Hilfe für die Flutopfer

In der „Stunde null“ ist die Hoffnung nicht verloren gegangen

Von Christian Ebener
 | 18.09.2021 07:56 Uhr  | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im Dauereinsatz: Inhaber Markus Buchem arbeitet an der Zukunft von „Ostländer next“. Fotos: Ebener
Im Dauereinsatz: Inhaber Markus Buchem arbeitet an der Zukunft von „Ostländer next“. Fotos: Ebener
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Markus Buchem, Inhaber eines Bekleidungshauses in Eschweiler, hat die Flutnacht fassungslos über seinem Geschäft verbracht. Die Einsatzbereitschaft der Helfer macht ihm Mut. OZ-Leser können helfen.

Gemeinsam mit der Aachener Zeitung (AZ) sammelt diese Zeitung Spenden für die Flutopfer. Dieser Text ist in der AZ erschienen.

Eschweiler - Prüfend geht Markus Buchem durch seine Baustelle im Herzen von Eschweiler. Im Bekleidungshaus „Ostländer next“ ist die neue Elektrik bereits entlang der Decke verlegt, Wände und Böden können bald in Angriff genommen werden. „Wir sind jetzt schon recht weit“, stellt er zufrieden fest. Ein Jahrzehnt lang ist er bereits der Leiter des seit 1906 bestehenden Geschäfts. Das Hochwasser, das in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli bis zur Oberkante der zerstörten Schaufenster stand, hat auch ihn schwer getroffen. Doch nur kurz erinnert er sich daran, wie er mit seinem Team noch bis Mitternacht versucht hat zu retten, was zu retten war. Auf eine unsichere Nacht, die sie gezwungenermaßen in den Büroräumen oberhalb des Geschäftes verbrachten, folgte das böse Erwachen. Soweit der Rückblick.

Noch ist das Geschäft von Markus Buchem geschlossen. Die Flut richtete dort einen großen Schaden an.
Noch ist das Geschäft von Markus Buchem geschlossen. Die Flut richtete dort einen großen Schaden an.

Viel lieber blickt Buchem voraus auf die Zukunft des Hauses. Als das Wasser sich zurückgezogen hatte, habe er gedacht: „Jetzt ist die Stunde null. Und wir bauen das wieder auf.“ Zehn Tage lang halfen Freiwillige beim Entrümpeln, Auspumpen und den vielen anderen Arbeiten, die in der ersten Phase anfielen. „Die Hilfsbereitschaft der Bürger hat mich tief ergriffen. In den Momenten, in denen man eigentlich weinen wollte, hat das einfach gutgetan“, berichtet Buchem.

„Eine riesige Chance für die Innenstadt“

Schnell hatte er mithilfe der Stadt Fachbetriebe gefunden, die die Renovierung vorantreiben. „Die Verzweiflung ist der Hoffnung gewichen“, kann Markus Buchem mit hörbarer Erleichterung sagen. Die Freude an Mode und seinem Geschäft können ihm weder die Coronavirus-Pandemie noch das Hochwasser nehmen. Auch die vielen Entscheidungen, die er nun treffen muss, machen ihm Spaß – etwa die Zusammenstellung seiner neuen Ladenausstattung, die durchaus moderner ausfallen soll. Während es bei „Ostländer next“ zügig vorangeht, stehen andere noch an einem früheren Zeitpunkt des Wiederaufbauprozesses. Aber das Wichtigste sei, dass in ganz Eschweiler der große Wille zu beobachten sei, die Tradition des Einzelhandels nicht sterben zu lassen. „Am Ende ist es sogar eine riesige Chance für die Innenstadt“, findet Buchem. Etwa aufgrund des geschärften Bewusstseins für den lokalen Einzelhandel. Die Erfahrungen der vergangenen Wochen – da spreche er nicht nur für sich – seien so positiv gewesen, dass niemand sei-nen Mut verloren habe.

Die Erlebnisse für sein Team und ihn seien zwar schon „traumatisch“ gewesen, doch nie hätten sie ans Aufgeben gedacht. Stattdessen rollten zu dem einen oder anderen Zeitpunkt Freudentränen über das Bewältigen der nächsten Hürde. Oder es wurde mit den Helfern nach einem langen Tag bei einem Feierabendbier auch mal befreiend gelacht. Dieser Zusammenhalt sei alles andere als selbstverständlich, betont der Geschäftsmann mit Nachdruck. Gerade die jüngeren Eschweiler seien zum ersten Mal mit einer solchen Katastrophe konfrontiert gewesen. Doch ihre Empathie und ihr Einsatz lassen Markus Buchem optimistisch in die Zukunft blicken. So ist die Vorfreude sehr groß auf den Moment, in dem das Leben wieder wie früher vonstatten gehen kann. Das erste Stadtfest werde gewiss besonders sein. Verdient seien sie nachdem großen gemeinschaftlichen Einsatz der Eschweiler Bürger allemal.

So können OZ-Leser helfen

Seit etwa zwei Monaten läuft die Spendenaktion der Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO), zu der auch diese Zeitung gehört. Über das Hilfswerk „Ein Herz für Ostfriesland“, eine Tochter der ZGO, wird Geld für Menschen in Eschweiler und Stolberg gesammelt. Die Orte wurden besonders hart von der Flut getroffen.

Das Spendenkonto lautet: „Ein Herz für Ostfriesland gGmbH“, IBAN: DE 55 2859 0075 0011 1112 00 bei der Ostfriesischen Volksbank eG, Leer. Gespendet werden kann auch hier direkt über Paypal . Jeder einzelne Spenden-Euro geht an die Flutopfer. Die Verwaltungskosten der „Ein Herz für Ostfriesland gGmbH“ werden komplett von der Zeitungsgruppe Ostfriesland getragen. Es gibt keinerlei Verrechnungen oder Abzüge.

Wer nicht möchte, dass sein Name in der Zeitung veröffentlicht wird, muss das bitte auf der Überweisung vermerken. Bis zu einer Spende von 199 Euro erkennt das Finanzamt den Einzahlungsbeleg an. Bei höheren Beträgen können Spendenquittungen ausgestellt werden. Nähere Informationen gibt es per E-Mail .

Weitere Infos zur Aktion gibt es hier.

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