Hannover
Warum Impfärzte in Niedersachsen plötzlich weniger verdienen
Die Kosten werden nun nicht mehr zu 100 Prozent vom Bund getragen, sondern auch vom Land Niedersachsen. Das hat die Ärzte-Honorare prompt gekürzt.
Kaum sind die mobilen Impfteams in Niedersachsen gestartet, gibt es ersten Unmut über die Bezahlung der Impfärzte. Die Debatte entzündet sich daran, dass diejenigen Ärzte, die nun und künftig unterwegs sind, um die Menschen vor Ort etwa in Altenheimen und Schulen gegen Corona zu impfen, 20 Euro pro Stunde weniger verdienen als die Ärzte in den mittlerweile geschlossenen Impfzentren bekommen haben.
Fünf Euro pro Viertelstunde weniger
In Niedersachsen werden die Impfärzte pro angefangener Viertelstunde bezahlt. Nun gibt also nicht mehr 37,50 Euro für 15 Minuten und 150 Euro pro Stunde, sondern „nur“ noch 32,50 Euro pro Viertelstunde, was einem Stundenlohn von 130 Euro entspricht. Der Bezirksstellenvorsitzende der Ärztekammer Niedersachsen in Osnabrück, Steffen Grüner, kritisiert das scharf: Die Reduktion um fünf Euro sei nicht nachvollziehbar, es handele sich schließlich nicht um „Kollegen zweiter Klasse“.
Ministerium: Niedersachsen lag an Honorar-Spitze
Nach Angaben des Sozialministeriums in Hannover gehörte Niedersachsen mit der Vergütung von 150 Euro pro Stunde „zu den Bundesländern mit den hohen Vergütungssummen“. Hier habe es auch Bundesländer gegeben, „die bereits für die Vergütung in den Impfzentren deutlich weniger gezahlt haben“, betont Ministeriumssprecherin Anne Hage auf Nachfrage.
Land ist mittlerweile an Kosten beteiligt
Das bestätigt auch Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). „Bei der Honorierung der Ärztinnen und Ärzte in den Impfzentren lag Niedersachsen mit an der Spitze in Deutschland“, sagt Haffke und verweist darauf, dass die nunmehr etwas geringere Entlohnung auf einer Vereinbarung zwischen der KVN und dem Land basiere. Nach dem Wegfall der Impfzentren und der Etablierung von mobilen Impfteams musste laut Haffke ein neuer Vertrag geschlossen werden. Die Kosten würden nun nicht mehr zu 100 Prozent vom Bund getragen, sondern auch vom Land Niedersachsen. „In den Verhandlungen ist der aktuelle Betrag als Kompromiss entstanden“, macht der KVN-Sprecher deutlich.
Schleswig-Holstein zahlt 115, Nordrhein-Westfalen 150 Euro
In der Tat sind die Stundensätze in anderen Bundesländern teilweise geringer. So bekommen beispielsweise die Impfärzte in Schleswig-Holstein nach Angaben des dortigen Sozialministerium 115 Euro pro Stunde, wobei zwischen Ärzten in Impfzentren und in mobilen Teams nicht unterschieden werde. In Nordrhein-Westfalen allerdings werden weiterhin 150 Euro pro Stunde gezahlt.
Mehr als 130 mobile Impfteams in Niedersachsen im Einsatz
Mobile Impfteams sollen nach der Schließung der Impfzentren von dieser Woche an landesweit im Einsatz sein. Das hatte Heiger Scholz, Leiter des Corona-Krisenstabs der Landesregierung, am Dienstag in Hannover angekündigt. Die rund 50 Impfzentren in Niedersachsen wurden vor knapp zwei Wochen geschlossen, die mehr als 130 mobilen Teams sowie niedergelassene Ärzte übernehmen nun die Impfungen gegen das Coronavirus.