Justiz

„Er hat gesagt: ,Wo ist er, ich bringe ihn um‘“

Bettina Keller
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Von Bettina Keller
| 04.10.2021 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Verhandelt wird am Landgericht Aurich. Foto: Ortgies
Verhandelt wird am Landgericht Aurich. Foto: Ortgies
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Im Prozess um einen versuchten Totschlag in Emden sagten Zeugen aus. Der Angeklagte soll am Abend des 23. März vor einem Mehrparteienhaus in der Ulmenstraße mit einem Messer auf das Opfer eingestochen haben.

Aurich - Im Schwurgerichtsprozess um versuchten Totschlag kam am Montag am Auricher Landgericht das Motiv des 27-jährigen Angeklagten zur Sprache. Zeugenaussagen zufolge gefiel es ihm nicht, dass das Opfer – ein 32-jähriger Emder – seine drei Kinder öfter sah.

Der Angeklagte soll am Abend des 23. März vor einem Mehrparteienhaus in der Emder Ulmenstraße ohne Vorwarnung mit einem Küchenmesser auf das Opfer eingestochen haben. Er traf dessen linke Schulter und fügte ihm einen Stich in den linken Brustmuskel zu. Der Verletzte konnte sich aber wehren bis die Polizei eintraf und verhinderte somit Schlimmeres. Auch im Anschluss zeigte er sich unbeeindruckt. Der 32-Jährige entließ sich selbst aus dem Krankenhaus, um weiterhin seinem Beruf als Friseur nachzugehen. 2019 hatte er mit der Ex-Freundin des Angeklagten ein Jahr lang eine Beziehung, die Kinder wollten ihn danach weiterhin sehen wollen.

Per Chatnachricht um Hilfe gebeten

So war es nach Angaben der Ex-Freundin der beiden Männer auch am Tattag. Der 27-Jährige saß zu Besuch in der Küche. Der 32-Jährige schaute für zwei Minuten vorbei, um sich kurz mit der ältesten Tochter, einer Fünfjährigen, zu treffen. Sie hatte am Vortag nach ihm gefragt.

Das bekam der 27-Jährige spitz, obwohl es seine Ex-Freundin mit der Ausrede „ein Nachbar“ zu vertuschen versucht hatte. Der Angeklagte geriet in Rage und bewaffnete sich mit einem Küchenmesser mit einer zehn Zentimeter langen Klinge. „Er hat die Räume durchsucht und gesagt ,Wo ist er, ich bringe ihn um‘“, schilderte die noch immer schockierte 24-jährige Mutter der Kinder mit leiser Stimme. Der Angeklagte habe sie im Streit im Flur geschlagen und in den Rücken getreten. Sie habe den 32-Jährigen per Chatnachricht um Hilfe gebeten und den Aggressor aus der Wohnung drücken können.

Nachbarin beobachtete Angriff

Dann spitzte sich die Situation dramatisch zu. Als der Angeklagte mit seinem Roller wegfahren wollte, näherte sich der 32-Jährige, der um Hilfe gebeten worden war. „Ein Mann auf einem Roller hat von links ,Hey‘ gerufen. Er hat das Messer direkt in meine Brust gesteckt“, berichtete das Opfer. Er habe den Mann unter dem Helm nicht erkannt und den ersten Stich in die Schulter nicht wahrgenommen, so der 32-Jährige.

Als der Täter weiter auf ihn habe einstechen wollen, habe er ihn im Schwitzkasten zu Boden gebracht. Die dazugekommene Ex-Freundin habe er gebeten, die Polizei zu rufen. Es sei ihr nicht gelungen, dem Angreifer das Messer abzunehmen. Als dem Opfer die Kräfte schwanden, traf die Polizei ein.

Eine Nachbarin von schräg gegenüber beobachtete den Vorfall aus ihrer Wohnung im zweiten Stock. „Der Fahrer mit dem Helm lag auf dem Boden. Ein anderer lag auf ihm und drückte ihn nach unten“, erzählte sie. Der untere habe laut geschrien, er werde den anderen umbringen: „Ich hab‘ ne Gänsehaut gekriegt in dem Moment“. Der Prozess wird am Mittwoch, 6. Oktober, um 9 Uhr fortgesetzt.

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