Hilfe für die Flutopfer

Das Hochwasser hat viele historische Häuser getroffen

Caroline Niehus
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Von Caroline Niehus
| 07.09.2021 13:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
In der Stolberger Altstadt gibt es mehr als 200 denkmalgeschützte Häuser, die vom Hochwasser beschädigt wurden. Ihre Sanierung ist eine Herausforderung. Foto: Niehus
In der Stolberger Altstadt gibt es mehr als 200 denkmalgeschützte Häuser, die vom Hochwasser beschädigt wurden. Ihre Sanierung ist eine Herausforderung. Foto: Niehus
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Die OZ sammelt Spenden für die Hochwasseropfer in Stolberg und Eschweiler. In beiden Altstädten wurden viele denkmalgeschützte Häuser schwer von der Flut getroffen. Die Sanierung wird nicht einfach.

Gemeinsam mit der Aachener Zeitung (AZ) sammelt diese Zeitung Spenden für die Flutopfer. Dieser Text ist in der AZ erschienen.

Eschweiler/Stolberg - In der Stolberger Altstadt reiht sich ein historisches Gebäude ans nächste. An fast jedem Haus in diesem Gebiet sieht man die kleine weiße Plakette mit dem Landeswappen von Nordrhein-Westfalen sowie der Aufschrift „Denkmal“. Auch in Eschweiler gibt es noch einige Straßenzüge in der Innenstadt, an denen viele denkmalgeschützte Bauten nebeneinander stehen. In den allermeisten arbeiten aktuell Handwerker, denn auch diese besonderen Häuser sind von der Flut nicht verschont geblieben.

Beim Wiederaufbau gelten allerdings bestimmte Richtlinien. „Der historische Charakter des Denkmals muss grundsätzlich erhalten bleiben“, erläutert Tobias Röhm. Als Beispiele nennt der Erste und Technische Beigeordnete der Stadt Stolberg die Art der Fenster, die Farbgebung und die Auswahl der Materialien. „Gerade in der Innenstadt rund um Rathausstraße und Steinweg haben wir eine Vielzahl von Denkmälern, da sprechen wir von einem historischen Umfeld. In dieses müssen sich die Häuser auch weiterhin einfügen.“

Hunderte Häuser hat es erwischt

Insgesamt gibt es in der Stadt, die der Vichtbach am 14. und 15. Juli verwüstet hat, mehr als 700 Denkmäler. Rund 220 von ihnen sind beim Hochwasser beschädigt worden. Insbesondere gelte das natürlich für die Innenstadt. „Aber auch in Zweifall und Vicht sind einige denkmalgeschützte Gebäude betroffen, die prägend für den Charakter unserer Stadt sind“, betont Röhm. In der Nachbarstadt hat das Wasser 70 von rund 200 geschützten Häusern beschädigt.

Der Charakter der Altstädte soll auch nach der Sanierung erhalten bleiben. Foto: Niehus
Der Charakter der Altstädte soll auch nach der Sanierung erhalten bleiben. Foto: Niehus

„Im Prinzip befinden sich viele Gebäude gerade im Status Rohbau“, berichtet Wolfram Backes, der bei der Stadt Eschweiler für die Denkmalpflege zuständig ist. „Um das wieder zu ändern, nützen Geschwindigkeit und Arbeitskraft nichts, das dauert einfach seine Zeit.“ Vor allem das Trocknen der alten Räume sei ein langer Prozess. Eigentümer, die ein Denkmal besitzen, hätten ohnehin schon häufiger mit der Verwaltung zu tun, berichtet Backes. In der aktuellen Situation stelle er aber darüber hinaus einen erhöhten Informationsbedarf fest.„Die meisten haben Angst, dass sie etwas falsch machen.“ Einige würden daraus die Konsequenz ziehen, lieber erstmal nichts zu tun.

