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Mein „Baby“

Canan Topçu
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Eine Kolumne von Canan Topçu
| 13.10.2021 09:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Canan Topçu
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Auf unserem Online-Auftritt veröffentlichen wir an sechs Tagen pro Woche eine Kolumne. Mittwochs geht es immer um Diversität.

Am vergangenen Freitag hatte ich erstmals „mein Baby“ in der Hand. „Huch, was denn für ein Baby?“ Falls Sie sich das jetzt fragen: Natürlich meine ich nicht das, was man denken könnte. In meinem Alter bekommt keine Frau mehr ein Kind. Es sei denn, frau ist Gianna Nannini. Tatsächlich ist die italienische Sängerin, deren Stimme und Lieder ich schon in meiner Jugend sehr gern mochte, mit Mitte Fünfzig Mutter geworden – und das sogar als Erstgebärende. Mein „Baby“ hat keinen Kopf, keine Arme und keine Beine, sondern rund 220 Seiten. Jetzt wissen Sie: Es ist ein Buch!

Zur Person

Canan Topçu (55) ist als Tochter türkischer Arbeitsmigranten in Hannover aufgewachsen. Nach der Ausbildung bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung wechselte die Journalistin zur Frankfurter Rundschau. Seit 2012 ist die Hanauerin freiberuflich als Autorin sowie als Referentin und Dozentin tätig.

Der Verlag hat mir das erste Exemplar per Post geschickt – und ich habe, kaum dass ich den Umschlag öffnete und das Buch in der Hand hatte, ein Foto davon per Handy an meine Familie und Freunde geschickt. Etliche beglückwünschten mich daraufhin zu meinem „Baby“.

Eine echt schwere Geburt

Warum diese Metapher für ein Buch verwendet wird, weiß ich nicht. Ich vermute es aber. Denn es war eine echt schwere Geburt. Und bis ich mein „Baby“ in den Händen halten konnte, hat es tatsächlich neun Monate gedauert.

Und es hat mich viele verzweifelte Momente und Tränen gekostet. Immer wieder habe ich mich gefragt, ob es wirklich eine gute Idee war, das mit dem Buchschreiben. Das weiß ich immer noch nicht!

Journalisten haben ja nicht nur Freunde

Als ich am Freitag das „Baby“ in der Hand hielt, fing ich an zu weinen. Und ich weiß immer noch nicht, ob aus Freude oder Sorge vor Verrissen. Journalisten wie ich haben ja nicht nur Freunde. Es gibt Leute, die aus Prinzip alles, was ich schreibe, schlecht finden. Ich bin daher sehr gespannt auf die Reaktionen.

Auch auf Ihre, sofern Sie neugierig geworden sind und lesen möchten, was ich zum Thema Rassismus und Identitätspolitik geschrieben habe. Ein bisschen gedulden müssen Sie sich. Denn „Nicht mein Antirassismus“, so der Titel meines Buches, erscheint am 29. Oktober.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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