Fußball
Defensiv-König dank zweier ungleicher Brüder
Der SV Holtland kassierte in der Fußball-Bezirksliga erst sechs Gegentore. Die stabile Defensive macht der Trainer auch an zwei Brüdern fest, die unterschiedliche Wege einschlugen.
Ostfriesland - „Der Dicke muss ins Tor.“ Diese ungeschriebene Bolzplatzregel ist altbekannt. „Bei uns ist es aber irgendwie anders, wobei Fabi ja auch nicht so richtig dick ist“, schmunzelt der schlacksige Jann Hellmers mit Blick Körperstatur und die seines Bruders Fabian Hellmers. Jann Hellmers steht beim Fußball-Bezirksligisten SV Holtland im Tor, der „etwas Gesättigtere“, wie Trainer Jörn Janssen dessen neun Jahre jüngeren Bruder humorvoll bezeichnet, spielt in der Abwehr. „Jann ist ein Granatentorwart, den jede Mannschaft Ostfrieslands gerne haben würde. Fabian bildet das Fundament in der Defensive, ist der Fels in der Brandung“, hebt Jörn Janssen die Hellmers-Brüder ungewohnt deutlich als Leistungsträger hervor.
Diesen Status erarbeiteten sich die beiden optisch ungleichen Brüder in der laufenden Saison. So stellen die Holtlander mit sechs Gegentoren in sieben Spielen die beste Defensive der B-Staffel. Wenn das 0:5 in Pewsum ausgeklammert wird, ist es sogar nur ein Gegentor (1:1 in Borssum) in sechs Spielen. „Das ist bemerkenswert, vor allem, wenn man bedenkt, wer bei uns zur Zeit alles fehlt“,sagt Trainer Jörn Janssen. So verpasste unter anderem Florian Koning wegen mehrerer Wehwehchen einige Spiele, Florian Lüpkes fällt nun wegen einer schweren Knieverletzung den Rest des Jahres aus. Beide sind Innenverteidiger. Umso mehr kommt es auf Fabian Hellmers an – und für das, was doch mal durchrutscht, auf dessen Bruder.
Viele Stadionbesuche beim FC St. Pauli
Fabian Hellmers auf dem Feld, Jann Hellmers im Kasten: Das war nicht immer so. Jann Hellmers war bis zur C-Jugend Feldspieler beim SV Holtland, ehe er zu Kickers Emden wechselte und sich fortan die Handschuhe überzog. „Die hatten keinen Torwart und dann ging ich einfach in den Kasten“, erinnert sich der 34-Jährige. Im Herrenbereich hütete er lange Jahre das Landesliga-Tor für Germania Leer, Concordia Ihrhove und Frisia Loga, ehe er über den Bezirksligisten Ramsloh zu seinem Heimatverein SV Holtland zurückkehrte. Auch sein Bruder Fabian spielte schon höherklassig, machte aber eine umgekehrte Entwicklung: vom Torhüter zum Feldspieler. Erst im Herrenbereich wechselte der Oldenburger Lehramtsstudent aufs Feld, nachdem er als in der A-Jugend noch Torwart in der Landesliga beim JFV Leer gewesen war.
Jann und Fabian Hellmers spielen nun die dritte Saison zusammen beim SV Holtland, sind aber auch abseits ihres Heimatvereins oft fußballerisch gemeinsam unterwegs. Die beiden sind Fans von Zweitliga-Tabellenführer FC St. Pauli. „Wir sind gerne bei Spielen im Millerntor-Stadion dabei, auch auswärts fahren wir ab und zu mit – sofern es auch mit unseren eigenen Spielen passt“, sagt Jann Hellmers, der als Einkäufer bei einer hiesigen Reederei arbeitet.
Noch kein Holtland-Tor in Hälfte eins
Er hat auch noch zwei deutlich ältere Geschwister: Martina (45) und Helmut (49). „Die haben aber nicht so viel mit Fußball am Hut“, sagt Jann Hellmers. Dafür aber Vater Friedrich umso mehr. Der 71-Jährige spielte einst selber für den SV Holtland, von der 1. bis runter zur Alten Herren. Mittlerweile begleitet er als Teil der Holtlander „Rentner-Band“ jedes Heim- und Auswärtsspiel seiner Söhne.
Tore sah er in dieser Bezirksliga-Saison aber kaum. So sattelfest die Holtland-Defensive ist, so mau schaut’s in der Offensive aus: Den sechs Gegentoren stehen sechs eigene Treffer gegenüber. In der ersten Halbzeit hat der SV noch gar nicht getroffen, in dieser aber auch erst zwei Tore kassiert. „Bei unseren Spielen lohnt es sich, erst nach der Pause zu kommen. Dann spart man sich auch den Eintritt“, scherzt Jann Hellmers. „Nach dem Spiel kommt schon mal der ein oder andere an und sagt: ‚0:0, 1:0: Könnt ihr nicht mal 5:4 spielen?‘ Bei uns gibt es selten so ein Spektakel, aber so lange wir die Punkte holen, sind die Zuschauer zufrieden.“ Die meisten Zähler sicherte sich Holtland übrigens erst in der Schlussviertelstunde, in der fünf der sechs eigenen Tore fielen. „Das sehe ich positiv und als Zeichen der mentalen Stärke.“
Zweifaches Trainerduell am Wochenende
Am Sonntag gastiert der SV Holtland um 15 Uhr beim VfB Uplengen. Eine halbe Stunde eher angepfiffen werden die Partien SV Großefehn gegen BW Borssum und Frisia Loga um Interimstrainer Harry Janssen gegen den TuS Pewsum. Bereits am Sonnabend empfängt Spitzenreiter TV Bunde den seit vier Spielen sieglosen SV SF Larrelt.
Zwei Trainer von Teams der anderen Staffel treffen an diesem Wochenende sogar gleich doppelt aufeinander. Frank Winkler empfängt mit seinem TuS Strudden am Sonntag den TuS Esens um Ralf Backhaus. Tags zuvor duellieren sie sich beim „Länderspiel“ in Emden. Backhaus läuft für die Ostfriesland-Auswahl auf, Winkler coacht die DDR. In der A-Staffel läutet die Partie SV Wallinghausen gegen den TuS Middels am Sonnabend um 17.30 Uhr den Spieltag ein. Am Sonntag ist um 14 Uhr Anpfiff in Strudden sowie zwischen dem TuS Weene und der SpVg Aurich. Eine halbe Stunde später trifft der FC Norden auf den SV Hage.