Osnabrück
Flucht vor der Geldentwertung: Was taugt Gold als Inflationsschutz?
Die Angst vor der Inflation lässt Anleger in Gold investieren. Denn das Edelmetall gilt als sicherer Hafen gegen den Wertverlust. Doch wie gut schützt es wirklich? Lohnt es sich zu investieren - und wenn ja, wie viel?
Die Verbraucherpreise in Deutschland steigen: Mit 3,9 Prozent lag die Inflationsrate im August im Vergleich zum Vorjahresmonat auf dem höchsten Stand seit Anfang der 1990er Jahre. Aus Sorge, dass die hohe Geldentwertung ein längerfristiges Problem wird, investieren viele Bürger ihr Geld in Gold, denn das Edelmetall gilt gemeinhin als Inflationsschutz. „Gold gilt als sicherer Hafen und wird insbesondere in Deutschland weiter als Anlagevehikel betrachtet, das einen gewissen Schutz vor Risiken an anderen Märkten bietet“, sagt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank.
Die Überlegung vieler Anleger: Während Geld bei steigender Inflationsrate an Kaufkraft verliert, bleibt der Wert von Gold bestehen. „Ein Investment in Gold ist insbesondere auch in Zeiten niedriger Realzinsen − also die Zinsen nach Abzug der Inflation − interessant, da Gold weder Zinsen noch Dividenden abwirft“, so Stephan. In Zeiten von Negativzinsen ist Gold damit nicht mehr nur als Versicherung gegen Inflation, sondern auch als Schutz vor Strafzinsen gefragt.
Vor allem aber bestehen bei Inflationsgefahr Chancen auf einen steigenden Goldpreis, weil sich viele Investoren eben dann aufs Edelmetall stürzen, um sich abzusichern. Diese Kursgewinne wollen Anleger mitnehmen.
Doch was taugt Gold tatsächlich als Inflationsschutz, nun wo die Teuerungsrate in Deutschland seit Monaten steigt?
Gold schafft einen Inflationsausgleich
„Gold ist in erster Linie als Währung zu sehen, als eine alternative Währung zum Notenbankgeld“, sagt Michael Ott, Rohstoffexperte bei der Commerzbank. „Die Kaufkraft von Gold ist im Gegensatz zum Notenbankgeld langfristig stabil, das heißt der Preis gleicht in etwa die Inflationsentwicklung bzw. den Kaufkraftverlust von Notenbankgeld aus. So liegt die rechnerische Rendite von Gold über 2000 Jahre hinweg bei circa 2 Prozent − und damit in Höhe der jährlichen Teuerung.“
Ein Blick auf die aktuelle Entwicklung des Goldpreises zeigt: Das Edelmetall kletterte im Mai auf ein Dreimonatshoch bei 1855 Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm). Hintergrund waren die damals steigenden Inflationserwartungen an den Finanzmärkten. Seither jedoch ist der Goldpreis gefallen und seit Jahresbeginn insgesamt um 5 Prozent gesunken - trotz gestiegener Inflationsrate. „Der Goldpreis hat im August 2020 in Euro und US-Dollar gerechnet ein historisches Hoch erreicht und konsolidiert seitdem. Er hat also bereits frühzeitig den jetzigen Inflationsanstieg vorweggenommen“, sagt Ott von der Commerzbank.
Goldpreis unterliegt starken Schwankungen
Hinzu kommt: Die Entwicklung des Goldpreises ist nicht nur von der Inflation abhängig, sondern mitunter sehr volatil.
„Statistische Untersuchungen offenbaren leider, dass die Beziehung zwischen dem makroökonomischen Preisniveau und dem Goldpreis in vielen Währungsräumen im Zeitablauf nicht immer stabil ist, was zu einem Problem für die Investoren werden kann“, sagt Analyst Tobias Basse von der Landesbank NordLB.
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Einfluss haben auch der allgemeine Aktienmarkt, politische Ereignisse, wirtschaftliche Krisen, Zinsentwicklungen oder Pandemien. „Anleger, die sich durch den Kauf von Gold vor allem gegen Inflationsgefahren absichern wollen, müssen sich dieser Tatsache bewusstwerden“, so Basse.
Zudem wird der Goldpreis stark von den Entwicklungen in den USA geprägt. „Anleger haben offenbar in Erwartung einer strafferen US-Geldpolitik und damit mittelfristig potenziell höheren Realzinsen begonnen, ihre Positionen in börsengehandelten, mit Gold hinterlegten Zertifikaten zu reduzieren“, erklärt Stephan von der Deutschen Bank die aktuelle Preisentwicklung beim Edelmetall. Denn weil Gold keine Zinsen abwirft, sind steigende Realzinsen Gift für die Preisentwicklung.
Sinnvolle Ergänzung zu Aktien und Immobilien
Der Experte warnt davor, sich zu einseitig auf die Absicherungswirkung von Gold zu verlassen, da es sich um einen Nischenmarkt handelt. „Gold gehört als Absicherung ins Depot, ist meiner Ansicht nach aber nicht der Renditebringer der Stunde“, so Stephan. Der Anteil im Portfolio sollte deshalb nicht mehr als fünf Prozent betragen.
„Es ist eine gute Beimischung und kann andere Anlagen wie Aktien, Immobilien oder Zinspapiere sinnvoll ergänzen - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es bietet wohl den besten Schutz vor Inflation“, so Ott. Zudem seien die Aussichten für den Goldpreis positiv, weil mit anhaltend niedrigen und sogar negativen Realzinsen zu rechnen sei.
Aber auch Immobilien und andere Rohstoffe könnten eine Entwertung des Vermögens verhindern. „Bei Aktien hängt dies stark vom Unternehmen ab, aber grundsätzlich besteht auch hier ein gewisser Schutz vor Inflation“, sagt Ott. Schließlich handelt es sich bei dieser Art des Wertpapiers um ein Eigentumsrecht an einer Unternehmung - und damit um einen realen Wert. „Steigende Verbraucherpreise selbst implizieren, dass viele Unternehmen ihre gestiegenen Einstands- bzw. Einkaufskosten erfolgreich an die Konsumenten weitergeben können, sodass sich ihre Gewinnmargen nicht verschlechtern sollten“, sagt Stephan von der Deutschen Bank. Schwieriger dürfte es für Unternehmen mit geringen Gewinnmargen werden, die in starkem Konkurrenzkampf stehen.
„Die akademische Literatur liefert zwar keine ganz klaren Antworten auf die Frage, ob Investments in Aktien tatsächlich einen guten Inflationsschutz offerieren können, es gibt aber doch zumindest gewisse Indikationen in diese Richtung“, sagt Basse von der NordLB.