Einzelhandel
Ein Umzug mit Tausenden Fischen
Seit Monaten bereitet der Inhaber des Fachgeschäfts Zoo Meyer den Umzug aus der Auricher Altstadt vor. Dabei muss er an die unterschiedlichen Bedürfnisse Hunderter Fische denken. Sonst gibt es Tote.
Aurich - Immer dieser Mangel, jetzt auch noch bei Aluminium. Uwe Meyer könnte die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn er die nicht dringend für etwas anderes bräuchte. Der Auricher muss den Umzug seines Zoo-Fachgeschäftes bewältigen. Exakt 30 Jahre lang war er in der Osterstraße Anlaufstelle für Tierfreunde. Am 29. September 1991 ist er in die Räume gezogen, die vorher einen Surfladen beherbergten. Aufzuchtfutter für Jungfische? 100 Gramm Mehlwürmer für insektenfressende Vögel? Rote Mückenlarven oder Chemikalien als Wasserstabilisator? In dem 150 Quadratmeter großen Ladenlokal ist jedes Eckchen der verwinkelten Altbau-Konstruktion aus dem Jahr 1803 ausgenutzt. Alleine die Produkte, die der Wasseraufbereitung dienen, füllen gefühlt zwei Regalmeter.
Plastikeimer als Umzugskartons
Eben mal zieht man auch nicht mit lebender Ware um. Seit Monaten bereitet sich Uwe Meyer darauf vor, hat viele Tiere abverkauft, so dass drei der verbliebenen 32 Aquarien leer sind. In den Wasserbecken leben die Tiere jetzt, zugespitzt gesprochen, Kieme an Kieme. Dort schwimmen nämlich auch die Fische aus den 24 Aquarien herum, die schon am neuen Standort sind. Wie wird die kostbare Fracht transportiert? Uwe Meyer deutet auf Plastikeimer mit Deckel. So sehen Umzugskartons für Rotkopf-Erdfresser und Co. aus. In die Behältnisse wird der Zoogeschäft-Inhaber seine Fische selbst behutsam hineinsetzen.
Abschied fällt nicht leicht
In gewisser Weise wäre Uwe Meyer das vielleicht sogar recht, denn der Abschied von der Altstadt ist nicht ganz einfach. In den 30 Jahren hat er den Niedergang einer einstmals gut ausgestatteten Einkaufsstraße erlebt. „Früher war hier viel Lauf, es gab eine ganze Reihe inhabergeführter, guter Geschäfte“, erinnert er sich und verweist auf Möbel Jacobs, mehrere Boutiquen. Damals kamen die Filialisten erst auf, hatten sich noch nicht krankenartig ausgebreitet. Aus Altersgründen habe ein Geschäftsführer nach dem anderen aufgegeben, sagt Uwe Meyer. Heutzutage würden die Touristen allenfalls bis zum Gebäude der Brandkasse gehen und dann umdrehen. „Die denken, da komme nichts mehr“, sagt der Inhaber des Zoofachgeschäfts. Die Zukunft der Innenstadt sieht er düster. Die nächsten Wochen und Monate würden hart, vor allen Dingen in der Osterstraße. Dort soll ein neues Parkhaus gebaut werden. Der Dreck, der Lärm, das nerve die Anwohner und schrecke Kunden erst recht ab. Vor Monaten hat Uwe Meyer deshalb die Reißleine gezogen und seinem Vermieter, der Stadt, gekündigt. Damit ist er einem Rauswurf zuvorgekommen. Die Stadt hat das Haus mit Zoofachgeschäft und weitere Gebäude verkauft. Im Zuge der Altstadtsanierung soll dieser Teil der Osterstraße ein neues Gesicht erhalten.