Serie „Emder Seezeichen“
Alter Gedenkstein wird nur bei Niedrigwasser sichtbar
Als der Emder Hafen noch tideabhängig war, konnte der wohl älteste Gedenkstein der Stadt regelmäßig bestaunt werden. Jetzt muss man Glück haben – und ein gutes Auge. Das hat es damit auf sich.
Emden - Wer mit dem Boot im Emder Falderndelft bei möglichst niedrigem Wasserstand unterwegs ist, muss schon genau hinschauen. Denn: Nur dann ist einer der wohl ältesten Gedenksteine in Emden sichtbar. Er befindet sich in der Kaimauer etwa auf Höhe des Wohnhauses Schreyers Hoek 6 und ist meistens von Wasser bedeckt. Ansonsten ist darauf die Jahreszahl 1544 zu sehen sowie ein Steinmetzzeichen, das ein kleines Segelschiff darstellen mag. Der Stein erinnert an eine Baumaßnahme der Gräfin Anna von Oldenburg, die mit dem regierenden Grafen Ostfrieslands, Enno II. aus dem Hause Cirksena, verheiratet war. Nach dem frühen Tod Ennos übernahm sie die Vormundschaftregentschaft für ihre noch unmündigen Kinder, die Erben Ennos.
Stein eigentlich am falschen Platz
Der Stein, der an Gräfin Annas Anordnung erinnert, ist also eigentlich falsch platziert, weil er auf die Seite der Bonnesse gehören würde und dort auch besser präsentiert werden könnte, wie diese Zeitung 1982 schrieb. Dennoch war er demnach 1945 nach der Zerstörung Emdens wieder in die Kaiung der Osterbutvenne eingemauert worden. So fristet er weiterhin ein unbeachtetes Dasein, da der Hafen seit Anfang des 20. Jahrhunderts tideunabhängig ist. Selbst dem Stadtarchivar ist der Stein nach eigenen Angaben nicht mehr bekannt.
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