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
„Trenn Dich korrekt“: In dieser Kampagne des Landkreises Aurich werben Prominente wie Ossiloop-Moderator Heino Krüger fürs Müllsortieren. Foto: Archiv/Ortgies
„Trenn Dich korrekt“: In dieser Kampagne des Landkreises Aurich werben Prominente wie Ossiloop-Moderator Heino Krüger fürs Müllsortieren. Foto: Archiv/Ortgies
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„Trenn Dich korrekt“: Mit dieser Kampagne will der Landkreis Aurich die Leute dazu bringen, ihren Müll besser zu sortieren. Das gelingt jedoch nur zum Teil. Unterdessen wird ein neuer Service geplant.

Aurich - Wenn die falsch befüllten Biotonnen im Landkreis Aurich eine politische Partei wären, dann würden sie locker ins Parlament einziehen, denn die Fünf-Prozent-Marke knacken sie. „Wir haben uns auf einem Niveau von sechs bis sieben Prozent eingependelt“, sagte Yves Knoblich vom Abfallwirtschaftsbetrieb am Montag in einer Sitzung des Betriebsausschusses. Das sei zwar ein Fortschritt, so der Pressesprecher, doch es müsse noch weniger werden.

Seit dem vergangenen Jahr läuft im Landkreis Aurich die Kampagne „Trenn Dich korrekt“. Damit will der Abfallwirtschaftsbetrieb die Leute zu einer sorgfältigeren Müllsortierung bewegen. Insbesondere die vielen Plastiktüten im Bioabfall sind ein Problem. Die Vorbehandlung wird dadurch sehr teuer, denn die Entfernung der Störstoffe kostet Zeit und Geld. Im Extremfall wird der Bioabfall unbrauchbar und muss verbrannt werden.

„Die Kampagne ist in den Köpfen angekommen“

Anfang dieses Jahres hat der Abfallwirtschaftsbetrieb den Druck erhöht. Neben Information und Aufklärung kommen nun auch Sanktionen zum Einsatz. Im ganzen Kreisgebiet laufen geschulte Mitarbeiter neben den Müllfahrzeugen her und kontrollieren vor der Leerung den Inhalt der Biotonnen. Wenn dort zu viele Störstoffe enthalten sind, klemmen die Mülldetektive als Warnung einen gelben Zettel unter den Tonnendeckel, eine Gelbe Karte wegen Fehlbefüllung. In 86,5 Prozent der Fälle, so hat es eine Auswertung des Zeitraums März bis August ergeben, war beim nächsten Mal alles in Ordnung. In den anderen Fällen blieb die Tonne ungeleert stehen, und die Leerung wurde trotzdem berechnet. „Wir erzielen tatsächlich eine Verhaltensänderung“, sagte Knoblich. „Die Kampagne ist in den Köpfen angekommen.“

Der Abfallwirtschaftsbetrieb will es aber noch genauer wissen. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Aachen untersucht er, wie sich die Qualität des Bioabfalls in den einzelnen Kommunen entwickelt. Dazu wird im Entsorgungszentrum in Großefehn, wo die Müllfahrzeuge den Bioabfall abladen, der Gesamtfremdstoffgehalt ermittelt. Zu Beginn dieses Jahres waren die meisten Städte und Gemeinden noch im roten Bereich, das heißt: Der dort eingesammelte Bioabfall enthielt mehr als zwei Plastikbeutel pro Quadratmeter. Mittlerweile hätten alle den roten Bereich verlassen, so Knoblich.

„Wir wollen niemanden anprangern“

Welche Gemeinde wie abschneidet, das verriet er allerdings nicht. „Wir wollen niemanden anprangern“, sagte er. Es gebe jedoch keine Gemeinde, in der es „richtig schlecht“ aussehe, und auch kein Stadt-Land-Gefälle. Hans-Hermann Dörnath, Chef des Abfallwirtschaftsbetriebs, räumte mit einem weiteren Klischee auf: Der Abfall von der Küste, wo viele Urlauber die Tonnen benutzen, sei nicht schlechter sortiert als derjenige aus dem Binnenland.

Zu Beginn der Kampagne waren laut Knoblich sieben Prozent Fremdstoffe im Bioabfall enthalten. Mittlerweile seien es nur noch zwei Prozent. Der Grenzwert nach den Richtlinien für Kompostverwertung liege allerdings bei 0,1 Prozent, sagte Dörnath. Das heißt: In der Anlage in Großefehn müssen immer noch Störstoffe rausgefischt werden. Völlig vermeiden könne man das nicht, sagte Dörnath, aber die Kampagne „Trenn Dich korrekt“ werde weitergehen.

Wer seinen Bioabfall nicht lose in die Tonne schütten will, kann auf beschichtete Papiertüten zurückgreifen, die auf den Wertstoffhöfen und auch im Einzelhandel erhältlich sind. Der Abfallwirtschaftsbetrieb will für die Vorsortierung zusätzliche Tütengrößen einführen. Dörnath stellte zudem in Aussicht, dass der Abfallwirtschaftsbetrieb künftig einen Reinigungsservice für Biotonnen anbietet. Das sei aber komplizierter als gedacht. Im November wolle er die Politik über den Plan informieren.

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