Kultur

Ostfriesin bewirbt sich um Einzelausstellung in Wilhelmshaven

| | 16.10.2021 16:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Helga Beisheim ist als einzige Ostfriesin bei der Nordwestkunst dabei. Foto: Beisheim
Helga Beisheim ist als einzige Ostfriesin bei der Nordwestkunst dabei. Foto: Beisheim
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Helga Beisheim ist die Älteste unter den 25 Teilnehmern der Nordwestkunst 2021 in Wilhelmshaven. Die Werke der in der Krummhörn lebenden Künstlerin sind zeitlos, klar und schön.

Grimersum/Wilhelmshaven - Die Vorauswahl für die Nordwestkunst-Ausstellung ist für die Leiterin der Kunsthalle Wilhelmshaven, Petra Stegmann, immer eine spannende Erfahrung. 250 Arbeiten seien diesmal eingereicht worden. Die zu sichten war extrem zeitaufwendig, verriet sie am Freitag in der Kultureinrichtung in Wilhelmshaven. Aber eben auch unglaublich interessant. Man entdecke neue Künstler. Und neue Werke bereits bekannter Künstler, ergänzt Christoph Goritz, Vorsitzender des Vereins der Kunstfreunde für Wilhelmshaven. Aus diesem großen Angebot haben die beiden 25 Teilnehmer nominiert, deren Arbeiten ab sofort und noch bis zum 21. November in der Ausstellung Nordwestkunst 2021 zu sehen sind. Gezeigt wird ein breites Spektrum von Kunstwerken: Grafiken, Collagen, Objekte, Installationen und mehr. Am 29. Oktober kürt eine Jury den diesjährigen Gewinner, der sich über ein Preisgeld und eine Einzelausstellung 2022 freuen kann.

Was und warum

Darum geht es: Helga Beisheim ist einer von 25 Künstlern, die für die Nordwestkunst der Kunsthalle Wilhelmshaven ausgewählt wurden.

Vor allem interessant für: jene, die sich gern von ungewöhnlichen Arbeiten inspirieren lassen

Deshalb berichten wir: Die Ausstellung beginnt.

Die Autorin erreichen Sie unter: s.ullrich@zgo.de

Es sind Werke wie „Strukturen 1“ und „Strukturen 5“ der in Grimersum in der Krummhörn lebenden Helga Beisheim, die Goritz und Stegmann begeisterten. „Wir fanden die Arbeiten so spannend, dass wir die in der Ausstellung haben wollten“, sagte Stegmann. „Es ist eine grafisch abstrakte Arbeit. Der Umgang mit Farbe und Formen hat uns angesprochen.“ Beide lobten die Klarheit und elementaren Formen der Werke, die in ihren Augen zeitlos und schön sind. Beisheim ist diesmal die einzige Teilnehmerin aus Ostfriesland – und mit 78 Jahren mit Abstand die älteste.

Jasmin Meinold, Petra Stegmann, Christoph Goritz und Künstlerin Eddie de Goër beim Pressegespräch in der Kunsthalle Wilhelmshaven. Foto: Ullrich
Jasmin Meinold, Petra Stegmann, Christoph Goritz und Künstlerin Eddie de Goër beim Pressegespräch in der Kunsthalle Wilhelmshaven. Foto: Ullrich

Helga Beisheim ist neugierig geblieben

Für Helga Beisheim sind ihre Arbeiten, die nun vorübergehend an der Jade zu sehen sind, sehr persönlich. „Alles entsteht frei Hand“, erklärt sie. „An der Linie erkennt man meinen Herzschlag oder wenn meine Hand anfängt zu zittern.“ Im Jahr 2020 habe sie sich der Technik der Verdichtung nach Jahren erneut zugewandt. Derzeit ist sie schon wieder auf zu neuen Ufern: „Ich setze mich im Moment mit dem ganz kleinen Format auseinander.“ Kunst in Postkartengröße – eine Herausforderung für eine Frau, die gern großformatig arbeitet. „Das hat andere Regeln, da probiere ich aus.“

