Kolumne: Artikel 1, GG

Die Freiheit der eigenen Ansichten

Canan Topçu
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Eine Kolumne von Canan Topçu
| 22.09.2021 09:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Canan Topçu
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Auf unserem Online-Auftritt veröffentlichen wir an sechs Tagen pro Woche eine Kolumne. Mittwochs geht es immer um Toleranz und Diversität.

Ich schreibe Ihnen aus Cres. Hier war ich vor 30 Jahren schon einmal; weil ich sehr schöne Erinnerungen an diese Reise hatte, fuhren mein Mann und ich mit unserem Wohnmobil hierher. Was ich nicht bedacht hatte: Es bleibt nichts, wie es ist. Auch auf Cres nicht. Ziemlich viele Leute hatten die gleiche Idee. Nun hocken wir mit diesen vielen anderen auf einer Campinganlage mit fast 1000 Stellplätzen, weil man in Kroatien nur auf offiziellen Campingplätzen nächtigen darf.

Zur Person

Canan Topçu (55) ist als Tochter türkischer Arbeitsmigranten in Hannover aufgewachsen. Nach der Ausbildung bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung wechselte die Journalistin zur Frankfurter Rundschau. Seit 2012 ist die Hanauerin freiberuflich als Autorin sowie als Referentin und Dozentin tätig.

Glück im Unglück: Nicht alle Stellplätze sind belegt. Ich will mir gar nicht vorstellen, was los ist, wenn jede Parzelle von Paaren oder Familien mit mehreren Kindern bewohnt wird. Eine Erkenntnis aus dieser Reise: Urlaub auf großen Campingplätzen ist nichts für mich. Ich nehme auch einige Fragen mit. Eine davon: Was ist der Reiz solch eines Urlaubs?

Was bringt Menschen dazu, mit Auto mit Zelt im Gepäck bzw. angehängtem Wohnwagen oder Wohnmobil tausende Kilometer hinter sich zu bringen, um dann die „schönsten Wochen des Jahres“ auf kleinstem Raum zu verbringen? Umgeben von anderen Deutschen (so hier auf Cres), die das gleiche machen? Warum setzt man sich freiwillig der Enge aus, beispielsweise um vom Vorzelt aus zu beobachten, wie die Nachbarn von rechts, links oder vorne – wie man selbst auch von Zeit zu Zeit – mit einer Rolle Klopapier in der Hand sich zu den Sanitäranlagen begeben? Und das, obwohl man ein teures Wohnmobil mit eigener Toilette hat.

Ich möchte es mit Ihnen, liebe Leser und Leserinnen, die womöglich zu dieser Campercommunity gehören, nicht verscherzen. Daher der Hinweis, dass ich lediglich meine Beobachtungen mitteile. Ich stelle etwas fest und stelle mir Fragen, aber ich bewerte nicht! Das ist das Gute an Freiheit: Jeder und jede kann machen und lassen, was er/sie will. Und zur Freiheit gehört, Ansichten – so lange sie niemanden persönlich beleidigen, abwerten, verächtlich machen – öffentlich kundtun zu können. Dies sei hiermit geschehen.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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