Stadtentwicklung Norden
„Tor zum Meer“ soll wieder grün werden
Der alte Slogan der Stadt Norden – Grünes Tor zum Meer – soll wieder mit Leben gefüllt werden. Die Stadt will mehr Bäume pflanzen.
Norden / HEJ - Die historischen Aufnahmen, die Fachdienstleiter Bernd Kumstel jüngst den Ausschussmitgliedern der Stadt Norden zeigte, machten deutlich, weshalb die Stadt in der Vergangenheit als „das grüne Tor zum Meer“ bezeichnet wurde. Alle großen Ein- und Ausfallstraßen waren von kräftigen Bäumen gesäumt. Heute findet sich weder in der Bahnhof- noch an der Norddeicher Straße ein Straßenbaum, selbst die Alleestraße ist kahl. Das soll sich allerdings ändern. Der städtische Fachdienst möchte den alten Slogan zum Leitbild für die zukünftige Entwicklung machen.
Im Ausschuss für Umwelt, Energie und Verkehr legte der Fachdienst dazu ein umfassendes Konzept vor, wie sich das urbane Grün, Natur und Landschaft in Norden in den kommenden Jahrzehnten fortentwickeln sollen. Auf mehr als 80 Seiten erfährt das Stadtgrün in der Fortschreibung des Stadtentwicklungskonzeptes damit erstmals die Bedeutung, die es nach Ansicht von Bernd Kumstel längst verdient hat. Auf Grundlage einer umfassenden Bestandsaufnahme sowie einer Stärken- und Schwächenanalyse hat der Fachdienst Leitlinien entwickelt und spricht Handlungsempfehlungen aus.
Langfristige Planung
„Das lässt sich natürlich nicht von heute auf morgen umsetzen“, so Kumstel zu den Zielen. Es werde Jahrzehnte brauchen, um die Stadt Schritt für Schritt grüner zu machen sowie Artenvielfalt und Biodiversität zu erhöhen. Aber es lohne sich. Stadtgrün habe vielfältige Funktionen. Kumstel: „Das lässt sich herunterbrechen bis auf die Gesundheit.“ Bäume, Büsche und Beete sorgen für mildere Temperaturen in der Stadt und insgesamt ein besseres Stadtklima, sie filtern Feinstaub oder mindern Lärmbelästigungen. In ihrem Vortrag vor dem Ausschuss gingen Kumstel und seine Kollegin Tina Walther auf drei Bereiche besonders ein: Straßenbäume, öffentliche Grünanlagen und private Gärten.
Etwa 24.000 städtische Bäume – überwiegend Linden – gibt es derzeit in Norden. 14.000 von ihnen stehen an Straßen. „Das macht aber nur 25 Prozent des Netzes aus“, so Tina Walther. „Daraus folgt, dass 75 Prozent der Straßen ohne Baumbestand sind.“ Hier bestehe Aufwertungsbedarf. Insbesondere die Ortseingänge sollten auf Vorschlag des Fachdienstes wieder begrünt werden. Das erhöhe nicht nur Attraktivität und Aufenthaltsqualität in den Straßen, sondern könne im Fall der Norddeicher Straße auch dazu führen, dass Autofahrer das Tempo drosseln und die Straße für den Durchgangsverkehr unattraktiv wird.
Maßnahmen zur Erhöhung der Artenvielfalt
Aber auch an anderer Stelle in der Stadt kann in Sachen Straßenbegleitgrün nachgebessert werden. Bei Sanierungsmaßnahmen soll beispielsweise künftig geprüft werden, ob zusätzliche Bäume gepflanzt oder, wenn welche vorhanden sind, wie deren Standorte verbessert werden können. Um die Artenvielfalt zu erhöhen hat der Fachdienst bereits Maßnahmen ergriffen, wie Bernd Kumstel erläuterte. Bei der Bepflanzung in den städtischen Grünanlagen werden darauf geachtet, insektenfreundliche Stauden und Frühjahrsblüher zu pflanzen, alte und auch abgestorbene Bäume würden erhalten, um Tieren einen Lebens- und Rückzugsraum zu erhalten. Und es werde nicht mehr immer und überall gemäht, verwies er auf die Blühwiese am ZOB. „Das sieht dann vielleicht mal nicht so schier aus“, so Kumstel. Dafür erhöhe man die Struktur- und Artenvielfalt. Wer es ernst meine mit Umwelt-, Natur- und Klimaschutz, müsse das auch aushalten können.
Insgesamt gibt es in der Stadt nach den Worten von Kumstel und Walther nicht in allen Wohngebieten die gleiche Anzahl und Qualität an öffentlichen Grünflächen, weshalb bei der Ausweisung neuer Baugebiete künftig verstärkt darauf geachtet werden solle, so ihre Empfehlung. Eine große Bedeutung misst der Fachdienst bei der Entwicklung des Stadtgrüns den privaten Gärten zu. Diese nehmen in Norden eine Gesamtfläche von über 800 Hektar ein. „Hier gibt es das größte Potenzial“, machte Kumstel deutlich. Allerdings sei seit Jahren ein Trend zur Versiegelung zu beobachten. Die Bebauung mit Einzelhäusern nehme ab, die Grundstücke würden mit Mehrparteienhäusern bebaut. Gärten und Vorgärten würden zu Stellplätzen, Schuppen, Terrassen und anderen umgebaut. Der Wunsch vieler Menschen nach einem vermeintlich pflegeleichten Garten habe zu einer Zunahme von Kies- und Schotterbeeten geführt.
Hier müssten die Gartenbesitzer stärker sensibilisiert werden. Aber auch über Regelungen in der Bauleitplanung sowie möglicherweise über eine Vorgartensatzung könne eventuell Fehlentwicklungen gegengesteuert werden. Das große Ziel aller Maßnahmen ist ein Biotopverbund – ein grünes Netz – das die innerstädtischen Grünflächen und Gärten mit der offenen Landschaft und den zahlreichen in und um Norden Schutzgebieten verbindet. „Da hat die Stadt eine Spitzenposition“, sagte Tina Walther. 35 Prozent des gesamten Stadtgebietes haben einen Schutzstatus.