Wahlnachlese

FDP und Grüne im Aufwind, Linken-Chef vor dem Aus

| | 13.09.2021 16:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Welche Parteien haben gewonnen, welche verloren? Nach der Kommunalwahl kommt die Analyse. Symbolfoto: Weißbrod/DPA
Welche Parteien haben gewonnen, welche verloren? Nach der Kommunalwahl kommt die Analyse. Symbolfoto: Weißbrod/DPA
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Freud und Leid liegen bei einer Kommunalwahl nahe beieinander. Während sich die Grünen und die FDP in Aurich über Zuwächse freuen, steht ein altgedienter Ratsherr der Linken überraschend vor dem Aus.

Aurich - Die Grünen verdoppelt, die FDP verdreifacht, die Wählergemeinschaften GAP und GFA halbiert: Die Wahl zum Auricher Stadtrat hat vor allem bei den kleinen Fraktionen zu Verschiebungen geführt. Die SPD als Platzhirsch hat ihre 13 Sitze behalten, die CDU muss zwei abgeben und wird im neuen Rat nur noch mit neun Abgeordneten vertreten sein. Die AWG bleibt bei vier Sitzen.

Dritte Kraft sind mit nunmehr fünf Sitzen die Grünen. Fraktionschefin Gila Altmann ist einerseits glücklich, andererseits enttäuscht, dass ihre Partei das sechste Mandat knapp verpasst hat. 2016 sei man knapp am vierten Ratssitz vorbeigeschrammt, und wie beim letzten Mal habe es auch diesmal Gunnar Ott getroffen. „Er ist unser tragischer Held.“

„Wir waren immer hart am Thema“

Es wird ein ganz neues Gefühl für die Grünen sein, die Arbeit nun auf fünf Personen verteilen zu können. Sie hatten bei der Wahl 2016 drei Mandate erlangt, doch Sonja Jakob verließ die Fraktion Anfang 2018, sodass Altmann und Viola Czerwonka alles zu zweit wuppen mussten. Die Mühe habe sich gelohnt, meint Altmann. „Wir waren immer hart am Thema.“

Auch die FDP ist in Hochstimmung. Die Richterin Sarah Buss (39), der Ingenieur Menko Bakker (32) und der Wirt Arno Fecht (45) bilden die neue dreiköpfige, relativ junge Fraktion. „Ich freu mich auf die Arbeit“, sagt Fecht, der jahrelang die Auricher Kultkneipe „Arno‘s Hirsch“ führte. Am Montag meldeten sich die drei Neulinge gleich mit einem 100-Tage-Programm für Aurich. Die Stadt müsse sicherer und sauberer werden, heißt es dort unter anderem. Für das Energie-, Bildungs- und Erlebniszentrum (EEZ) müsse „eine neue Zukunft entwickelt werden“, schreibt die FDP. Und Aurich brauche „Sicherheitskonzepte für Radfahrer und Fußgänger ohne eine Verdrängung des Pkw-Verkehrs“.

„Man darf sich nie zu sicher fühlen“

Ein altgedienter Ratsherr der Linken steht vor dem Aus: Fraktionschef Hendrik Siebolds, der dem Rat seit 25 Jahren angehört (zunächst für die Grünen), fehlten 44 Stimmen zur Wiederwahl. Seine Fraktion bleibt mit zwei Sitzen so groß wie gehabt, nur dass Gerhard Wulff, Ortsbürgermeister von Brockzetel und Wiesens, Siebolds wegen der vielen persönlichen Stimmen verdrängt. Er hätte gerne weitergemacht, sagt Siebolds. „Klar bin ich enttäuscht. Aber vielleicht sind 25 Jahre dann auch genug gewesen. Man darf sich in der Politik nie zu sicher fühlen.“ Er freue sich „unheimlich für Gerd“, betont der 59-Jährige. Dessen Bürgernähe sei belohnt worden. Das Ganze erinnert an den Fall des Ratsherrn Ulrich Kötting (GAP). Kötting war vor fünf Jahren ebenfalls überraschend nicht wiedergewählt worden. Er war dann aber doch noch in den Rat gekommen, weil Günther Kahle auf sein Mandat verzichtet hatte.

Hendrik Siebolds (Die Linke) wird dem neuen Rat nicht mehr angehören. Foto: Archiv
Hendrik Siebolds (Die Linke) wird dem neuen Rat nicht mehr angehören. Foto: Archiv

Die neu gegründete Partei „Die Basis“ wird im neuen Rat vertreten sein, durch Silvia Lübcke (ehemals CDU). Die 60-jährige Schaustellerin, die die Corona-Politik der Bundesregierung kritisiert, war im Juni in die Schlagzeilen geraten, weil sie auf Facebook einen Beitrag geteilt hatte, in dem Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Atemzug mit Adolf Hitler und anderen Diktatoren genannt wird. Lübcke ist glücklich, dass „Die Basis“ dennoch den Sprung in den Rat geschafft hat. „Ich bin ganz ehrlich, damit habe ich nicht gerechnet. Ich bin stolz auf uns alle. Wir haben super Arbeit geleistet, und wir werden unser Bestes geben.“

Das mit Abstand beste Stimmenergebnis bei der Ratswahl hat die SPD-Politikerin Antje Harms geholt. Die stellvertretende Landrätin und Ortsbürgermeisterin von Extum, Haxtum, Kirchdorf und Rahe bekam 2588 Stimmen, 1128 Stimmen mehr als der Zweitplatzierte, CDU-Fraktionschef Arnold Gossel.

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