Moderne Kita

Neue Krippe in Weene: So geht Kita heute

| | 12.10.2021 11:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Haben ein Wörtchen beim Kitabau mitzureden (von links): die Leiterin der neuen Kita Sonja Ubben, Annette Lang als Leiterin des Bauamts, Silvia Ihnken von der Gemeinde und Sven Bünting vom Planungsbüro 3ing.
Haben ein Wörtchen beim Kitabau mitzureden (von links): die Leiterin der neuen Kita Sonja Ubben, Annette Lang als Leiterin des Bauamts, Silvia Ihnken von der Gemeinde und Sven Bünting vom Planungsbüro 3ing.
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In den 1970er Jahren bekam die Gemeinde Ihlow die erste Kita. Jetzt entsteht in Weene die siebte. Ein Bericht darüber, was eine moderne Kita ausmacht und wie der Bau trotz Rohstoffmangel läuft.

Weene - Wie ein Käfer wird die neue Krippe in Weene von oben aussehen: Zwei lange Deckflügel und die breiten Flügel darunter zum Fliegen. Unter den letzteren befinden sich die zwei Gruppenräume. Der runde Eingang bildet den Kopf. Vom Boden aus sehen es die 30 Kinder natürlich nicht, die hier ab Sommer 2022 betreut werden. Es sei denn, sie wollen wissen, woher der Name der Kita kommt: Dat Krabbelhus. Im Logo finden sie den Käfer wieder, in dem sie spielen und fürs Leben lernen. Am Montag wurde der Grundstein für das Gebäude gelegt, das die Kinder vom ersten Krabbeln begleitet bis sie flügge werden.

Was und warum

Darum geht es: Die Gemeinde Ihlow hatten einiges vor beim Kitabau: Aktuell entsteht in Weene eine Krippe und weitere Projekte sind in Planung.

Vor allem interessant für: Familien, Planer und Kommunen.

Deshalb berichten wir: Es kam eine Einladung zur Grundsteinlegung in die Redaktion und die Autorin war neugierig: Was genau macht eigentlich eine moderne Kita aus?

Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de

Um eine moderne und kindgerechte Kita zu entwickeln, hat die Gemeinde alle Kindertagesstätten ins Boot geholt – sie konnten ihre Ideen einbringen. „Jedes Kind soll sich hier ganz individuell entsprechend den eigenen Fähigkeiten entwickeln können“, nennt Sonja Ubben das oberste Ziel der Planungen. Das soll sich auch im Gebäude widerspiegeln, das seit August am Weener Weg 30 entsteht. Ubben wird die neue Krippe leiten. Eine Krippe ist eine Kindertagesstätte (Kita) für die ganz Kleinen ab einem Jahr. Die in Weene ist die siebte in der Gemeinde Ihlow. Zählt man die Waldkindergärten dazu sind es neun.

Nach Simonswolde im Bulli

Angefangen hat alles mit der Kita in Simonswolde in den 1970er Jahren. „Das war die erste in der Gemeinde überhaupt“, erinnert sich Ihlows scheidender Bürgermeister Johann Börgmann (SPD): „Damals wurden alle Kinder noch in den vom TUS Westerende geliehenen Bulli geladen und dorthin gebracht.“ Auch die Kita Simonswolde wird demnächst neu gebaut. Denn mit der Krippe in Weene ist der Kitabau der Gemeinde Ihlow noch lange nicht abgeschlossen. In Westerende und Simonswolde entstehen komplett neue Gebäude und auch in Riepe wird gebaut. Es tut sich viel bei der Kinderbetreuung. Doch was hat sich seit der Kita in Simonswolde getan? Worauf wird bei den neuen Gebäuden und der Ausstattung geachtet?

Erst einmal gibt es die Vorgaben: „Wenn man weiß, wie viele Kinder betreut werden sollen, kann man den Platzbedarf errechnen“, erklärt Annette Lang, Bauamtsleiterin der Gemeinde Ihlow. Drei Quadratmeter pro Krippenkind und zwei für ältere seien vorgeschrieben. Rechnet man die Gruppengröße von 15 bei den Kleinen oder 25 bei den Großen, hat man den Platzbedarf. In Weene sind die Gruppenräume so ausgelegt, dass sie auch für die Größeren genutzt werden können. Auch eine Erweiterung ist möglich. Große Fenster wird das Gebäude bekommen, „es soll hell sein und auch die Kleinsten sollen raus gucken können“, so Ubben. Außerdem wurde viel Wert auf Schallschutz gelegt – für die Kinder und die Betreuer. Möglichst leiser Boden und dämmende Decken sind vorgesehen.

