Osnabrück

Steigende Preise: Wie Verbraucher der Inflation entkommen können

Corinna Clara Röttker
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Von Corinna Clara Röttker
| 13.10.2021 09:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Vom Bau bis in den Supermarkt ist vieles teurer geworden. Foto: Fabian Sommer /dpa
Vom Bau bis in den Supermarkt ist vieles teurer geworden. Foto: Fabian Sommer /dpa
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Ob Energie, Benzin, Immobilien oder Lebensmittel: Fast überall steigen derzeit die Preise. Ob es künftig noch teurer wird und wie Verbraucher der Inflation am besten entkommen können, erklärt Ökonom Hanno Beck im Interview.

Im Oktober erreichte die Inflationsrate 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat - einen höheren Anstieg der Verbraucherpreise gab es zuletzt im Oktober 1993. Bei vielen steigt entsprechend immer mehr die Angst vor einer Inflation. Zurecht?Jein. Einerseits haben wir es momentan mit einmaligen Effekten zu tun, wie die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung oder Nachholeffekten von der Corona-Pandemie, die jetzt zuschlagen. Betrachtet man nur die, könnte der Spuk nächstes Jahr wieder vorbei sein. Doch es gibt auch Hinweise darauf, dass die Preise längerfristig weiter steigen werden.

Was sind das für Hinweise?Beispielsweise die Lohnverhandlungen, die derzeit in Branchen wie der Bauwirtschaft laufen. Angesichts der hohen Teuerungsraten verlangen Gewerkschaften stärkere Lohnzuwächse, das kann eine gefährliche Lohn-Preis-Spirale auslösen. Steigen die Löhne, erhöhen Unternehmen ihre Preise, um die gestiegenen Lohnkosten wieder hereinzuholen, was eine Inflation weiter befeuert. Dazu gibt es Ökonomen, die bereits das totgeglaubte Wort der Stagflation in den Mund nehmen, wenn also kaum wirtschaftliches Wachstum auf steigende Preise trifft. Das wäre dann die schlechteste aller Welten. Wenn das eintritt, müssen wir uns auf Zustände wie in den 70er-Jahren mit Inflationsraten von sieben Prozent einstellen.

Was glauben Sie? Ist das alles nur ein kurzfristiger Schock und die Preise werden bald wieder sinken?Das kann ich mir nur schwer vorstellen.

Welche Inflationsrate wäre denn ein Problem? Ab wann wird es problematisch?Für den Verbraucher ist im Grunde jede Inflationsrate ein Problem. Inflation entwertet das Vermögen und jede Inflationsrate oberhalb von null Prozent bedeutet ein realer Vermögensverlust. Es gibt eine Faustformel, die sogenannte 72-Regel, die das vor Augen führt. Um die Zeit bis zur Halbierung der Kaufkraft zu erfahren, muss man 72 durch die Inflationsrate teilen. Bei einer Inflationsrate von 4,5 ist das Ergebnis 16, das heißt innerhalb von 16 Jahren hat sich das Vermögen halbiert. Das zeigt, wie vermögensschädlich Inflation tatsächlich ist. Dies gilt insbesondere bei einer langfristigen Altersvorsorge, mit Zeiträumen von 20 bis 30 Jahren, und für Menschen, die eine hohe Bargeldhaltung oder nicht genügend Ersparnisse haben, um in Sachwerte wie Immobilien auszuweichen. Will heißen, Inflation ist im Grunde eine Steuer auf die Bargeldhaltung, die vor allem Menschen mit geringem Einkommen und niedrigem Vermögen trifft.

Da verwundert es ja eigentlich nicht, dass die momentane Situation bei manchen für Panik sorgt.Panik ist immer ein schlechter Ratgeber. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass wir nochmal eine Situation wie 1923 erleben werden, als es zur Hyperinflation kam und das Geld plötzlich wertlos war. Nicht zuletzt deswegen, weil wir heute Ausweichmöglichkeiten haben. Wenn eine nationale Währung zu inflationär wird, dann flüchten viele Menschen zum Beispiel in andere Währungen, tauschen ihre Euros also etwa gegen US-Dollars ein. Andere flüchten in Vermögenswerte, investieren ihr Geld in Aktien, Anleihen, Gold oder Immobilien und treiben dort die Preise hoch.

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Was ja bereits passiert und sich aktuell sehr gut etwa auf dem Immobilienmarkt beobachten lässt.Absolut. Wir haben es mit einer Vermögenspreisinflation zu tun. Die Märkte wurden durch die Inflationsangst künstlich aufgebläht. Da lauert natürlich die Gefahr einer Blase und man muss damit rechnen, dass eines Tages die Luft abgelassen wird. Das könnte dann für viele sehr teuer werden.

Das heißt, was können Verbraucher tun, um der Inflation zu entkommen?Auf jeden Fall weniger als man denkt. Die handelsübliche Antwort wäre, sein Geld in Sachwerte wie Immobilien oder Aktien zu investieren. Doch wie gerade gesagt ist das momentan nicht risikolos und damit keine gute Alternative.

Das ist ja mehr als ernüchternd.Das Problem ist einfach, dass Inflation ein systematisches Risiko ist. Das heißt, es betrifft das gesamte System, so dass man sich dem kaum entziehen kann.

Sie haben keinerlei Tipps, wie man sich am besten verhalten sollte? Was machen Sie zum Beispiel?Viel machen kann man in der Tat nicht, außer Ruhe bewahren und diversifizieren, das Vermögen also streuen. Es gibt inzwischen sogar inflationäre Tendenzen bei Sammlerobjekten wie Oldtimer oder Uhren. Auch dort ziehen die Preise an. Mir hat ein Kollege neulich erzählt, er war in einer deutschen Großstadt, da gab es keine Rolex mehr in den Schaufenstern. Also egal in welchen Markt man aktuell hinein geht, andere waren schon vorher da und haben die Preise in die Höhe getrieben. Ansonsten ist eine Investition, die sich immer lohnt, die eigene Ausbildung. Da bekommt man immer einen Mehrwert zurück, eine Art mentale Rendite.

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