Osnabrück

Geflügelwirtschaft: Kollaps der Tierhaltung in Deutschland droht

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 27.09.2021 11:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Junge Putenküken im Stall: Vielerorts bleiben die Ställe derzeit aber leer. Die Aufzucht lohnt sich nicht. Foto: Carmen Jaspersen
Junge Putenküken im Stall: Vielerorts bleiben die Ställe derzeit aber leer. Die Aufzucht lohnt sich nicht. Foto: Carmen Jaspersen
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Nicht nur Bauern mit Schweinen kommen derzeit kaum über die Runden. Auch Geflügelhalter haben wegen Corona und Vogelgrippe Probleme. Der Präsident ihres Dachverbandes warnt: Es droht der Zusammenbruch der Tierhaltung.

Friedrich-Otto Ripke, Präsident der Geflügelwirtschaft, warnt vor einem Kollabieren der landwirtschaftlichen Tierhaltung in Deutschland. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte er: „Alle reden über die Schweine. Aber die Situation in der Geflügelbranche ist nicht besser.“ Ripke verwies darauf, dass vor allem der Bereich der Putenhaltung betroffen ist. „Die Erzeugerpreise sind niedrig, die Futterpreise hoch. Da lassen viele Landwirte die Ställe einfach leer stehen, um nicht mit jedem neu eingestallten Tier weiteres Geld zu verlieren.“

Die Geflügelbranche kämpft mit den wirtschaftlichen Folgen des schlimmsten Vogelgrippe-Ausbruchs, der in Deutschland je registriert worden ist. Rund 150 Betriebe waren betroffen. Den Schaden beziffert Ripke mit 30 Millionen Euro. Zudem ist in Folge der Corona-Pandemie durch Schließung der Gastronomie die Nachfrage nach Geflügelfleisch eingebrochen. „Da sagen viele Geflügelhalter: ,Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr‘“, sagte Ripke. (Weiterlesen: Verheerende Geflügelpest: Bislang 1,4 Millionen Tiere in Deutschland getötet)

Ähnlich angespannt ist die Situation im Bereich der Schweinehaltung. Hier sorgt neben Corona die Afrikanische Schweinepest (ASP) für wirtschaftliche Verwerfungen. Die Agrarminister der Länder wollen auf der Ressortchef-Konferenz in dieser Woche über weitere politische Maßnahmen beraten.

Ripke forderte, die Politik müsse offene Fragen wie die nach dem Umbau der Tierhaltung nach der Wahl schnell beantworten. Der Verbandspräsident warb in diesem Zusammenhang für die Einführung eines Tierwohlbeitrages, den beispielsweise Handel oder Gastro in einen Fonds verpflichtend einzahlen sollen. Aus dem Fonds sollen Stallumbauten finanziert worden. „Das ist vergleichsweise schnell umsetzbar. Wir können nicht noch zwei Jahre über die Erhöhung der Mehrwertsteuer oder andere Einnahmequellen diskutieren“, sagte Ripke.

Unsere Redaktion hatte zuletzt berichtet, dass eine Reihe von Abgeordneten der der Unionsbundestagsfraktion einen entsprechenden Alternativvorschlag erarbeitet hat. Von der Wirtschaft wird die Idee offenkundig befürwortet. Innerhalb der Fraktion von CDU und CSU sorgte der Tierwohlbeitrag allerdings für heftige Kritik. 

(Weiterlesen: Tierwohl-Zoff in der Union: Verbalattacke gegen Vize Connemann)

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