Dorfleben

Braucht ein kleines Warfendorf einen teuren Treffpunkt?

Gordon Päschel
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Von Gordon Päschel
| 08.09.2021 16:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das kleinste der 19 Dörfer in der Gemeinde Krummhörn: Woltzeten. Foto: Archiv/Hock
Das kleinste der 19 Dörfer in der Gemeinde Krummhörn: Woltzeten. Foto: Archiv/Hock
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Woltzeten ist das kleinste Dorf der Krummhörn. Jetzt soll das Gemeinschaftshaus saniert werden - der große Wurf kostet fast 850.000 Euro. Den Verantwortlichen liegt die Entscheidung schwer im Magen.

Woltzeten - Woltzeten ist so etwas wie der Inbegriff von Landleben. Im kleinen Warfendorf in der Krummhörn leben gerade einmal gut 170 Menschen, es ist damit das kleinste Dorf der Flächengemeinde. Im Zentrum steht eine Kirche, umzu befinden sich Einfamilienhäuser, eine Handvoll stattlicher Bauernhöfe und etwas abseits an der Dorfringstraße gelegen ein flaches Gebäude: das Dorfgemeinschaftshaus. Der Klinkerbau aus den 1960er-Jahren dient der früheren Ortswehr noch als Kleiderkammer, hier wird bei Wahlen abgestimmt und ab und an gefeiert. Es ist der einzige Raum außerhalb der eigenen vier Wände, in dem das Dorf zusammenkommen kann.

Was und warum

Darum geht es: Vordergründig um die geplante Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses in Woltzeten. Dahinter steht die Frage, welche Rolle solche Treffpunkte in kleinen Ortschaften spielen und wie viel sie die öffentliche Hand kosten sollten.

Vor allem interessant für: diejenigen, die in Woltzeten oder in anderen sehr kleinen Dörfern ihren Lebensmittelpunkt haben

Deshalb berichten wir: Am Dienstagabend taten sich die Mitglieder des Krummhörner Infrastrukturausschusses schwer, zu entscheiden, ob sie eine fast 850.000 Euro teure Sanierung anschieben wollen.

Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de

Die Funktion und die Bedeutung des Gebäudes sind wichtig zu verstehen, wenn es darum geht, um eine politische Diskussion am Dienstagabend besser einordnen zu können. Der Infrastrukturausschuss des Krummhörner Gemeinderates setzte sich mit der Frage auseinander, ob ein Förderantrag zur Sanierung des Woltzetener Dorftreffs gestellt werden soll. Denn das Gebäude ist marode.

„Es ist einfach zu teuer“

Um es zukunftsfest zu machen, wären bei einer großen Lösung rund 850.000 Euro fällig. Diese Zahlen jedenfalls nennt die Gemeindeverwaltung, die davon ausgeht, maximal 500.000 Euro als Zuschuss einwerben zu können. Das heißt: Selbst wenn der Antrag beim zuständigen Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) durchginge, läge der Eigenanteil für die Gemeinde bei etwa 346.000 Euro - eine große Summe für ein kleines Dorf.

Um dieses Gebäude geht es: Die Gemeinde geht davon aus, dass eine sinnvolle Sanierung des Woltzetener Dorfgemeinschaftshauses rund 850.000 Euro kostet. Foto: Wagenaar
Um dieses Gebäude geht es: Die Gemeinde geht davon aus, dass eine sinnvolle Sanierung des Woltzetener Dorfgemeinschaftshauses rund 850.000 Euro kostet. Foto: Wagenaar

Mit der Entscheidung tun die Verantwortlichen sich schwer. Einer, der am Dienstag im Ausschuss große Bedenken zur Investition äußerte, ist Johann Smid (parteilos). „Es ist einfach zu teuer“, sagte er und machte deutlich: „Da kann ich zwei Einfamilienhäuser für bauen.“ Eine abgespeckte Renovierung schließen der scheidende Bürgermeister Frank Baumann (SPD) und die Leiterin des Fachbereichs Bauen in der Gemeinde, Ina Droll-Dannemann, aus. Einerseits seien die Mängel zu groß, andererseits würde die Gemeinde dadurch riskieren, aus dem Förderprogramm zu fliegen und überhaupt keinen Zuschuss zu bekommen.

Was würde nach einer Sanierung passieren?

Das Problem, das sowohl Smid als auch andere Mitglieder des Ausschusses haben: Es ist offenbar nicht sichergestellt, dass ein kostspielig saniertes Dorfgemeinschaftshaus dauerhaft in Eigenregie in Woltzeten unterhalten werden kann. Zwar haben offensichtlich Vorgespräche mit Dorfmitgliedern stattgefunden. Laut Gemeinde sei dabei vereinbart worden, dass eine von Bürgern gebildete Interessengruppe nach der Sanierung für den Betrieb und die Wartung verantwortlich sein soll. Allerdings ist in den Reihen des Rates scheinbar niemandem richtig klar, wer diese Gruppe ist. Entsprechend gering ist das Vertrauen, Hunderttausende Euro freizugeben.

Dass aus Woltzeten am Dienstag niemand an der Sitzung des Infrastrukturausschusses teilnahm oder sich aktiv als Ansprechpartner in die Diskussion einbringt, stieß in den Reihen der Politik sauer auf. „Es sind zu viele Fragezeichen, als dass wir aus dem hohlen Bauch entscheiden können“, stellte Enno Cornelius (KLG) verärgert fest.

Alwin Henning ist zweiter Vorsitzender einer Woltzetener Interessengemeinschaft, die sich für den Erhalt des Dorfgemeinschaftshauses starkmacht. Foto: Archiv/Jacobs
Alwin Henning ist zweiter Vorsitzender einer Woltzetener Interessengemeinschaft, die sich für den Erhalt des Dorfgemeinschaftshauses starkmacht. Foto: Archiv/Jacobs

Nachgefragt im Dorf

Auf Nachfrage in Woltzeten kam die Redaktion über Umwege mit Alwin Henning ins Gespräch. Er ist zweiter Vorsitzender der Interessengemeinschaft und setzt sich für den Erhalt des Dorfgemeinschaftshauses (DGH) ein. „Wir haben hier sonst nichts“, machte er klar. Zur Interessengruppe im Ort sagte er, dass diese vor der Pandemie regelmäßig zusammengekommen war und sich verständigt hatte, im DGH im Falle einer Sanierung die Verantwortung zu übernehmen. Allerdings habe die letzte Absprache dazu vor „ungefähr zwei, drei Jahren“ stattgefunden. Sein Ziel ist es, möglichst bald zu einer Sitzung zusammenzukommen, um die offenen Fragen zu besprechen. „Wir müssen gucken, ob es genügend Interesse gibt“, so Henning. Eine Alternative für das DGH sieht er nicht. „Wenn sich niemand bereit erklärt, es zu machen, wird es wohl weiter verfallen oder ganz abgerissen“, glaubt er.

Nach intensiver Beratung einigten sich die Ausschussmitglieder auf eine Art Kompromiss, den Bürgermeister Baumann vorgeschlagen hatte. Sie sprachen sich einstimmig dafür aus, im ersten Schritt den Weg zu einem Förderantrag für die Sanierung freizumachen. Bevor es konkret wird, soll es aber ein Treffen geben. Mit dabei sein sollen neben Mitgliedern des Rates und der Gemeindeverwaltung auch Vertreter der Förderstelle beim ArL und vor allem der Woltzetener Interessengemeinschaft. Einen Termin gibt es dafür allerdings noch nicht.

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