Justiz

Hochzeitsgäste prügelten mit Baseballschlägern aufeinander ein

| | 30.09.2021 16:27 Uhr | 4 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Im „Metadrom“ in Ulbargen soll eine Hochzeitsfeier eskaliert sein. Foto: Archiv
Im „Metadrom“ in Ulbargen soll eine Hochzeitsfeier eskaliert sein. Foto: Archiv
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Im Juni 2019 lief eine Hochzeitsfeier in Ulbargen völlig aus dem Ruder. Das Ergebnis des Familienstreits: mehrere Verletzte. Drei Männer stehen nun wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht.

Aurich/Ulbargen - Heftiger Zoff und der mutmaßliche Einsatz von Baseballschlägern haben im Juni 2019 eine Hochzeit im „Metadrom“ in Ulbargen (Gemeinde Großefehn) aus dem Ruder laufen lassen. Es gab mehrere Verletzte, die im Krankenhaus behandelt werden mussten. Am Donnerstag versuchte das Auricher Schöffengericht, Licht ins Dunkel der damaligen Vorkommnisse zu bringen.

Das gelang nur bedingt: Sieben der neun geladenen Zeugen kamen nicht, so dass die Verhandlung an einem weiteren Termin fortgesetzt werden muss. Den ferngebliebenen Zeugen wurde jeweils ein Ordnungsgeld von 150 Euro, ersatzweise drei Tage Ordnungshaft, auferlegt.

Drei Brüder müssen sich verantworten

Die drei angeklagten Brüder – ein 33-jähriger Leeraner und zwei Auricher im Alter von 27 und 37 Jahren – haben abgestritten, bei der familiären Auseinandersetzung zugeschlagen zu haben. Sie müssen sich wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung verantworten.

Laut Anklageschrift sollen sie eine Cousine mit einem Baseballschläger bewusstlos geschlagen und auf die am Boden Liegende eingetreten haben. Ihr zu Hilfe geeilter Vater wurde, so der Tatvorwurf, auf dieselbe Art zu Boden gestreckt. Einer weiteren Frau sollen Schläge und Tritte zugefügt und ein Ohrring herausgerissen worden sein. Zwei der Angegriffenen flohen in ein Auto. Bevor sie wegfahren konnten, sollen zwei der Angeklagten mit Baseballschlägern auf das Fahrzeug eingedroschen haben, so dass ein Sachschaden von 5000 Euro entstand.

400 bis 500 Gäste waren anwesend

„Wir haben versucht, alle zu trennen, damit die Hochzeit nicht versaut wird“, ließ sich der 33-jährige Angeklagte ein. Schließlich habe er die Cousine und ihren Mann ins Auto verfrachtet und gesagt „Haut ab, bevor es eskaliert“. Es seien „400 bis 500 Gäste“ anwesend gewesen – „da weiß man nicht, was passiert“, meinte er. Es habe sich um einen Familienstreit zwischen zwei Cousinen gehandelt.

Der 27-Jährige erklärte, es habe einen Streit zwischen zwei Onkel gegeben. Dann seien alle rausgelaufen. Baseballschläger habe er keine gesehen. Er räumte ein, mit der bloßen Hand auf die Motorhaube gehauen zu haben. „Sie sollten abhauen“, sagte er. Beide beteuerten, die Verwandten nicht geschlagen zu haben.

„Das ist kein Gesprächskreis mit einer Kerze in der Mitte“

Ihre weitschweifigen Angaben erzürnten den Vorsitzenden Richter Dr. Markus Gralla: „Das ist kein Gesprächskreis mit einer Kerze in der Mitte, wo jeder etwas über die Familie erzählt, sondern ein Strafprozess.“ Als Zeugen wurden die geschädigten Cousinen der Angeklagten gehört. Die 28-Jährige aus Schleswig-Holstein nannte den Anlass der Auseinandersetzungen: „Ich bin mit einem italienischen Mann verheiratet und meine Verwandtschaft ist dagegen.“

Gegen 20 Uhr seien sie gewarnt worden, sie sollten die Feier verlassen. Draußen seien sie „von 20 Menschen, unter anderem meinen Cousins, mit Baseballschlägern und anderen Waffen“ angegriffen worden. Man habe sie als „Schlampe, Hure“ und „du bist ’ne Schande“ beleidigt. Zusammen mit ihrem Mann sei es ihr gelungen, mit dem beschädigten Auto abzuhauen. Ihre Schwester habe eine Gehirnerschütterung und ihr Vater einen Kieferbruch erlitten.

Nach Angaben der Schwester hat nur der jüngste Angeklagte nicht zugeschlagen: „Er wollte sie trennen“, erklärte die 38-Jährige. Sie sei nach einem Schlag bewusstlos geworden. „Ich habe gedacht, ich sterbe“, sagte sie. Der Prozess wird am Donnerstag, 21. Oktober, um 13.30 Uhr fortgesetzt.

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