Statements der Parteien

Bundestagswahl: Fast ganz Ostfriesland ist rot – SPD feiert Sieg

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 26.09.2021 23:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Ulf Thiele Foto: CDU
Ulf Thiele Foto: CDU
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Die Ostfrieslandkarte ist fast vollständig rot eingefärbt, was die Zweitstimmen-Ergebnisse betrifft. Die SPD feiert ihren Sieg. Grüne und FDP sind zufrieden, CDU und Linke enttäuscht.

Ostfriesland - Wie bewerten führende Vertreter und Vertreterinnen der Parteien in Ostfriesland das Bundestagswahlergebnis?

Johanne Modder Foto: SPD
Johanne Modder Foto: SPD

Statement der SPD

„Super Ergebnis!“ Johanne Modder, Vorsitzende des SPD-Bezirks Weser-Ems, war begeistert: „Das ist historisch für uns. […] Jetzt ist die SPD zurück und die führende Kraft in der Bundesrepublik.“ Und das, nachdem die Partei vor einem halben Jahr noch abgeschrieben worden sei. Das sei „ein klares Votum für Olaf Scholz“. Genauso zufrieden war Modder mit den Ergebnissen in Ostfriesland: Der Wahlkreis Unterems sei bei den Zweitstimmen „zum ersten Mal rot“. Die Union habe „herbe Verluste hinnehmen müssen“. Johann Saathoff (Pewsum) und Siemtje Möller (Varel) hätten ihre Direktmandate verteidigt – weitere kämen in der ostfriesischen Nachbarschaft hinzu. Und: „Wer hätte gedacht, dass Papenburg eine rote Bürgermeisterin bekommt?!“

Ob es Anja Troff-Schaffarzyk, Kandidatin aus dem Wahlkreis Unterems, auf Platz 14 der Landesliste in den Bundestag schafft, stand zum Zeitpunkt des Telefonats noch nicht fest: „Es sieht ganz gut aus.“ Modders Präferenz wäre ein Regierungsbündnis, in dem die Grünen dabei sind.

Statement der CDU

„Gemessen an dem Anspruch, den die CDU/CSU normalerweise hat, ist es ein sehr enttäuschendes Ergebnis“, sagte Ulf Thiele, Vorsitzender des CDU-Bezirks Ostfriesland. „Gemessen an den Umfrage-Ergebnissen der letzten Wochen war es das Ergebnis, das noch machbar war“, weil Mitglieder und Kandidaten bis zum Schluss gekämpft hätten. Ostfriesland habe den Bundestrend bei den Zweitstimmen „voll mit abbekommen“. Die CDU liege – Stand 21 Uhr – in allen Landkreisen hinter der SPD, teilweise deutlich. Der Erststimmen-Sieg von Gitta Connemann (Hesel) sei daher „ein herausragend gutes Ergebnis“. Positiv sei auch, dass Anne Janssen (Wittmund) voraussichtlich auf dem sechsten Platz der Landesliste in den Bundestag einziehe. Falls die Landtagsabgeordnete Mareike Wulf auch reinkomme, könne es sein, dass Tatjana Maier-Keil aus Rhauderfehn noch in den Landtag nachrücke. Für Koalitionsverhandlungen biete das Ergebnis eine „sehr komplizierte Ausgangssituation“. Es werde viel davon abhängen, wie sich Grüne und FDP positionieren. Für das Land wäre aus Thieles Sicht ein Bündnis aus CDU, FDP und Grünen am besten.

Meta Janssen-Kucz Foto: Grüne
Meta Janssen-Kucz Foto: Grüne

Statement der Grünen

„Zusammengefasst ist mein Fazit positiv“, sagte Meta Janssen-Kucz (Borkum), Landtagsabgeordnete der Grünen. Aufgrund ihrer politischen Erfahrung habe sie „an die 25, 26 Prozent nie geglaubt“, welche ihre Partei im Frühjahr in Umfragen hatte. Eine Wahl werde „in den letzten zwei Wochen entschieden“. Und da hätten auch die Medien Politik gemacht – mit einer „Zuspitzung auf SPD und CDU“. Obendrein seien „die Themen unter die Räder gekommen“, es sei lange ein Personen-Wahlkampf geführt worden.

Janssen-Kucz sagte, sie sei sehr nüchtern in den Wahlkampf gegangen: „Wenn wir 15 oder 16 Prozent haben, sind wir gut.“ Die Grünen hätten massiv dazugewonnen. Das sei auch der Verdienst „vieler neuer Mitglieder“, die sich engagiert hätten. „Wir müssen mit dem Ergebnis zufrieden sein.“ Positiv bewertete sie das Abschneiden von Julian Pahlke im „schwierigen Wahlkreis Unterems“. „Wir waren da noch nie zweistellig.“ Zu diesem Zeitpunkt ging sie davon aus, dass Pahlke auf Platz 12 der Landesliste in den Bundestag einziehen könnte.

Hillgriet Eilers Foto: Doden/Archiv
Hillgriet Eilers Foto: Doden/Archiv

Statement der FDP

„Wir sind durchaus zufrieden“, sagte Hillgriet Eilers aus Emden, Vorsitzende des FDP-Bezirksverbands Ems-Jade. Natürlich wünsche man sich immer noch mehr, aber die FDP habe auf Bundesebene wie in Ostfriesland zugelegt. „Wir sind sehr froh, dass die FDP zweistellig geworden ist.“ Ihre Partei habe nun zwei Optionen für eine Regierungskoalition. Sie selbst habe keine Präferenz für ein „Jamaika“-Bündnis oder für eine „Ampel“. Die FDP müsse auf Basis des Wahlprogramms verhandeln und schauen, wo ein besseres Ergebnis zu erzielen sei.

Hillgriet Eilers hoffte zum Zeitpunkt des Telefonats gegen 20.30 Uhr, dass es der FDP-Kandidatin aus dem Wahlkreis Aurich-Emden noch in den Bundestag reichen könnte: Sarah Buss steht auf dem elften von zwölf Plätzen der FDP-Landesliste.

Franziska Junker Foto: Linke
Franziska Junker Foto: Linke

Statement der Linken

„Ich hoffe, dass wir drin sind“, sagte Franziska Junker, Landesvorstandsmitglied der Linken aus Neukamperfehn (Hesel), gegen 21 Uhr – als die Linke in den Hochrechnungen bei exakt fünf Prozent stand. Sie habe aufgrund der Umfragen vor der Wahl mit sechs Prozent gerechnet – und auf eine rot-rot-grüne Regierungskoalition gehofft, um sozialpolitisch vieles durchsetzen zu können. Die Verluste in den ostfriesischen Wahlkreisen – es sah so aus, als würde sich die Linke ungefähr halbieren – haben Junker überrascht: „Das hat sich bei der Stimmung im Wahlkampf nicht abgezeichnet.“ Sie vermutet, dass viele Linke-Wähler dieses Mal für die SPD gestimmt haben, weil sie Olaf Scholz statt Armin Laschet als Bundeskanzler haben wollten.

Kein AfD-Statement

Professor Dr. Reiner Osbild, der als Vorsitzender des AfD-Kreisverbands Ostfriesland firmiert, knüpfte seine Bereitschaft zu einer Stellungnahme am Wahlabend an eine inhaltliche Bedingung. Darauf ist unsere Zeitung unter Hinweis auf die Pressefreiheit nicht eingegangen. Andere Personen aus dem AfD-Kreisvorstand stellten sich auch nicht zur Verfügung.

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