Klimaschutz

Aurich: Thema Versiegelung steht nicht oben auf der Agenda

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 12.09.2021 14:10 Uhr | 4 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Instandsetzung der Kanalisation ist eine Aufgabe der Stadtentwässerung. Foto: Archiv/OZ
Die Instandsetzung der Kanalisation ist eine Aufgabe der Stadtentwässerung. Foto: Archiv/OZ
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Einige Städte gehen offensiv mit der immer stärkeren Versieglung von Flächen um. Manche erstellen ein Kataster. Für dessen Erstellung gibt es in Aurich derzeit keinen Anlass. Leider, sagen Umweltschützer.

Aurich - Ein Boden, hart und undurchlässig wie Beton − diese Oberflächenbeschaffenheit stößt in der öffentlichen Wahrnehmung immer stärker auf Skepsis. Umweltschützer und Politiker warnen schon seit geraumer Zeit vor den schlimmen Folgen der Versiegelung von Flächen. Durch aktuelle Ereignisse wie die Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen wird dieses Problem auch für die Allgemeinheit greifbar.

So hat etwa in der jüngsten Ratssitzung eine Auricherin während der Einwohnerfragestunde wissen wollen, wie es in der Stadt um die Bodenversiegelung bestellt ist. Wegen der komplexen Thematik erhielt sie nicht sofort eine Antwort. Die Redaktion hat sich über das Thema mit Baurätin Irina Krantz unterhalten.

Wie groß ist der Anteil versiegelter Flächen in Aurich?

Das lässt sich nicht mal annähernd beziffern. Dafür müsste die Stadt eine Fachfirma beauftragen, die das Stadtgebiet mit einer speziell präparierten Drohne überfliegt. So könnte eine Art Kataster angelegt werden. Das ist sehr aufwendig und teuer. Es lohnt sich unter Umständen nur dann, wenn diese Leistung einem bestimmten Zweck dient. Das könnte etwa die Erhebung einer Regenwassergebühr sein.

Um die verlässlich ermitteln zu können, muss man die versiegelten Flächen eines Grundstücks kennen. Die Stadt hat sich allerdings vor geraumer Zeit gegen die Erhebung einer solchen Gebühr entschieden. Deshalb fällt dieser Zweck weg.

Wie kann man den Versiegelungsgrad noch ermitteln?

Es ist theoretisch möglich aus den Bebauungsplänen die Angaben über die Abschottung von Flächen herauszulesen. Im Schnitt sind auf Privatgrundstücken 40 bis 60 Prozent des Areals versiegelt.

Verlässlich ist diese Erhebungsmethode allerdings nicht, weil es immer wieder vorkommt, dass ein Hauseigentümer auf seinem Grundstück ohne Genehmigung ein Gartenhaus oder ähnliches errichtet. Solche Bauten tragen ebenfalls zur Versiegelung bei. Dieser Prozess beginnt bereits dort, wo jemand in seinem Garten eine Schotterfläche mit einer Folie darunter verlegt.

Warum ist die Versieglung klimaschädlich?

Regenwasser dringt nicht in den Erdboden ein. Es fließt über die Kanalisation ab. Dadurch sinkt langfristig der Grundwasserspiegel, die Böden trocknen aus, Lebensräume für Tiere und Pflanzen verschwinden und die Hochwassergefahr steigt.

Dieser ökologische Aspekte müsse sich stärker im Bewusstsein verankern, sagen Umweltschützer. Im Umland von Aurich gibt es zwar viel Grün, in den bebauten Ortsteilen wird die Stadt zunehmend grauer. Das ist dem Trend geschuldet, in Vorgärten und Gärten pflegeleichte Schottergärten anzulegen oder Plastikzäune anstelle von Hecken zu wählen.

Was macht die Stadt aktuell gegen den Trend?

Hochwasser ist in Aurich ausgeschlossen, weil die Stadt nicht in der Nähe eines Flusses liegt, der unmäßig über die Ufer treten könnte. Um überflutete Keller und Straßen weitgehend zu verhindern, ist die Kanalisation in den vergangenen Jahren modernisiert worden. Derzeit ist die Stadt noch dabei, in drei Quartieren nachzubessern. Das sind die Lambertistraße, die Popenser Straße/Glupe und der Tiergarten/Blücherstraße.

„Meine Mitarbeiter von der Stadtentwässerung beobachten immer kritische Stellen im Stadtgebiet und bessern bei Bedarf nach“, sagt Irina Krantz. Etliche Maßnahmen zeigten Wirkung, das gelte etwa für das Regenrückhaltebecken am Rosentor. Das sei der Puffer für das Quartier. Fazit: „Wir haben uns intern sehr gut professionalisiert und einen guten Überblick über die Situation“, ist sich Irina Krantz sicher.

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