Berlin
Werden wir bald von „Olaf dem Schrecklichen“ regiert?
Mit „Respekt“ hatte er geworben, doch seit dem Sieg gibt Olaf Scholz den Knallharten: Seinen Leuten verpasst er einen Maulkorb, FDP und Grüne schlottern vor dem „Platzhirschen“. Regiert uns bald „Olaf der Schreckliche“?
Beim Gartenfest der SPD-Seeheimer am Montagabend fackelte Scholz nicht lange rum. Ein knapper Dank an alle Helfer und das Versprechen, schon bald „mit großer Ruhe und Besonnenheit“ zu regieren.
Sogleich aber folgt die Predigt an die Genossen-Schafe: „So werden wir uns jetzt auch schon verhalten, wenn es darum geht, eine Regierung zu bilden“, sprach Scholz von der Kanzel. „Da bitte ich auch alle mitzuhelfen, denn wer eine Regierung bildet, der muss nicht jeden Tag in der Zeitung ausführlich erörtern, was alles so zu sagen ist, was der eine machen könnte und der andere.“
Klar, Vorschläge seien aus diesem Kreis und von überall sonst „herzlich“ willkommen. „Aber dazu braucht man nicht die Medien, es gibt auch ganz traditionell die Möglichkeit sich direkt anzusprechen, und da würde ich drum bitten.“
Rums, ein Maulkorb allererster Güte. Und was machen die einst so streitlustigen Sozialdemokraten? Statt aufzumucken spenden sie auch noch brav Applaus.
„Ein nachvollziehbarer Anspruch, den Olaf Scholz formuliert“
Am nächsten Tag machen wir den Test bei den Jusos: Als die noch von Kevin Kühnert angeführt wurden, trieben sie das Partei-Establishment regelmäßig zur Weißglut. Lassen auch sie sich von Eisen-Scholz zum Schweigen bringen? Es sieht fast so aus, wenn Kühnert-Nachfolgerin Jessica Rosenthal sagt: „Dass wir anders als früher unsere Differenzen jetzt intern regeln, finde ich grundsätzlich richtig. Das ist ein nachvollziehbarer Anspruch, den Olaf Scholz formuliert.“
Meine Güte, was ist aus den Genossen geworden? Nur noch ein Hauch von Trotz ist bei den Jusos übrig geblieben. „Wir werden uns bestimmt nicht den Oktober über ins Bett legen und nach Abschluss der Verhandlungen wieder aufstehen und allen zum Koalitionsvertrag gratulieren“, sagt Rosenthal. Herr Scholz, seien Sie gewarnt!
Ein Schlumpf als härtester Gegner?
Nicht nur in den eigenen Reihen, auch bei den Wunsch-Koalitionspartnern FDP und Grünen geht die Scholz-Muffe um. „Er hat den Anspruch, der Platzhirsch zu sein“, warnte Hamburgs grüne Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank ihre Leute. Als „härtesten Gegner“ in den Klimaverhandlungen von Bund und Ländern bezeichnete Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann den SPD-Mann. Man dürfe sich „bloß nicht einschüchtern lassen“, ist von den Liberalen zu hören.
Man traut dem Möchtegern-Kanzler wohl nicht ganz, wenn der Sondierungen „auf Augenhöhe“ verspricht. Gehöriger Respekt vor Olaf Scholz, das ist am Ende vielleicht die richtige Einstellung.
Der Versuch von CSU-Chef Markus Söder, den SPD-Kandidaten als „Schlumpf“ lächerlich zu machen, darf jedenfalls als gescheitert gelten.