Bauen und Wohnen
Baugebiet Conrebbi: Grundstücke gehen ab Dezember in Verkauf
Im Dezember soll es endlich losgehen: Dann sollen die ersten 100 Grundstücke in Conrebbi vermarktet werden. Unterdessen gibt es Zweifel an der nächsten Ausbaustufe des Emder Mega-Baugebietes.
Emden - Emden will wachsen: Ab Dezember sollen die ersten 100 Grundstücke des geplanten neuen Stadtteils Conrebbersweg-West, kurz Conrebbi genannt, verkauft werden. Das teilte Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) am Donnerstag während einer Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses des Emder Rates mit. Damit wird der erste Bauabschnitt nach mehr als sechsjähriger Vorbereitung konkret. Die Arbeiten an einer Erschließungsstraße haben im Sommer dieses Jahres angefangen.
Was und warum
Darum geht es: die schwierige Geburt eines neuen Emden Stadtteils mit zunächst 100 neuen Baugrundstücken, die ab Dezember in den Verkauf gehen sollen
Vor allem interessant für: Bauwillige, die nach Emden ziehen oder sich innerhalb der Stadt verändern wollen
Deshalb berichten wir: Das Mega-Baugebiet „Conrebbi“ ist einerseits heftig umstritten und wird andererseits sehnsüchtig erwartet. Im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss wurden wichtige Grundstücksfragen beantwortet Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de
Obwohl die Vermarktung der ersten Grundstücke noch nicht begonnen hat, möchte die Stadt bereits in die Planungen für den nächsten, weit größeren Baugebiets-Abschnitt einsteigen. Die zweite Ausbaustufe soll Grundstücke vorhalten für 70 Einfamilien-, 36 Doppel- und 40 Reihenhäuser sowie weitere sieben Mehrfamilienhäuser mit alleine 70 neuen Wohneinheiten. Der Ausschuss gab der Verwaltung dafür am Donnerstag mehrheitlich grünes Licht. Lediglich Bernd Renken und André Göring von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen stimmten dagegen. Sie sind allerdings nicht die einzigen, die Zweifel haben.
Wie groß ist die Nachfrage wirklich?
Während die Stadtverwaltung groß denkt und groß planen will, wächst parteiübergreifend die Skepsis an der tatsächlichen Nachfrage nach Bauland in Conrebbi. Zwar liegt der Stadt nach eigenen Angaben eine Liste mit 1200 Interessenten vor. Die Frage ist jedoch, wie ernst es ihnen wirklich ist. Die ältesten Einträge sind bereits verjährt, einige dürften sich mittlerweile nach Alternativen umgesehen haben. Zu lange schon wird über Conrebbi geredet, ohne dass etwas Sichtbares passiert ist. Grünen-Ratsherr Göring hält die Liste deswegen nicht mehr für aussagekräftig: „Das sind keine belastbaren Zahlen“, meint er.
Neben der tatsächlichen Nachfrage ist die zweite große Unbekannte, ob die Leute von der Liste wirklich dort bauen wollen, wo es die Stadt ihnen schmackhaft machen möchte - also zunächst im ersten Abschnitt nahe der Autobahnanschlussstelle und danach im südlich angrenzenden Erweiterungsgebiet. Gerold Verlee spricht offen aus, was viele denken: „Ich habe die Befürchtung, dass 1200 Menschen an den Kanal wollen, aber keiner oben an die Autobahn“, so der Fraktionsvorsitzende der CDU.
1200 Interessenten werden angeschrieben
Tim Kruithoff widerspricht. „Es vergeht kein Tag ohne bitterböse E-Mails“, sagt Kruithoff. Und es vergehe keine Woche, in der er nicht von Familie erführe, die sich für einen anderen Bauplatz außerhalb Emdens entschieden hätten. Er glaubt fest daran, dass die Grundstücke in den ersten beiden Bauabschnitten schnell verkauft sind – auch wenn diese nicht am Larrelter Tief liegen.
Um den Rat zu überzeugen, dass man jetzt bereits in die Planung für den zweiten Bauabschnitt einsteigen sollte, wählt der städtische Fachbereichsleiter Rainer Kinzel einen Vergleich zur Autoindustrie. Man könne nicht 100 Fahrzeuge produzieren und dann erst warten bis diese verkauft seien, ehe die nächsten hergestellt würden, so Kinzel. Er und Kruithoff kündigten an, dass jetzt alle 1200 Interessenten von der Liste angeschrieben werden, um deren Absichten und Wünsche verbindlich abzufragen. Im Anschluss solle mit der Vergabe nach einem Punktesystem begonnen werden.
Grüne werfen Kruithoff Wortbruch vor
Grünen-Fraktionschef Renken wirft der Verwaltung unterdessen „einen klaren Bruch der Vereinbarung vor“. Er erinnert daran, dass Kruithoff versprochen habe, dass Conrebbi schrittweise entwickelt werden solle. Die einzelnen Bauabschnitte sollten demnach erst mit der Politik vereinbart werden, wenn klar ist, wie viele Grundstücke weggehen. Die Grünen waren von Anfang an gegen die geplante Größe des neuen Stadtteils, der auch in einer nachträglich verhandelten und abgespeckten Variante bis zu 350 Grundstücke und ein kleines Gewerbegebiet auf den Markt bringen soll.
Einstimmig beschlossen wurde in der Ausschusssitzung die Empfehlung, dass ein Teil der naturschutzrechtlich notwendigen Ausgleichsmaßnahmen an das Ökowerk Emden vergeben wird. Der Rat muss abschließend noch zustimmen. Dann fließen für die Kompensation über einen Zeitraum von 30 Jahren insgesamt rund 250.000 Euro an die Umwelt-Einrichtung aus Borssum.