Gaspreise steigen
Verbrauchern droht ein teurer Winter
Gleich mehrere Anbieter haben eine Preiserhöhung für Strom und Gas angekündigt. Die Preissteigerung hat mehrere Gründe. Die Verbraucherzentrale gibt Tipps, was Verbraucher tun können.
Essen - Die Großhandelspreise für Erdgas sind seit Monaten auf einem Höhenflug. Vielerorts bekommen die Verbraucher das bereits zu spüren. Nach Angaben der Vergleichsportale „Verivox“ und „Check24“ haben zahlreiche regionale Gasanbieter Preiserhöhungen für den Herbst angekündigt. „Verivox“ hat ein Plus von durchschnittlich 12,6 Prozent ermittelt, laut „Check24“ sind es 11,5 Prozent. Für einen Durchschnittshaushalt führe das zu Mehrkosten in Höhe von 188 Euro beziehungsweise 172 Euro im Jahr.
Erdgas ist momentan der Haupttreiber der stark steigenden Energiepreise, die im August durchschnittlich fast ein Viertel höher waren als ein Jahr zuvor. Der Preis für Erdgas legte um gut 44 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt in seiner Erhebung zu den Erzeugerpreisen berichtete.
Verbraucher haben Sonderkündigungsrecht
Ob sich auch in Ostfriesland die Gaspreise erhöhen, konnte Andreas Polle von den Stadtwerken Emden noch nicht sagen. „Wir stecken noch mitten in der Preisplanung“, sagte der Pressesprecher. Die EWE schreibt dazu auf Anfrage, dass außer den Beschaffungskosten auch die CO2-Abgabe steige. Wie sich das genau auf den Gaspreis auswirkt, könne das Oldenburger Unternehmen noch nicht sagen. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat bereits einige Anbieter registriert, die ihre Beiträge für Gas und Strom erhöhen. „Man sollte auf jeden Fall gucken, ob es sich lohnt, den Anbieter zu wechseln“, sagte Karin Itzen von der Beratungsstelle in Aurich. Sie weist auf ein Sonderkündigungsrecht hin, welches Verbraucher im Falle einer Preiserhöhung haben.
Experten sehen einen ganzen Strauß von Gründen für den heftigen Preisanstieg: Nach dem Wiederanlaufen der Wirtschaft habe sich die weltweite Nachfrage wieder normalisiert, erläuterte Fabian Huneke vom Beratungsunternehmen Energy Brainpool. Das gelte vor allem für Asien. Der dortige Bedarf an Flüssigerdgas (LNG) beeinflusse auf den eng verflochtenen Erdgasmärkten auch das Preisniveau in Europa. Besonders extrem ist die Lage in Großbritannien, wo die Gaspreise seit Jahresbeginn um 250 Prozent gestiegen sind.
Jeder kann etwas für die Stromrechnung tun
Nach dem vergleichsweise kalten Winter 2020/21 sind die Gasspeicher in Europa noch nicht wieder komplett aufgefüllt. In Deutschland sind sie aktuell zu weniger als zwei Dritteln gefüllt, wie auf der Datenplattform der Betreiber zu sehen ist. Warum in den Speichern derzeit weniger Gas ist als üblich, lässt sich nicht eindeutig sagen. Ausfälle und Wartungsarbeiten an der Gas-Infrastruktur hätten zur Folge gehabt, „dass die Gasspeicher nicht so stark wie sonst üblich über den Sommer gefüllt werden konnten“, sagt Eren Çam vom Energiewirtschaftlichen Institut der Uni Köln.
Droht Deutschland ein Gasmangel im Winter? „Wenn es richtig kalt wird im Februar, wichtige Speicher leer sind und Nord Stream 2 nicht in Betrieb genommen wurde, können regional Engpässe auftreten. Dann bleiben Wohnungen kalt und Gaskraftwerke müssen abgeschaltet werden“, befürchtet Oliver Krischer, Fraktionsvize der Grünen im Bundestag.
Letztendlich kann jeder immerhin seine Stromrechnung beeinflussen, indem er Strom spart. Karin Itzen rät, Geräte komplett vom Netz zu nehmen. Denn auch wenn Geräte im Stand-by-Modus sind oder Ladekabel ohne Benutzung in der Steckdose hängen, verbrauchen diese Strom. Mit einem Strommessgerät sollte man prüfen, wie viel Strom einige Geräte tatsächlich verbrauchen. Bei alten Kühlschränken oder Backöfen beispielsweise ist der Stromverbrauch oft viel zu hoch.
Mit Material von DPA