Emder Seezeichen

Von der Westmole zum Roten Siel: Leuchtturm mit vielen Funktionen

| | 14.09.2021 08:11 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Inmitten eines historischen Häuser-Ensembles steht das kleine Brückenwärterhäuschen, das früher ein Leuchtturmkopf war. Foto: Hanssen
Inmitten eines historischen Häuser-Ensembles steht das kleine Brückenwärterhäuschen, das früher ein Leuchtturmkopf war. Foto: Hanssen
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Einst war die Emder Westmole mit ihrem roten Leuchtturm ein beliebtes Ausflugsziel. Jetzt ist der Teil des Außenhafens abgesperrt. Die alte Leuchtturmkappe gibt es aber zum Anfassen.

1984 wurde der ehemalige Leuchtturmkopf zum Brückenwärterhäuschen am Roten Siel. Foto: Archiv
1984 wurde der ehemalige Leuchtturmkopf zum Brückenwärterhäuschen am Roten Siel. Foto: Archiv
Emden - Eine der schönsten Ecken Emdens findet sich rund um das Rote Siel, das durch die Kesselschleuse in den Ems-Jade-Kanal mündet. Hier stehen noch zahlreiche historische Bauten: etwa die Neue Kirche, das Haus Gödens, in dem nun ein Studentenwohnheim untergebracht ist, und der ehemalige Spirituosen-Großhandel. Für Boote öffnet sich die Brücke auf der Friedrich-Ebert-Straße. Eine Flaniermeile lädt zum Spazieren ein, eine Sitztreppe zum Pausieren und Picknicken. Inmitten des malerischen Viertels steht ein kleines rot-weißes Türmchen. Es dient an der Klappbrücke als Brückenwärterhäuschen - und das seit 1984. Das Spannende: Bei dem Türmchen mit der schnörkeligen Spitze handelt es sich um einen ehemaligen Leuchtturmkopf.

An der Westmole steht ein kleiner, roter Leuchtturm, der die Schiffe in den Emder Außenhafen weist. Das Foto ist 2015 entstanden, als die Feuerschiffe "Elbe I" und "Borkumriff" zu Besuch in Emden waren. Archivfoto: F. Doden
An der Westmole steht ein kleiner, roter Leuchtturm, der die Schiffe in den Emder Außenhafen weist. Das Foto ist 2015 entstanden, als die Feuerschiffe "Elbe I" und "Borkumriff" zu Besuch in Emden waren. Archivfoto: F. Doden
Und nicht um irgendeinen: Die Kappe stammt von dem Leuchtturm an der Emder Westmole. Vor 2001 führte dorthin so mancher Spaziergang. Der Leuchtturm an der Einfahrt zum Außenhafen galt als beliebtes Ausflugsziel und Postkartenmotiv. Nach den Anschlägen am 11. September aber wurden auch in Emden die Sicherheitsvorschriften verschärft, der Zugang zum Hafengebiet eingeschränkt. Jetzt ist der Leuchtturm hauptsächlich vom Wasser aus zu bewundern.

Sanierung Rotes Siel eins der größten Bauprojekte Emdens

Seit 1899 steht ein Molefeuer an dem Standort. 1944 wurde der Turm kurzzeitig abmontiert, weil er in Kriegszeiten im Schussfeld der Flugabwehrgeschosse war. Zwei Jahre später aber wurde der Turm auf Drängen der Emder Bevölkerung wieder aufgebaut. Als das Molenfeuer 1982 umfassend saniert werden musste, wurde das gesamte Laternenhaus abgebaut, das nun am Roten Siel steht. An der Westmole wurde das Aussehen des neuen Leuchtturms stark verändert: Dessen Laternenhaus hat nun abgeschrägte Fenster und ist in Signalrot gestrichen.

Feierlich wurde 2013 nach fünfjähriger Sanierung die Flaniermeile am Roten Siel wiedereröffnet - und auch die Klappbrücke eingeweiht. Foto: Archiv
Feierlich wurde 2013 nach fünfjähriger Sanierung die Flaniermeile am Roten Siel wiedereröffnet - und auch die Klappbrücke eingeweiht. Foto: Archiv
Bevor das Brückenwärterhäuschen an seinen heutigen Standort versetzt werden konnte, musste die starke Lampe, die zuvor Schiffe anleitete, durch die elektrische Anlage für die Brückenbedienung ersetzt werden. Auch musste das Laternenhaus, das heute mehr als 100 Jahre alt ist, mit Sandstrahl, Farbe und einer Holzverkleidung aufgehübscht werden. Seit 2013 kommt das Häuschen noch besser zur Geltung.

Dann nämlich waren die Sanierungsarbeiten der Flaniermeile am Roten Siel abgeschlossen. Das Gewässer war innerhalb von zwei Jahren verbreitert und die Uferwege gesichert worden. Zuvor hatte man seit 2007 nicht mehr am Ufer spazieren gehen können, weil die Wände ins Wasser zu stürzen drohten, wie diese Zeitung damals schrieb. Die Sanierungsarbeiten galten als eines der größten Bauprojekte der Emder Geschichte und kosteten rund 13 Millionen Euro.

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