Innenstädte

Emder Verkehrsversuche: Oberbürgermeister räumt Fehler ein

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 12.10.2021 10:38 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Einige Autofahrer missachteten in den vergangenen Tagen die Einbahnstraßenregelung in der Friedrich-Ebert-Straße. Foto: Hanssen
Einige Autofahrer missachteten in den vergangenen Tagen die Einbahnstraßenregelung in der Friedrich-Ebert-Straße. Foto: Hanssen
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Die Proteste gegen die neue Einbahnstraßen-Regelung reißen nicht ab. Der Oberbürgermeister gibt zu, Bürger und Politik nicht ausreichend mitgenommen zu haben.

Emden - Wenige Tage nach der versuchsweisen Einführung der Einbahnstraßenregelung in der Friedrich-Ebert-Straße in Emden hält die Kritik aus der Bevölkerung unvermindert an. Sie richtet sich gegen die neue Verkehrsführung in der Innenstadt und den angrenzenden Stadtteilen.

Vor allem in den sozialen Medien hagelt es seit dem vergangenen Freitag Proteste. Dabei nimmt der Ton an Schärfe zu. Im Kreuzfeuer der Kritik steht dabei Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos), der mit den Experimenten in der Neutorstraße und der Friedrich-Ebert-Straße die Verkehrswende in Emden einleiten sowie das Zentrum autoarm und attraktiver gestalten will.

Zustimmung von Anwohnern

Zustimmung erhält der Verwaltungschef hingegen von Anwohnern der Friedrich-Ebert-Straße. „Ich betrachte den Start als wesentlichen Schritt nach vorn“, sagte deren Sprecherin Frauke Koppaetzky am Montag nach einem Gespräch mit Kruithoff. Sie hatte ihm zuvor die Listen mit etwas mehr als 200 Unterschriften von Bewohnern der Stadtteile Groß Faldern und Klein Faldern übergeben.

Die Unterzeichner – dazu gehören auch Eltern und Lehrer der Grundschule am Wall sowie einige Geschäftsleute aus den Vierteln – verlangen Maßnahmen, um den Durchgangsverkehr zu beschränken. „Wir haben Gehör gefunden, und an einer Lösung wird gearbeitet“, sagte Koppaetzky im Anschluss an das Treffen mit Kruithoff. Die Anwohner wünschten sich aber weitere verkehrsberuhigende Maßnahmen in der Nordertorstraße und dort insbesondere im Bereich der Wallschule.

OB wirbt um Verständnis

Der Oberbürgermeister reagierte zwischenzeitlich auch auf den Sturm der Entrüstung, der unmittelbar nach Einführung der neuen Regelungen in der Friedrich-Ebert-Straße ausgebrochen war. Er warb erneut um Verständnis für die Experimente und um Geduld. Zugleich räumte er ein, dass eine solche Testphase mit Unannehmlichkeiten verbunden sei. Dafür entschuldigte er sich. „Ohne etwas zu verändern, wird es aber keine Veränderung geben, und wir brauchen den Wandel für eine zukunftssichere Innenstadt“, so Kruithoff. Für das Ziel einer lebendigen, lebenswerten Innenstadt mit hoher Aufenthaltsqualität lohne es sich seiner Meinung nach, „einen temporären Eingriff in die eigene Komfortzone und Umwege hinzunehmen“.

Gegenüber dieser Zeitung räumte das Stadtoberhaupt auch Fehler bei der Kommunikation ein. Die Stadt habe die Bürgerinnen, Bürger und auch die Politik nicht ausreichend über die Pläne informiert und sie nicht mitgenommen, sagte Kruithoff selbstkritisch.

Bürgerdialog im November

Das will die Stadt in den kommenden Wochen nachholen. Für Anfang November kündigte der Oberbürgermeister einen Bürgerdialog an, der sowohl in Präsenz als auch online geführt werden soll. Dabei will die Stadtverwaltung ihre Ziele noch einmal verdeutlichen und auch die Meinungen der Bürgerinnen und Bürger abfragen. Erst danach soll im zuständigen Fachausschuss des neuen Stadtrates das weitere Vorgehen erörtert werden.

Nach den Beobachtungen der Stadt hat sich die Situation auf der Brückstraße und der Straße Hinter der Halle in der Zwischenzeit entspannt, nachdem es dort nach Einführung der Einbahnstraßenregelung in der Friedrich-Ebert-Straße zeitweise zu Staus gekommen war. Auch mit der Feuerwehr, deren Zentrale an der Brückstraße liegt, sei man im Austausch. „Ein Risiko würden wir hier niemals eingehen“, sagte Kruithoff.

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