Auf Störtebekers Spuren

Warum ist Emden eigentlich keine Hansestadt?

| | 01.10.2021 12:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Das Bild zeigt den Emder Ratsdelft um 1790, in der Blütezeit der Stadt.
Das Bild zeigt den Emder Ratsdelft um 1790, in der Blütezeit der Stadt.
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In Deutschland führen mehr als 25 Städte den Beinamen „Hansestadt“ als historisch wichtige Handelsstädte. Emden galt einst als größte Hafenstadt Nordwesteuropas. Warum fehlt ihr der Zusatzname?

Emden - Hansestadt Emden: Das klingt nach Handelsmacht. Denn: Die Hanse war zwischen Mitte des 12. Jahrhunderts und Mitte des 17. Jahrhunderts eine Vereinigung von hauptsächlich norddeutschen Kaufleuten mit starkem wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Einfluss. Doch anders als Hamburg, Bremen, Lübeck und rund 25 andere Städte in Deutschland heute trägt Emden den Beinamen nicht. Die Seehafenstadt war nämlich nie ein Mitglied der Hanse. Das erklärt Emdens Stadtarchivar Dr. Rolf Uphoff. Er listet allein drei Gründe auf, die es unmöglich machten.

Die Karte zeigt Alt-Emden um 1550.
Die Karte zeigt Alt-Emden um 1550.

Die drei Hauptgründe

Zum einen hatte Emden lange Zeit keine Stadtrechte. Der Hafenort erhielt zwar 1459 das Wappen das Engelke up de Muer (Engelchen auf der Mauer), das noch heute gilt. Emden war zu der Zeit aber von hanseatischen Streitkräften insbesondere aus Hamburg besetzt. Die starke Hansestadt an der Elbe wollte Häuptlingen in Emden und Ostfriesland Einhalt gebieten und sie daran hindern, Freibeutern wie dem legendären Klaus Störtebeker Unterschlupf zu bieten. Die Piraten griffen zum Teil im Schutz und im Auftrag der Häuptlinge auch Handelsschiffe der Hanse an. Emden war unter den Hamburgern eine Art Kolonie, so Uphoff.

Die Auseinandersetzung mit Emden wurde der Hanse aber schließlich zu teuer. Sie übergaben Ulrich Cirksena aus dem gleichnamigen Häuptlingsgeschlecht die Rechte auf Emden, ein städtisches Gemeinwesen mit einer Ratsverfassung nach hanseatischem Vorbild entstand. Ein Stadtrecht hatte „Embden“ aber weiterhin nicht. Wegen des schlechten Verhältnisses zu Hamburg war es ohnehin schlicht unlogisch, so der Stadtarchivar, Emden in die Hanse aufzunehmen. Auch wurde Emden erst im 16. Jahrhundert die größte Hafenstadt Nordwesteuropas, als die Hanse selbst schon schwächelte und eine Mitgliedschaft für die Emder nicht mehr sinnvoll war. Mit Unterstützung der Niederländer wurde die Stadt dann quasiautonom.

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