Zwei Garderoben machen es einfacher

Feste Vorgaben gibt es ebenfalls für Toiletten und Rückzugsräume zum Schlafen für die Kinder. Garderoben, ein Büro für die Krippenleitung, Umkleiden und ein Raum für die Betreuer sind vorgesehen. „Das Krabbelhus“ bekommt zusätzlich eine Ausgabemensa, in der Essen für die Kinder warm gehalten werden kann. Außerdem wird es zwei Garderoben für die Kinder geben – eine für die sauberen Sachen und eine nach hinten raus für die Schmutzsachen. Die können die Kinder tragen, wenn sie zum Spielen nach draußen wollen, in die Matschlandschaft, auf die Bobbycarstrecke, die Spielgeräte oder den Sandspielplatz. „Das mit den zwei Garderoben ist ein tolle Lösung, die wir uns abgeguckt haben“, erzählt Sonja Ubben.

Am 11. Oktober wurde der Grundstein der Kita Weene gelegt – dabei waren (von links): Ratsvorsitzender Arnold Saathoff (SPD), Ihlows scheidender Bürgermeister Johann Börgmann (SPD) und Aurichs Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos). Kinder aus Aurich können die Krippe ebenfalls nutzen.
Am 11. Oktober wurde der Grundstein der Kita Weene gelegt – dabei waren (von links): Ratsvorsitzender Arnold Saathoff (SPD), Ihlows scheidender Bürgermeister Johann Börgmann (SPD) und Aurichs Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos). Kinder aus Aurich können die Krippe ebenfalls nutzen.

Es gibt darüber hinaus feste Vorgaben für die Sicherheit des Gebäudes: „Ein Klemmschutz für Türen ist zum Beispiel vorgeschrieben“, erklärt Sven Bünting, der vom Architektur- und Ingenieurbüro 3ing das Projekt betreut. Das Büro hatte für seinen Käfer-Entwurf unter vier Einsendungen den Zuschlag erhalten. Auf 520 Quadratmetern können sich die Kinder hier zukünftig austoben. Die große Eingangshalle ist gleichzeitig Schmutzschleuse, Toberaum, ein Ort für Veranstaltungen und Treffpunkt. „Es ging darum, den Raum möglichst effektiv auszunutzen und möglichst wenig Fläche zu verbrauchen“, erklärt Annette Lang.

Energie und Platz sparen

Noch etwas war wichtig: Energie sparen und Effizienz. Das Gebäude kommt ohne Gasheizung aus. Es bekommt eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die funktioniert wie ein Kühlschrank – nur umgekehrt. Den Strom für das Heiz- und Lüftungssystem liefert eine Phototvoltaikanlage. Für das Energiekonzept gibt es eine Förderung der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Auch die Beleuchtung über LEDs ist auf Effizienz ausgerichtet. Sie reguliert sich selbst, je nachdem wie viel Tageslicht hereinkommt und ob überhaupt jemand im Raum ist. „Mit dieser Steuerung können noch einmal etwa 40 Prozent der Beleuchtungskosten gespart werden“, schätzt Horst Brunen vom gleichnamigen Planungsbüro.

Die Krippe in Weene soll sich in den gewachsenen Ort eingliedern – durch ihre Bauform und die verwendeten Materialien.
Die Krippe in Weene soll sich in den gewachsenen Ort eingliedern – durch ihre Bauform und die verwendeten Materialien.

Für Bau und Planung des Gebäudes wurden 2,2 Millionen Euro eingeplant. Ohne den aktuellen Baustoffmangel wäre das Projekt damit laut Annette Lang auch hingekommen. „Manche Preise haben sich inzwischen verdoppelt, Bauholz für Dachstühle ist kaum noch zu bekommen“, so Lang, „das geht alles nach China.“ Dreiviertel aller Arbeiten an der Kita seien bereits vergeben. 23 unterschiedliche Gewerke arbeiten mit, überwiegend aus dem ostfriesischen Raum. „Noch sieht es gut aus“, schätzt die Leiterin des Bauamts: „Wir werden unter drei Millionen Euro bleiben.“ Wie genau die Kita am Ende ausgestattet sein wird, entscheidet sich Stück für Stück. Dazu treffen sich Planer, Pädagogen und Verwaltung regelmäßig zur Baubesprechung. Bald wird auch das mehrstöckige Spielgerät für die Gruppenräume feststehen. Sonja Ubben ist sich allerdings sicher: „Wenn wir fertig sind, gibt es für die nächste Kita wieder viele neue Ideen“, sagt sie und lacht.

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