Einzelhandel
Aurich sucht Verbündete für verkaufsoffene Sonntage
Erneut hat die Gewerkschaft Verdi Pläne für einen verkaufsoffenen Sonntag in Aurich durchkreuzt. Der Kaufmännische Verein sucht nun Verbündete in ganz Ostfriesland. Die Reaktionen sind gemischt.
Aurich/Leer - Verkaufsoffene Sonntage sind ein Reizthema. Immer wieder werden sie von der Gewerkschaft Verdi verhindert oder eingeschränkt, weil diese keinen ausreichenden Anlass sieht. Nach dem Ladenöffnungsgesetz muss ein besonderer Anlass vorliegen, der den zeitlichen und örtlichen Umfang der Sonntagsöffnung rechtfertigt. Der Kaufmännische Verein Aurich (KV) will sich nun mit Kollegen aus ganz Ostfriesland austauschen und Lösungen suchen.
Der KV-Vorsitzende Udo Hippen hat am Freitag angekündigt, Vertreter von Kaufmannschaften und Gewerbevereinen aller Städte und Gemeinden für November nach Aurich einzuladen, „um das Kirchturmdenken aufzubrechen und die Kräfte zu bündeln“. Ob Emden, Leer, Ihlow oder Großefehn: „Alle haben mit dem gleichen Problem zu kämpfen.“ Er wolle eine „Strategie entwickeln, wie man dem gemeinsam begegnet“, so Hippen. Wenn sich die gesamte ostfriesische Kaufmannschaft an Verdi und die Landesregierung wende, könne man vielleicht etwas bewirken. Verkaufsoffene Sonntage seien wichtig, um Leute für den stationären Handel zu begeistern und Kunden von außerhalb zu locken.
„Wir müssen an einem Strang ziehen“
Die Redaktion hat bei der Werbegemeinschaft Leer nachgefragt, was sie von dem Plan hält. Die 2. Vorsitzende Marlene Schwill ist begeistert: „Das ist eine tolle Idee“, sagt sie. „Da sind wir dabei. Wir müssen an einem Strang ziehen.“ Womöglich könne man sich gegenseitig stützen und Tipps austauschen, was bei Anträgen zu beachten ist. „Wir sitzen im gleichen Boot.“ Gerade für den Tourismus in Ostfriesland seien verkaufsoffene Sonntage wichtig. In anderen Urlaubsorten, etwa in Bad Zwischenahn, könne man fast jeden Sonntag einkaufen. „Wir sind ja schon froh, wenn wir vier Sonntage im Jahr genehmigt bekommen.“
Etwas verhaltener reagiert der 1. Vorsitzende der Werbegemeinschaft Leer, Andreas Fricke. Bei dem sensiblen Thema verkaufsoffene Sonntage sei es womöglich besser, wenn jede Stadt für sich „individuell vernünftige Lösungen“ finde. „Das sollte lieber lokal passieren.“ Das sei aber nicht als Absage an Hippens Einladung zu verstehen, so Fricke: „Sprechen kann man über alles.“
„Ein Schlag in die Magengrube“
Die Auricher Kaufleute haben in den vergangenen Wochen zwei Enttäuschungen erlebt. Zuerst genehmigte die Stadt die Sonntagsöffnung zum Kinder- und Familientag am 5. September nur für die Innenstadt, nicht für die Fachmarktzentren am Stadtrand. Anfang dieser Woche wurde die Genehmigung für den verkaufsoffenen Sonntag zum Heidemarkt am 10. Oktober noch weiter beschnitten. Diesmal dürfen nicht nur die Fachmarktzentren nicht mitmachen, auch der Carolinenhof (Caro) ist außen vor – aus Sicht Hippens „ein Schlag in die Magengrube“.
In beiden Fällen sieht Verdi keinen Bezug zu den Geschäften am Stadtrand, da sich die Veranstaltungen in der Innenstadt abspielten. Ein Rechtsanwalt aus Leipzig drohte der Stadt im Namen der Gewerkschaft mit einer Klage, sollte der Caro nicht aus der Genehmigung des verkaufsoffenen Sonntags zum Heidemarkt herausgenommen werden. „Stand jetzt können wir ja sogar froh sein, dass er überhaupt stattfindet“, sagt Hippen. Die Anzeigen habe man noch ändern können, doch die Plakate seien gedruckt. Darauf steht: „Heidemarkt Aurich – verkaufsoffen von 13 bis 18 Uhr in der Auricher Innenstadt + Caro“.
Der letzte verkaufsoffene Sonntag in diesem Jahr
Der KV-Vorsitzende will Vertreter der Gewerkschaft zu einem Spaziergang durch die Auricher Fußgängerzone einladen, „um deutlich zu machen, über welche Entfernungen wir hier sprechen“. Der Caro sei selbstverständlich Teil der Innenstadt. „Vielleicht kann man das auf einer Karte nicht so gut erkennen wie in der Realität.“
Was den Heidemarkt an sich betrifft, hat Hippen gute Nachrichten: Anders als im vergangenen Jahr werden diesmal wieder wie gewohnt 30 Beschicker ab 9 Uhr auf dem Marktplatz stehen. Maskenpflicht besteht nicht. Ein Sicherheitsdienst werde jedoch darauf achten, dass es nicht zu viel Gedränge gebe. Die Händler verkaufen herbstliche Pflanzen und Dekoartikel. Schausteller bieten Bratwurst und Crêpes an. Auch Straßenmusiker werden im Einsatz sein. Es wird laut Hippen der letzte verkaufsoffene Sonntag in diesem Jahr sein.
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