Soziales

150 Kita-Plätze fehlen noch in Emden

| | 30.09.2021 17:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Laut Gesetz haben Kinder ein Anrecht auf einen Kita-Platz. In Emden können aber nicht alle versorgt werden. Archivfoto: dpa
Laut Gesetz haben Kinder ein Anrecht auf einen Kita-Platz. In Emden können aber nicht alle versorgt werden. Archivfoto: dpa
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Im vergangenen Jahr fehlten 200 Kita-Plätze in Emden. Jetzt sind es noch 150 unversorgte Kinder. Ob der Bedarf im kommenden Jahr gedeckt werden kann, hängt auch von der Baubranche ab.

Emden - Noch immer haben in Emden nicht alle Kinder einen Kita-Platz. Nach dem zweiten Online-Anmelde-Verfahren seien 751 Verträge zwischen Eltern und Einrichtungen geschlossen worden, berichtete Renate Bonn-Sommer im Jugendhilfeausschuss des Emder Rates am Mittwoch. Sie ist bei der Stadt zuständig für die Kita-Planung. Auf der Warteliste stünden demnach noch 151 Mädchen und Jungen. 69 davon brauchen einen Krippenplatz, 73 wollen in die Kita und neun in den Hort. Herausgerechnet seien dabei schon diejenigen Kinder, deren Eltern den Platz abgelehnt hatten, aus anderen Kommunen stammten oder ihren Platz nicht bestätigt hatten.

„Es geht hier um die Kinder, die definitiv unversorgt sind“, erklärte Bonn-Sommer. Und das betreffe insbesondere Kinder aus den Stadtteilen Barenburg, Borssum, Port Arthur/Transvaal und Stadtzentrum. Insbesondere die erst genannten Stadtteile gelten als kinderstark, gleichzeitig weisen sie einen relativ großen Anteil an Menschen auf, die Sozialhilfe empfangen. Geplante Kitas sollen insbesondere dort entstehen. Die Ausbauplanung der Stadt gemeinsam mit freien Trägern ist ehrgeizig. Die Hoffnung der Verwaltung sei es, im kommenden Jahr durch die neuen Einrichtungen den Bedarf ganz decken zu können, so Thomas Sprengelmeyer, Leiter des Fachbereichs Jugend, Schule und Sport.

Das ist die Ausbauplanung

Fünf Einrichtungen sind noch in der Entstehung, im Umbau oder in der Planung. Zum einen ist das die Kita der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im ehemaligen Falkenhorst am Wall, die schon fast bezugsfertig ist. Laut Jörg Christians, Leiter des Fachdienstes Kinder und Familie, sollen Mitte/Ende Oktober das Außengelände fertig sein und im November die Spielgeräte kommen. Zuletzt hatte es Lieferschwierigkeiten gegeben. Auch der Fund von menschlichen Gebeinen hatte die Arbeiten verzögert. Die Knochen stammen vermutlich von einem Armenfriedhof, den es dort im 18. Jahrhundert gegeben haben soll. Im Erdgeschoss werden die Räume für die Krippe eingerichtet, in der künftig 15 Mädchen und Jungen unter drei Jahren betreut werden. Im Obergeschoss zieht eine Kindergartengruppe mit 23 Drei- bis Sechsjährigen ein. Die Einrichtung ist ein Ersatz für die Awo-Kita am Wasserturm, die schließen musste, weil sie den Brandschutz nicht gewährleisten konnte.

Im Ortsteil Friesland ist das Kinnerhuus Middenmang der Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH (OBW) fast fertig. Lieferschwierigkeiten von Baumaterial hatten den ursprünglichen Eröffnungstermin nach hinten verschoben. Die Kinder, die dort schon zum aktuellen Kita-Jahr untergebracht werden sollten, werden in anderen Räumen der OBW in direkter Nähe betreut. Drei Krippengruppen á 15 Plätze (null bis drei Jahre), eine Integrationsgruppe mit 18 Plätzen (drei bis sechs Jahre) sowie eine heilpädagogische Gruppe mit acht Plätzen (drei bis sechs Jahre) sind in der neuen Einrichtung. Die geplante Eröffnung einer anderen OBW-Kita, die am Stadtwald im Ortsteil Harsweg entstehen soll, ist für August 2022 angesetzt. In dem Neubau sollen ebenso viele Kinder in der genannten Aufteilung untergebracht werden, wie in Friesland. Emden hat dann zwei Kitas mit heilpädagogischen Gruppen. Zuvor hatte es keine gegeben. Kinder mit besonderem Förderbedarf hatten nach Aurich oder Leer gebracht werden müssen.

Kita für Baugebiet Conrebbersweg-West noch nicht in Planung

Auch im Ortsteil Barenburg soll im August kommenden Jahres die Kita Grüner Baum unter der Trägerschaft der Johanniter öffnen. Die Planungen seien abgeschlossen, der Bauantrag liege vor und das Grundstück sei bereits gekauft, so Christians. Drei Krippengruppen mit jeweils 15 Kindern, eine Regelgruppe mit 25 Plätzen für Drei- bis Sechsjährige sowie eine Integrationsgruppe mit 18 Plätzen entstehen dann dort. In Constantia West soll eine Kita der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Larrelt ausgebaut und um eine Ganztagsgruppe mit 25 Plätzen erweitert werden. Die Planung sei im Wesentlichen abgeschlossen, so Christians. Der Bauantrag werde derzeit vorbereitet. Es hatte Verzögerungen im Ablauf gegeben, weil eine Bestandsküche unplanmäßig doch den neuen Kapazitäten angepasst werden müsse.

Auf Nachfrage von André Göring, der für die Grünen im Ausschuss ist, erklärte Thomas Sprengelmeyer, dass für das geplante Baugebiet Conrebbersweg-West noch keine Kita in Planung sei. Nach ersten Hochrechnungen müsse eine „Riesen-Kita“ gebaut werden. Die Rechnungen hätten sich aber längst wieder verworfen, der Bedarf sei derzeit schlecht abzuschätzen. Man wolle nun abwarten, bis das Gebiet tatsächlich bebaut werde und dann schauen, wie viele Kita-Plätze man vorhalten müsse. Erst dann wolle man auch schauen, ob und wie die naheliegende Früchteburgschule erweitert werden müsse.

Auch betonte Göring, die Stadt solle schauen, dass langfristig der Kita-Platz-Bedarf gedeckt und man nicht wieder von Anmeldezahlen überrumpelt werde. So einfach sei das nicht, meinte Sprengelmeyer. Wenn Bund oder Land plötzlich andere Regelungen für Kitas erlassen würden – etwa, dass in Gruppen nur noch 18 statt 25 Kinder untergebracht werden dürften –, „hätten wir ein Riesen-Problem“. Gleichzeitig betonte er, dass man bei der Kita-Planung nie die Hände in den Schoß legen dürfe. Wenn 2022 der Ausbau so weit abgeschlossen sei, müssen dann ältere Kitas ertüchtigt werden, betonte auch Albert Ohling (CDU). „Es hört nie auf“, bestätigte Sprengelmeyer.

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