Bildung
Emder Schülergruppe plant neue Weltraum-Mission
Fünf Jugendliche eines Emder Gymnasiums haben den Rand des Weltraums erkundet und neben Messdaten spektakuläre Bilder zur Erde gebracht. Die Mission soll wiederholt werden – unter neuen Vorzeichen.
Emden - Es war ein Moment, in dem es keinen großen Unterschied mehr gab zwischen Lehrer und Schüler. So schildert es Rainer Ellmann-Bahr, Erdkundelehrer am Emder Max-Windmüller-Gymnasium (Max) und Ideengeber für ein besonderes Schulprojekt. „Wir waren auf Augenhöhe und alle einfach nur sehr nervös“, erinnert er sich. Am Sonntag, 18. Juli, standen Ellmann-Bahr, sein Kollege Artur Kasperczyk und fünf Jugendliche auf einem Feld im Saterland. Bangend schauten sie gen Himmel und auf ihre Geräte. Gut vier Stunden zuvor hatten sie vom Schulhof in Emden eine Sonde samt Mini-Astronauten aus Lego Richtung Weltraum befördert. Den Flug hatten sie per Funksignal verfolgt. Doch auf dem Rückweg war der Kontakt zur Sonde abgerissen. Alle Daten drohten verloren zu gehen.
Was und warum
Darum geht es: ein gutes Beispiel, wie ein Projekt Schüler und Lehrer zusammenschweißen kann und bei den Jugendlichen Interesse an Fächern wie Physik und Erdkunde weckt
Vor allem interessant für: Lehrer, Eltern und Schüler sowie Leute, die sich für Naturwissenschaften begeistern können
Deshalb berichten wir: Über einen Bericht der Schule hatten wir von der Mission erfahren. In der Redaktion haben wir uns gefragt, was aus dem Projekt geworden ist und ob es wiederholt wird. Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de
Nach 20 Minuten kehrte das Signal wieder. Die Sonde, deren Fall aus mehr als 40 Kilometern Höhe in einer Baumkrone endete, konnte von den Jugendlichen geborgen und die gesammelten Daten ausgewertet werden. Mission geglückt. Läuft alles nach Plan, soll es in diesem Schuljahr den nächsten Start geben. „Wir wollen es auf jeden Fall wiederholen“, sagt Ellmann-Bahr, den die Eindrücke und Erlebnisse überzeugt haben.
Begeisterung für Naturwissenschaften
Über Wochen hatten eine fünfköpfige Schülergruppe den Ausflug an den Rand des Weltalls vorbereitet. Die Schüler – zwei Jungen aus dem siebten und drei Mädchen aus dem achten Jahrgang – waren zuvor von ihren Erdkunde- beziehungsweise Physik- und Informatiklehrern angesprochen worden. Das Ziel: besonders interessierte Jugendliche mit einem Experiment weiter für Naturwissenschaften begeistern.
Mit der Hilfe des Fördervereins der Schule, der die Weltraum-Mission mit rund 1500 Euro unterstützte, wurde die Ausrüstung gekauft. Darunter: eine Sonde aus Styropor, eine Kamera, Messinstrumente und ein Ballon samt Helium, der den Bausatz steigen lassen sollte. Die Jugendlichen waren bei allem eingebunden. Sie brachten nicht nur die Technik zum Laufen, sondern mussten sich auch mit den unterschiedlichen Wind-, Luftdruck- und Temperaturverhältnissen auseinandersetzen.
Video zur Weltraum-Mission
Von ihrem Ausflug Richtung All haben sie neben eindrucksvollen Fotos etliche Daten mitgebracht, die gemeinsam ausgewertet wurden. Die fast fünfstündigen Bild- und Tonaufnahmen der Kamera sollen nach den Herbstferien zu einem Video zusammengeschnitten werden. „Praxisnäher geht es nicht“, findet Ellmann-Bahr.
Das Wissen, das sie bei ihrer ersten Mission gesammelt haben, sollen die Schülerinnen und Schüler weitergeben. Geplant ist, so der 42-jährige Pädagoge, dass sie als Mentoren in einem Folgeprojekt Mitschüler anleiten und noch mehr Verantwortung übernehmen. Zum Beispiel sollen sie dieses Mal selbst die Flugerlaubnis bei der Luftfahrtbehörde und beim Flugplatz einholen.
Laut dem Lehrer hätten alle fünf zugesagt, bei der nächsten Mission wieder mit an Bord zu sein. „Wir waren zusammen fast im Weltall, das schweißt zusammen“, sagt Ellmann-Bahr lachend.