Auf Störtebekers Spuren
Sie machen die verborgenen Burgen Ostfrieslands sichtbar
Als Archäologin hat sie in Ostfriesland viel zu tun: Dr. Kirsten Hüser ist Burgen auf der Spur. Deren Geschichte ist eng mit Freibeutern verknüpft.
Groothusen/Ostfriesland - Dr. Kirsten Hüser ist Archäologin und erforscht in einem Team des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung mit Sitz in Wilhelmshaven ostfriesische Burgen und Steinhäuser. Vor kurzem war sie auch in Groothusen in der Gemeinde Krummhörn. Dort hatten sich im Spätmittelalter (etwa 1250 bis 1500) gleich drei Burgen befunden.
Das Dorf war damals durch einen Priel und die heute verlandete Bucht von Sielmönken direkt mit der Nordsee verbunden, heißt es in dem Bericht von Mit-Archäologe Stefan Krabath. Bei ihrer Forschung zu den Burgen seien sie auch immer wieder auf Verweise zu Freibeutern gestoßen. Denn: Um 1400 waren zahlreiche Häuptlingssitze Unterschlüpfe für Seeräuber. Der legendäre Pirat Klaus Störtebeker soll sich in Marienhafe vor der Hanse versteckt haben. „Es ist nicht wirklich überraschend, dass ein Teil der Burgen mit Piraten wie Störtebecker in Verbindung stehen“, erklärt Hüser.
Burgen: Ein ostfriesischer Schatz
Das sei historisch belegt. Eine Vielzahl von Burgen seien auch gerade deswegen zerstört worden, da die Häuptlinge dort Piraten Unterschlupf gewährten. „Das ist sicherlich ein wichtiger Aspekt für die Geschichte der Burgenlandschaft auf der Ostfriesischen Halbinsel“, so die Expertin. Insgesamt soll es um die 500 Burgen gegeben haben, wie historische Urkunden belegen. Die meisten davon haben aber die Jahrhunderte nicht überstanden. „Gerade weil die meisten Burgen/Steinhäuser in Ostfriesland nicht mehr erhalten sind, ist ihre Erforschung umso wichtiger“, betont die Archäologin. Die Erforschung liefere Hinweise über die große Anzahl solcher Burgstellen und verdeutliche, wie diese Burgen strukturiert waren oder wann diese Burgen errichtet wurden. „Da aus dem Hoch- und Spätmittelalter dazu kaum historische Überlieferungen vorliegen, sind wir da verstärkt auf archäologische Quellen angewiesen“, erklärt sie.
Verborgenes sichtbar machen
In Groothusen wurde die Stelle, an der sich die Westerburg befunden haben soll, im Frühjahr an zwei Tagen mit einem geomagnetischen Messgerät untersucht. Auf rund 12.000 Quadratmeter Wiesenfläche sowie dem zentralen Burghügel konnte mit dem Gerät ermittelt werden, wo sich im Boden Mauerreste, Gräben oder andere Hinweise zum Herrschaftssitz finden lassen. „Auch nach vielen Jahren in der Archäologie birgt jede Fundstelle wieder neue Herausforderungen“, sagt Hüser. Es sei „jedes Mal ein schönes Erlebnis, wenn die Messungen Baustrukturen, die obertägig nicht mehr sichtbar sind, plötzlich auf dem Monitor erscheinen lassen. Jeder Fundplatz, den unser Team untersucht, ist für mich spannend und bringt jedes Mal immer wieder neue Ergebnisse. Daher wird es für mich auch nie langweilig.“