In Hollen soll bald ein neues Feuerwehrhaus entstehen. Bei Ausgrabungen auf dem Gelände wurden unter anderem mittelalterliche Keramiken gefunden.
Uplengen - Dort, wo in Hollen bald das neue Feuerwehrhaus entstehen soll, haben sich bereits im Mittelalter Menschen angesiedelt. Bei den jüngsten Ausgrabungen der Ostfriesischen Landschaft wurden in Hollen unter anderem mittelalterliche Keramiken und sieben Brunnenanlagen aus dem 17. Jahrhundert gefunden. Auf dem Areal an der Ecke Hollener Landstraße und Zum Sportplatz, sollen noch in diesem Jahr Bodenarbeiten für das neue Feuerwehrhaus beginnen. Bevor die Fläche versiegelt wird, wurde von Mai bis August dieses Jahres nach Zeugnissen alter Zeiten gegraben. „Vor dem Bau kommt die Archäologie“, sagte Dr. Jan Kegler von der Ostfriesischen Landschaft und betonte die gute Zusammenarbeit mit Uplengen. Nach dem Verursacherprinzip trägt derjenige, der auf einer Fläche ein Bauvorhaben plant, die Kosten für die Ausgrabungen. In diesem Fall die Gemeinde Uplengen.
Was und warum
Darum geht es: Archäologische Funde bei Ausgrabungen in Hollen deuten auf mittelalterliches Leben hin.
Vor allem interessant für: Geschichtsinteressierte
Deshalb berichten wir: Wo bald ein Feuerwehrhaus steht, fanden archäologische Ausgrabungen statt. Uns hat interessiert, was dort gefunden wurde.
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„Wenn in Ostfriesland gebaut wird, werden wir gefragt, ob auf dem jeweiligen Grundstück Altertümer liegen“, so Kegler. Der Archäologe vermutete, auf der Fläche Reste einer Burganlage zu finden. Diese Annahme sollte sich bewahrheiten. Auf dem vorderen Teil der Grundstücksfläche, nahe der Hollener Landstraße, habe im 17. Jahrhundert ein Gehöft gestanden, erklärt Kegler. „Hier haben wir sieben Brunnenanlagen gefunden“, so der Archäologe. „Der tiefste dieser neuzeitlichen Brunnen betrug eine Tiefe von drei Metern“, ergänzt die verantwortliche Grabungsleiterin, Amelie Mohrs. Die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert stellt den Beginn der Neuzeit dar und reicht bis in die Gegenwart. Die Brunnen bestünden aus verschiedenen Bauabschnitten. So trat in einem der Brunnen ein Wagenrad ohne Speichen zutage, das dem Unterbau des Brunnens gedient haben solle.
Hohe Grundwasserstände sorgen für guten Holzerhalt
Dr. Jan Kegler zeigt den Gemeindevertretern die Überreste eines mittelalterlichen Kugeltopfes. Foto: Kraft
Klassische ostfriesische Brunnen seien auf Torfböden gebaut, so Kegler. Wasser sei für Gehöfte, allein aus Brandschutzgründen, überlebenswichtig gewesen. „Wir haben in Ostfriesland hohe Grundwasserstände, die super für die Holzerhaltung sind“, erklärt der Archäologe. „Was interessiert mich da Silber und Gold?“, sagt der Archäologe und lacht. Kollegen aus anderen Regionen seien fast neidisch, wenn Kegler ihnen von den guten Zuständen seiner Holzfundstücke berichte. Diese seien sehr aufschlussreich. „Wir können den Leuten dadurch erzählen, was die Handwerker in ländlichen Regionen früher geleistet haben.“ Holzpfosten, die vergehen, würden im Boden dunkle Stellen hinterlassen, sagt Kegler. Auf Oberflächenbildern des Hollener Geländes konnten Kegler und Mohrs Grabenanlagen erkennen, die auf eine landwirtschaftliche Nutzung hindeuteten.
Ein Wagenrad, das dem Bau eines Brunnen gedient hat, blieb durch ausgezeichnete Bodenverhältnisse gut erhalten. Foto: Ostfriesische Landschaft
Auf dem hinteren Teil des Areals habe eine Burganlage aus dem Hoch- und Spätmittelalter gestanden. Kegler schätze sie auf das 12. und 13. Jahrhundert. Dabei handele es sich um eine klassische ostfriesische Konstruktion auf einer Fläche von zehn mal 15 Metern. Die Burg habe aus einem massiven Mauerwerk bestanden, sei drei- bis viergeschossig hoch gewesen und sei von einem Kreuzgewölbe getragen worden. „Sie war ein Ausdruck von Macht und Repräsentation“, erklärt der Archäologe. In der Grab- und Wallanlage der Burg seien einige Keramiken zu finden gewesen. Eine davon ist der obere, abgebrochene Teil eines Kugeltopfes aus dem 13. Jahrhundert. „So etwas habe ich hier nie vermutet“, zeigt sich Heinz Trauernicht, der Bürgermeister von Uplengen, erstaunt. „Kugeltöpfe waren klassische Koch- und Aufbewahrungsgefäße“, so Kegler.
Die Vertreter der Gemeinde freuten sich über die Ausgrabungsfunde: (von links) Hinrich Becker, Leiter des Fachbereiches Bauen und Umwelt der Gemeinde Uplengen, Dr. Jan Kegler und Amelie Mohrs von der Ostfriesischen Landschaft, Ratsmitglied Ulrich de Buhr und Bürgermeister Heinz Trauernicht. Foto: Kraft
Sie sollen auch dazu gedient haben, Ernteerträge ins Haus zu tragen. In ihrer Größe würden sie stark variieren. Den Ton mischten die Menschen im Mittelalter mit zerschlagenem Granitstein an, was die Masse besser zusammenhielt. Auf dem Hollener Fund zeigen Fingerstriche noch Spuren der Herstellung. „Wenn wir unsere Gemeinde modernisieren, dürfen wir die Vergangenheit nicht vergessen“, sagt Ratsherr Ulrich de Buhr. Archäologische Ausgrabungen seien jedoch nichts anderes als Zerstörung des jeweiligen Ensembles, so Kegler. „Die Funde, die wir machen, müssen wir ja aus der Erde herausnehmen.“ Das müsse aber Grenzen haben. „Wir dürfen es nicht übertreiben“, mahnt der Archäologe. „Für die neueren Methoden unserer nachfolgenden Generationen müssen wir schließlich noch Gegenstände im Boden zurücklassen“, so Kegler. Für ihn folge aber erstmal die Inventarisierung der Funde aus Hollen. Die wolle er der Nachwelt in einem umfassenden Abschlussbericht hinterlassen.