Zwei der Arbeiten von Helga Beisheim werden in der Kunsthalle gezeigt. Die „Strukturen 1 und 5“ hängen rechts. Foto: Ullrich
Zwei der Arbeiten von Helga Beisheim werden in der Kunsthalle gezeigt. Die „Strukturen 1 und 5“ hängen rechts. Foto: Ullrich

Beisheim ist vielseitig, lebt ihre Kreativität in ihrem eigenen kleinen und lichtdurchfluteten Atelier in Grimersum voll aus. Sie malt in Aquarell-, Acryl- oder Ölfarben oder in Kreide. Und fotografiert. „Ich bin unheimlich neugierig“, gibt sie unumwunden zu. Also probiere sie vieles aus. Aus Sicht mancher Kritiker sei das ein Makel. „Ich habe es schon als Kritik gehört, dass man mich so schlecht packen kann.“ Beisheim reagiert mit der Überlegenheit des Alters. Die 78-Jährige muss es nur noch einer Person beweisen, und das ist sie selbst. „Ich bin sehr selbstkritisch.“ Manchmal hadert sie: Sie sichte ihre Werke regelmäßig. Und was nicht gefällt, werde zerstört.

Jet van Oosten häkelte für die Nordwestkunst-Ausstellung. Foto: Ullrich
Jet van Oosten häkelte für die Nordwestkunst-Ausstellung. Foto: Ullrich

Programm zur Nordwestkunst 2021

Die Nominierung aus Wilhelmshaven sieht Beisheim als Bestätigung für ihr Streben. Und sie freue sich darauf, die Werkschau auch als Besucherin zu entdecken. „Ich fahre viel herum, schaue mir viele Ausstellungen an.“ Sie ist hungrig. War es immer. Sie wuchs an verschiedenen Orten auf, teils im Ausland, erzählt sie. Nach dem Studium im Musischen Zentrum der Ruhr-Universität Bochum und einen Abschluss in Kulturarbeit in Berlin zog es sie nach Ostfriesland. Sie befasste sich mit der Dorfgeschichte, hat archäologische Funde für die Ostfriesische Landschaft gezeichnet. Von 1993 bis 2003 leitete Helga Beisheim die Kunstschule Norden, später organisierte sie die Dornumer Kunsttage. Mittlerweile konzentriere sie sich voll auf ihr kreatives Schaffen und sei in verschiedenen Künstlervereinigungen organisiert.

Eddi de Goër arrangiert ihre Arbeit. Im Verlauf der Nordwestkunst wird sie die Postkarten neu aufstellen, kündigt Kunsthallenleiterin Petra Stegmann an. Foto: Ullrich
Eddi de Goër arrangiert ihre Arbeit. Im Verlauf der Nordwestkunst wird sie die Postkarten neu aufstellen, kündigt Kunsthallenleiterin Petra Stegmann an. Foto: Ullrich

Die Kunsthalle Wilhelmshaven bietet im Rahmen der Nordwestkunst Führungen und Künstlergespräche an. Führungen sind für Sonntag, 7. November, um 15 Uhr sowie für Donnerstag, 11. November, um 19 Uhr geplant. Am Sonntag, 7. November, ist ein Gespräch mit den Künstlern Sara Förster, Christian Retschlag, Simon Ringelhan und Anna Sasse zum Thema „Analog und digital: Fotografie heute“ vorgesehen. Am Sonntag, 21. November, sprechen Lisa Lotti Brockmann, Alexander Janz und Philip Valetta unter dem Oberthema „Von innen nach außen: Kunst im öffentlichen Raum“ über ihre Schaffensprozesse. Beginn ist jeweils um 15 Uhr. Der Mittwoch, 17. November, steht zudem unter dem Motto „Kunst für alle“. Von 11 bis 17 Uhr kann die Kunsthalle dann ohne Eintritt besucht werden. Über weitere Programmpunkte informiert die Kultureinrichtung im Internet unter www.kunsthalle-wilhelmshaven.de.

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