Straßenbau
Emder Trogstrecke: Neues Verfahren scheint zu klappen
Der Versuch, den Betontrog mit einem neuen Verfahren trockenzulegen, ist erfolgversprechend. Die Verantwortlichen hoffen, die neuen Probleme an der Trogstrecke in Emden nun in den Griff zu bekommen.
Emden - Die an der Sanierung der Trogstrecke in Emden beteiligten Behörden und Firmen sind zuversichtlich, die neuen Probleme an dieser wichtigen und vielbefahrenen Verkehrsachse in den Griff zu kriegen. Eine Spezialfirma aus Norderstedt testet seit zwei Tagen ein anderes Verfahren, um die Hauptfugen zwischen den Seitenwänden und der Sohle sowie Hohlräume darunter abzudichten und die Betonschale so komplett trockenzulegen. Es soll verhindert werden, dass weiter Wasser in die insgesamt 31 Schalen der Betonwanne eindringt.
Was und warum
Darum geht es: Wie die Stadt Emden die neuen Probleme in den Griff bekommen will und welche Folgen das hat.
Vor allem interessant für: Verkehrsteilnehmer in Emden und alle, die das millionenschwere Straßenbau-Projekt über Steuern indirekt mitfinanzieren. Deshalb berichten wir: Die Stadt lud am Donnerstag zu einem Ortstermin ein, um über die neuen Probleme und die Folgen zu informieren. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
„Es gibt begründete Hinweise darauf, dass es funktioniert“, sagte Helmut Bodem am Donnerstag dieser Zeitung bei einem Ortstermin. Er ist der zuständige Projektleiter des Berliner Ingenieurbüros Grassl, das die Sanierung der Trogstrecke im Auftrag der Stadt geplant hat. Genaues ließe sich aber erst in wenigen Tagen sagen.
Spezialisten verwenden ein Injektionsharz
Die neue Methode, die Risse abzudichten, weicht laut Grassl und den Verantwortlichen des städtischen Bau-und Entsorgungsbetriebes (BEE) nur leicht von dem Verfahren ab, dass bisher angewandt wurde. Verwendet wird jetzt ein dehnbares Injektionsharz, das über Bohrlöcher mit Hochdruck in den Fugen und den Hohlräumen verpresst wird. Kommt das Harz mit Wasser in Kontakt oder vermischt sich beides, bildet sich eine gleichmäßige, geschlossene und wasserdichte Struktur.
Beim Bau wurde „ein bisschen gepfuscht“
Er führt die neuen Mängel vor allem darauf zurück, das beim Bau des Trogs in den Jahren von 1975 bis 1977 „ein bisschen gepfuscht und gemurkst“ worden sei. Es habe sich bei der Sanierung unter anderem gezeigt, dass einige Fugen nicht zu den Bauplänen passten. Aus Sicht von Bodem sind die neuen Probleme „nicht absehbar“gewesen. Erst während der Arbeiten am Trog habe sich gezeigt, dass einiges nicht mit den Bestandsunterlagen übereinstimmte. Das sei „durchaus üblich“ bei solchen Projekten.
Hinzu komme, so Fecht, dass man damals statt einer sogenannten Schwerlastsohle ein viel billigeres Verfahren mit Bohrpfählen wählte. Es wurde laut Fecht in Deutschland nur dreimal angewandt. Der Bau in Emden kostete damals elf Millionen Mark. Die andere, aus heutiger Sicht geeignetere Variante wäre um sechs Millionen Mark teurer geworden.
Strecke wird Ende November freigegeben
Fecht und Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) räumten bei dem Ortstermin auf Nachfrage dieser Zeitung ein, dass sich die bislang mit 5,5 Millionen Euro veranschlagte Sanierung der Trogstrecke verteuern wird. „Die Mehrkosten bleiben aber unter einer Million“, sagte Kruithoff. Er geht derzeit davon aus, dass der bisherige Zeitplan eingehalten werden kann und der gesamte Trog in etwa einem Jahr komplett fertig sein wird.
Unterdessen kündigte der Oberbürgermeister an, dass die Trogstrecke im Winter vorübergehend durchgängig und in beide Fahrtrichtungen befahren werden kann – wenn auch nur im Schritttempo. Die Strecke soll am 26. November freigegeben werden und bis zum Frühjahr offen bleiben. Danach soll der Abschnitt der Trogstrecke zwischen der Petkumer Straße und der Straße Zur Alten Brikettfabrik erneuert werden.
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