Angst, bei der Sanierung etwas falsch zu machen

Doch Backes stellt klar: „Alles, was dem Schutz und der Gesundheit schaden könnte, muss erstmal raus. Auch wenn es schade ist – was verloren ist, ist nun mal verloren.“ Die beschädigten Böden könnten beispielsweise sowieso nicht gerettet werden. „Da spielen nicht nur das Wasser selbst sowie die möglicherweise folgende Schimmelbildung eine Rolle, sondern auch die Belastung mit Schadstoffen wie Öl und Fäkalien“, erklärt Backes.

Er wünscht sich, dass sich jeder bei Unsicherheiten an die Stadt wendet. „Wir können in vielen Fällen auch unbürokratisch entscheiden“, sagt der Denkmalpfleger.

Auch in Stolberg hat die Stadt ein Interesse daran, die Denkmäler zu schützen – auch wenn grundsätzlich der Eigentümer für Erhalt und Pflege verantwortlich ist. „Wir hoffen aber auf finanzielle Unterstützung von Bund und Land, die wir dann an die privaten Eigentümer weitergeben können. Schließlich wollen wir alle den historischen Charakter unserer Stadt erhalten beziehungsweise wiederherstellen“, stellt Tobias Röhm fest. Allein im Bereich Steinweg sei nahezu jedes zweite Gebäude – im Übrigen größtenteils als normale Wohnhäuser genutzt – ein historisch prägendes.

Die Schadenssumme im Denkmalbereich kann der Beigeordnete noch nicht genau beziffern, sie liege aber im mehrstelligen Millionenbereich.

„Gemeinsam die Ärmel hochkrempeln“

Für Eschweiler gibt es schon konkretere Schätzungen: Allein im baulichen Bereich – ohne Technik und Mobiliar – betrage der Schaden rund 22,5 Millionen Euro. Die meisten betroffenen Gebäude stehen im Bereich der Innenstadt rund um Moltkestraße, Marienstraße, Kaiserstraße und Rosenallee. Es sind aber auch die Stoltenhoffmühle in Eschweiler-West sowie die Burg Weisweiler betroffen.

Von den Müllbergen, die sich in den Tagen nach dem Hochwasser in den Straßen türmten (Foto), ist heute fast nichts mehr zu sehen. Foto: DPA
Von den Müllbergen, die sich in den Tagen nach dem Hochwasser in den Straßen türmten (Foto), ist heute fast nichts mehr zu sehen. Foto: DPA
Beim Wiederaufbau hat Wolfram Backes eine klare Richtlinie: „Denkmal bedeutet nicht, alles für immer so zu lassen, wie es ursprünglich war. Man darf an historischen Häusern auch Katastrophen wie diese ablesen.“ Es gehe darum, abzustimmen und zu dokumentieren. Aber man finde garantiert immer einen Kompromiss, wenn man ihn gemeinsam erarbeite. Wie viel Zeit vergehen wird, bis die Denkmäler in Eschweiler und Stolberg saniert sind, können die Verantwortlichen nicht sagen. Klar ist aber wohl, dass es Jahre dauern wird. Backes lässt sich davon nicht entmutigen: „Wir werden gemeinsam die Ärmel hochkrempeln und nach vorne gucken.“ Auch Tobias Röhm zeigt sich optimistisch: „Wir sind zuversichtlich, dass das historische Stadtbild wiederhergestellt werden kann.“

So können die OZ-Leser helfen

Die Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO), zu der auch diese Zeitung gehört, hat eine Spendenaktion gestartet. Über das Hilfswerk „Ein Herz für Ostfriesland“, eine Tochter der ZGO, wird Geld für Menschen in Eschweiler und Stolberg gesammelt. Das Spendenkonto lautet: „Ein Herz für Ostfriesland gGmbH“, IBAN: DE 55 2859 0075 0011 1112 00 bei der Ostfriesischen Volksbank eG, Leer.

Weitere Infos zur Aktion und zum Hilfswerk „Ein Herz für Ostfriesland“ gibt es hier.

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