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Pilzbefall: Emder Gymnasium stoppt Unterricht in Sporthalle

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 09.09.2021 18:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Sporthalle steht im Dreieck von Früchteburger Weg und Theaterstraße. Sie wurde 2016 fertiggestellt und kostete 2,5 Millionen Euro. Foto: F. Doden
Die Sporthalle steht im Dreieck von Früchteburger Weg und Theaterstraße. Sie wurde 2016 fertiggestellt und kostete 2,5 Millionen Euro. Foto: F. Doden
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In der noch jungen Sporthalle im Emder Kulturviertel sprießen Pilze aus dem Boden. Die Stadt gibt Entwarnung, das Max-Windmüller-Gymnasium aber noch nicht. Die Halle war schon immer ein Problemfall.

Emden - In der vor sechs Jahren in Betrieb genommenen Sporthalle im Emder Kulturviertel gibt es erneut Probleme. Teile des Hallenbodens sind offenbar von Pilzen befallen. Die Stadt gab am Donnerstag zunächst aber Entwarnung: Das städtische Gebäudemanagement habe bei intensiven Untersuchungen der Sportstätte keine konkreten Hinweise auf einen Befall mit Schimmelpilz beziehungsweise Sporen feststellen können, teilte ihr Sprecher Eduard Dinkela dieser Zeitung auf Nachfrage mit. Die Halle sei deshalb nicht gesperrt worden. Das Max-Windmüller-Gymnasiums (Max) hat den Sportunterricht aber dort dennoch eingestellt.

Was und warum

Darum geht es: In der Sporthalle im Emder Kulturviertel gibt es möglicherweise schon seit Jahren Probleme durch Feuchtigkeit.

Vor allem interessant für: Schüler, Eltern und Lehrkräfte des Max-Windmüller-Gymnasiums, Sportlerinnen und Sportler aus Vereinen und diejenigen, die sich für Pfusch an öffentlichen Bauten interessieren.

Deshalb berichten wir: Unsere Redaktion hatte einen Hinweis auf den Pilzbefall in der Sporthalle bekommen. Dem sind wir nachgegangen

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Laut Dinkela hatten Reinigungskräfte der Stadt in der vergangenen Woche einzelne Fruchtkörper eines Pilzes festgestellt und aus den Fugen entfernt. Auf Empfehlung der Prüfgesellschaft Dekra sei umgehend eine Messung der Raumluft angeordnet worden. Es handele sich dabei um eine „reine Vorsichtsmaßnahme“. Diese Untersuchungen liefen noch, so der Sprecher.

Gibt es schon länger Probleme?

Das Max zog hingegen eigene Konsequenzen. Sie stellte den Unterrichtsbetrieb in dieser Sportstätte mit Beginn des Schuljahres vor einer Woche ein. Nach Angaben von Schulleiter Frank Tapper soll der Sportunterricht in der Halle erst dann wieder aufgenommen werden, wenn feststeht, dass von dem Pilz keine Gesundheitsgefährdung für die Schülerinnen und Schüler ausgeht. Laut Tapper sollen die Ergebnisse der Raumluftmessung in der kommenden Woche vorliegen. „Ich hoffe, dass die Werte unbedenklich sind“, sagte er.

Die Schulleitung habe die Sportlehrerinnen und Sportlehrer zu Beginn dieses Schuljahres angewiesen, den Unterricht nach draußen zu verlegen. Dafür steht der Sportplatz am Johannes-Althusius-Gymnasium (JAG) zur Verfügung, den auch das Max nutzt. Für die Mittelstufe passe das, weil sie sich ohnehin derzeit schwerpunktmäßig für das Sportabzeichen in der Leichtathletik vorbereitet. „Eine dauerhafte Sperrung der Halle wäre für die Schule aber „eine Katastrophe“, so Tapper. Das Max brauche die Halle „dringend“. Der Schulleiter deutete gegenüber dieser Zeitung an, dass es offenbar schon seit längerem Probleme mit Feuchtigkeit in dem Bauwerk gibt, die bislang nicht gelöst seien.

Vereinssport ist nicht betroffen

Der Vereinssport ist bislang nicht betroffen, hieß es aus der Geschäftsstelle des Stadtsportbundes (SSB). Nach Angaben des Verbandes wird die Halle derzeit von den Sportfreunden Larrelt, dem 1. Badminton-Verein Emden, der Freizeitinitiative und dem SV Amisia Stern Wolthusen genutzt.

Hinweise auf mögliche Probleme mit Feuchtigkeit in der Halle beziehungsweise Wasser unter dem Hallenboden hatte es zuletzt im Herbst 2017 gegeben. Damals hatte SSB-Vorsitzender Hans-Jürgen Wehmhörner Mängel an der Halle beklagt. Er hatte festgestellt, dass Wasser in den Hülsen für das Gestänge von Netzen und Abtrennungen von Spielflächen stehe, und das an „blubbernden Geräuschen“ festgemacht. Wehmhörner befürchtete, dass das Grundwasser direkt unter dem Hallenboden stehte und womöglich die Bausubstanz angreift.

Daraufhin hatte die Stadt aber schnell Entwarnung geben und diese Vermutung von Wehmhörner ausgeräumt. Demnach waren Fachleute zu dem Schluss gekommen, dass eine der zwei langen Bodenhülsen, die zur Befestigung der Pfosten für die Unterteilung der Spielfelder dienen, an der Schweißnaht weit unterhalb der Bodenplatte undicht sei. „Mit einer Abdichtung dieser Hülse kann das Problem aber behoben werden“, hieß es damals seitens der Stadtverwaltung. Das könne aber erst erledigt werden, wenn der Grundwasserstand geringer sei.

Bau stand unter keinem guten Stern

Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang zwischen diesem Vorgang aus dem Herbst 2017 und den aktuellen Problemen. Denn nach bislang unbestätigten Informationen der OZ sind jetzt die selben Bodenöffnungen von dem Pilzbefall betroffen.

Einen ersten großen Wasserschaden in der Halle hatte es bereits im Juni 2016 gegeben. Damals war bei einem Unwetter mit Starkregen Wasser durch die Seiteneingänge des damals gerade erst eröffneten Halle gedrungen. Betroffen davon waren laut Feuerwehr zwei Drittel der Hallenfläche und der Geräteraum.

Schon der Bau 2,5 Millionen Euro teuren Sportstätte, die Teil der großen Emder Schulreform war, hatte unter keinem guten Stern gestanden, weil es immer wieder Verzögerungen gegeben hatte.

Die Zweifachhalle verfügt – wie der Name sagt – über zwei Felder, die sich voneinander abtrennen lassen, damit sie zum Beispiel zeitgleich von zwei Schulklassen genutzt werden kann. Zur Ausstattung gehört auch eine Zuschauertribüne mit 190 Plätzen. Die Halle ist das erste Gebäude dieser Art in Emden, das komplett barrierefrei ist.

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