Katholische Kirche

Wer soll das noch verstehen?

Stefanie Witte
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Ein Kommentar von Stefanie Witte
| 15.09.2021 16:36 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 1 Minute
Stefan Heße darf Erzbischof von Hamburg bleiben. Foto: Scholz/DPA
Stefan Heße darf Erzbischof von Hamburg bleiben. Foto: Scholz/DPA
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In Hamburg darf Erzbischof Stefan Heße trotz Verfehlungen künftig weiter die Amtsgeschäfte führen. Hier hat die Kirche als System versagt – und zeigt sich auf einem Niveau mit Wirtschaft und Politik.

Wer soll das noch verstehen: Der Papst hat das Rücktrittsangebot des Hamburger Bischofs Stefan Heße nicht angenommen – obwohl Heße in seiner früheren Funktion als Personalchef und Generalvikar in einem Gutachten für das Erzbistum Köln elf Pflichtverletzungen vorgeworfen werden.

Und nun erklärt der Papst, der Bischof solle bleiben – mit der abenteuerlichen Begründung, er habe die ihm nachgewiesenen Fehler ja nicht in der Absicht begangen, Missbrauch zu vertuschen. Geht's noch? Heße hat laut Gutachten Täter und Opfer angehört, wusste in mehreren Fällen von Übergriffen – und hat sich, soweit es sich nachvollziehen lässt, schlicht nicht darum gekümmert, was nach solchen Gesprächen passiert. Echte Einsicht, echte Betroffenheit ließ Heße nicht erkennen und sprach stattdessen vom „Versagen des Systems“.

Dieses System hat nun erneut versagt. Wieso bleibt jemand, der vielfach bewiesen hat, dass er nicht in der Lage ist, Verantwortung zu übernehmen, an der Spitze eines Erzbistums? In Führungsfragen zeigt sich die Kirche plötzlich ganz weltlich. Nach dem Vorbild von Topmanagern und Politikern, die sich auch nach ernsten Verfehlungen an ihr Amt klammern, sitzen Bischöfe Probleme einfach aus. Die Zahl der Kirchenaustritte dürfte weiter steigen.

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