Politik

Auricher Kreistag bekommt einen neuen Chef

| | 28.09.2021 17:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Kreistags-Vorsitzende Erwin Sell musste auch Glücksfee spielen, denn in manchen Fällen entscheidet über Ausschusssitze das Los. Fotos: Archiv/Luppen
Der Kreistags-Vorsitzende Erwin Sell musste auch Glücksfee spielen, denn in manchen Fällen entscheidet über Ausschusssitze das Los. Fotos: Archiv/Luppen
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Seit 2016 ist Erwin Sell aus Hage Vorsitzender des Auricher Kreistags. Er würde gerne weitermachen, doch als neuer Bürgermeister muss er das Gremium verlassen. Zum Abschied macht er einen Vorschlag.

Aurich/Hage - Geduld, Ruhe und Weitsicht: Diese Eigenschaften brauche ein Kreistags-Vorsitzender, sagt Erwin Sell. Der 57-jährige SPD-Abgeordnete gibt das Amt nach fünf Jahren schweren Herzens ab, denn er ist zum hauptamtlichen Bürgermeister der Samtgemeinde Hage gewählt worden. Daher scheidet er aus dem Kreistag aus. Für ihn rückt Fabian Schiffmann (22), Student aus Großheide, nach.

Seit 2016 hat Sell die Sitzungen des Kreistags geleitet. Der Noch-Vorsitzende erinnert sich an einige turbulente Sitzungen und hitzige Wortgefechte. „Man hat es mit unterschiedlichen Menschen zu tun, die ihrem Unmut freien Lauf lassen“, sagt Sell. „Darauf muss man sich einstellen.“ Da sei Fingerspitzengefühl gefragt. „Mir hat das immer sehr viel Freude bereitet“, sagt der Sozialdemokrat, der dem Kreistag seit zehn Jahren angehört. „Das werde ich vermissen.“

„Man muss sich in die Augen gucken können“

Klar, es sei manchmal laut geworden, erinnert sich der Hager. Manchmal habe er auch durchgreifen müssen. Aber: „Wir sind unterm Strich eigentlich alle miteinander ausgekommen. Man muss sich immer noch in die Augen gucken können.“ Er kenne seine Pappenheimer. „Richtig zur Weißglut gebracht hat mich keiner. Jeder arbeitet anders, der eine mit mehr Dampf, der andere mit weniger.“ Wirklich nahegegangen sei ihm eine Sitzung vor zwei Jahren: als er den damaligen Landrat Harm-Uwe Weber (SPD) verabschiedete. „Das war eine drückende Stimmung.“

Im Oktober 2019 verabschiedete Erwin Sell (links) Landrat Harm-Uwe Weber und dessen Ehefrau Barbara.
Im Oktober 2019 verabschiedete Erwin Sell (links) Landrat Harm-Uwe Weber und dessen Ehefrau Barbara.

Zum Abschied macht Sell einen Vorschlag: Der Kreistag möge über eine weitere Begrenzung der Redezeit nachdenken, womöglich gestaffelt nach Fraktionsgröße. Wenn jede Fraktion zu jedem Tagesordnungspunkt fünf Minuten sprechen dürfe, sei das zu viel. „Wir sind Feierabendpolitiker.“ Die Themen seien zuvor in den Ausschüssen besprochen worden, die Argumente seien ausgetauscht. „Da muss man nicht jedes Mal ein Fass aufmachen.“

Einzelkämpfer planen Kooperationen

Der alte Kreistag kommt an diesem Donnerstag um 15 Uhr in der Alten Schmiede in Middels zu seiner vorletzten Sitzung zusammen, zum vorletzten Mal mit Erwin Sell als Vorsitzendem. Wer in der neuen Wahlperiode ab dem 1. November den Vorsitz übernimmt, ist offen. Das Vorschlagsrecht liegt bei der größten Fraktion, der SPD.

Unterdessen führen einige Abgeordnete des neuen Kreistags Gespräche über Kooperationen. Dem Gremium gehören sechs Einzelkämpfer an: Matthias Trauernicht (Unabhängige Wählergemeinschaft, Ihlow), Blanka Seelgen (Die Linke), Hans-Gerd Meyerholz (Wählergemeinschaft Gemeinsam für Aurich), Hilde Ubben (Auricher Wählergemeinschaft), Johann Wienbeuker (Soziale Wählergemeinschaft Krummhörn) und Heinrich Ubben (Wählergemeinschaft Moin, Brookmerland).

„Das ist ein sehr mühsames Geschäft“

Einzelmitglieder haben nur eingeschränkte Rechte. Sie haben in den Ausschusssitzungen kein Stimmrecht und nur in einem Ausschuss Rederecht. „Das ist ein sehr mühsames Geschäft“, sagt Hans-Gerd Meyerholz, der das einige Monate lang gemacht hat, ehe er sich mit den beiden abtrünnigen Grünen-Abgeordneten Petra Wirsik und Agnes Bracklo zu einer Gruppe zusammenschloss. Wirsik und Bracklo werden dem neuen Kreistag nicht angehören. Meyerholz ist offen für andere Kooperationen. „Ich bin zur Zusammenarbeit mit Demokraten immer bereit.“

Schon jetzt steht fest, dass Hilde Ubben und Johann Wienbeuker erneut zusammenarbeiten werden. Ob weitere Mitglieder zu der Gruppe kommen, ist noch nicht geklärt, wie beide der Redaktion mitteilten. Auch die Linken-Politikerin Blanka Seelgen führt Gespräche über Kooperationen. Die Auricherin stört sich am Einzelkämpferdasein jedoch nicht so sehr wie Meyerholz. Entscheidend sei für sie, dass sie im Kreistag Rede- und Stimmrecht hat. Neuling Matthias Trauernicht sucht definitiv Verbündete. Gespräche habe er aber noch nicht geführt.

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