Kommunalwahl

Was junge Menschen in die Politik bringt

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 09.09.2021 17:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Paul Bents (links) ist Schüler und 18 Jahre alt. Jannik-Alexander Buchholz ist Bankkaufmann und 22. Foto: Hillebrand
Paul Bents (links) ist Schüler und 18 Jahre alt. Jannik-Alexander Buchholz ist Bankkaufmann und 22. Foto: Hillebrand
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Paul Bents und Jannik-Alexander Buchholz sind die jüngsten Kandidaten für den Gemeinderat Hinte. Was sind ihre Beweggründe und was halten Gleichaltrige von der Politik?

Hinte - Ostfriesland wird vor allem von der Altersgruppe 50 Plus politisch vertreten – wenn nicht gar 60 Plus. Es gibt jedoch auch immer wieder Ausnahmen, wie das Beispiel von Paul Bents und Jannik-Alexander Buchholz zeigt. Nach der Kommunalwahl am 12. September wollen der 18- und der 22-Jährige als jüngste Kandidaten in den Hinteraner Gemeinderat einziehen. Zum Vergleich: Die beiden nächst älteren Bewerber sind Mathis Schlosser (SPD, Jahrgang 1991) und Jens Klaaßen (FLH, 1983). Warum aber haben sich Bents und Buchholz zu diesem Schritt entschieden?

Was und warum

Darum geht es: Vor allem über junge Leute wird häufig gesagt, dass sie sich nicht für Politik interessieren. In diesem Artikel geht es um zwei Personen, bei denen genau das Gegenteil der Fall ist.

Vor allem interessant für: Heranwachsende im wahlfähigen Alter sowie Kommunalpolitiker, deren Parteien und Wählergemeinschaften es an Nachwuchs mangelt

Deshalb berichten wir: Als kürzlich die Kandidatenlisten für den Gemeinderat Hinte veröffentlicht wurden, ist uns das Alter von Paul Bents und Jannik-Alexander Buchholz aufgefallen.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Der Loppersumer Bents sei schon länger politikinteressiert und vor vier Jahren über eine Freundin ins Kinder- und Jugendparlament gekommen. Das sei zwar auch interessant, aber man habe nicht dasselbe Mitspracherecht wie als Ratsmitglied, sagt der 18-Jährige unserer Zeitung. Kuno Lauterbach und Erich Saathoff von der SPD, die beide in seiner Nachbarschaft wohnen, hätten ihn dann schließlich angesprochen.

Nachwuchsarbeit der Parteien steht und fällt mit Ortsverbänden

Im Gegensatz zu Bents hatte sich Buchholz von vornherein für die CDU entschieden, sagt er. „Ich konnte mich mit dem Leitbild der Partei identifizieren.“ Anfang dieses Jahres sei er dann eingetreten, „ohne den Gedanken, selbst aktiv zu werden“, erinnert er sich. Thomas Radomski vom Gemeindeverband der Christdemokraten habe sich dann aber sofort bei ihm gemeldet, ihm vieles gezeigt und er habe sich auch die ersten Ratssitzungen angesehen. Nun steht er auf dem zweiten Listenplatz der CDU, Bents auf dem siebten der SPD. Das sei ein „großer Vertrauenszuschuss“, findet der 22-Jährige aus Hinte-Ort.

Weder der Bankkaufmann noch der Schüler, der die 13. Klasse besucht, haben nach eigenen Angaben einen familiären Bezug zu einer politischen Partei. Ihnen gefällt jedoch die Idee, selbst mitgestalten zu können. Viele Gleichaltrige hingegen würden offenbar denken, dass sie dafür eine große Hürde überwinden müssten. Dabei sei es gerade im Interesse von alteingesessenen Ratsmitgliedern, Nachwuchs zu gewinnen, versichert Buchholz. Bents ergänzt, dass sich für viele Leute in ihrem eigenen Alter die Politik nur in Hannover und in Berlin abspiele. „Dabei brauchen wir auch vor Ort junge Kandidaten.“ Ob sie auch kommen, „steht und fällt mit den Verbänden vor Ort“, so Buchholz.

Das System von innen heraus verändern

Was aber erhoffen sich die beiden Hinteraner von einer Ratsmitgliedschaft? Buchholz wolle sich dafür einsetzen, dass die Gemeinde lebenswert bleibe. Man müsse aber bei jeder Idee schauen, woher das Geld für die Umsetzung komme. „Wir müssen die Finanzen stabilisieren und die Einwohnerzahl soll wachsen.“ Das findet auch Bents, der hinzufügt: „Die Gemeinde ist als Wohnort beliebt, aber der Wirtschaftsfaktor muss größer werden.“ Es gelte, mehr Unternehmen und dadurch auch höhere Steuereinnahmen in die Gemeinde zu holen.

Und wie sieht es später einmal mit einer Kandidatur als Bürgermeister aus? „Das ist noch sehr weit weg. Erst einmal richte ich den Blick auf den Gemeinderat und möchte dort reinwachsen“, kündigt der 22-Jährige an. Der 18-Jährige könnte sich hingegen schon jetzt vorstellen, irgendwann einmal Bürgermeister oder Mitglied des Land- oder Bundestags zu werden, versichert er. „Ich muss aber schauen, wie das später mit meinem Bildungsweg zusammenpasst.“

Jetzt geht es aber erst einmal um die Kommunalwahl und Buchholz ist sich sicher: „Sie ist genau so wichtig wie die Bundestagswahl, und wer selbst etwas politisch bewegen will, sollte vor Ort damit beginnen.“ Bents ergänzt, dass zwar auch junge Leute auf die Straße gehen, um zum Beispiel an den Fridays-for-Future-Protesten teilzunehmen. Anstatt sich nur darüber aufzuregen, was die Politik falsch macht, sollten sie aber lieber „selbst das System von innen heraus verändern“, empfiehlt er.

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