Serie: „Blick ins alte Emden“
Als die Ems noch entlang der Emder Altstadt floss
Noch heute ist die Emstreppe in der Emder Altstadt erhalten. Das unscheinbare Bauwerk weist in eine Zeit zurück, in der die Ems noch unterhalb des Stadtkerns entlang floss.
Emden - Sie ist unscheinbar, zwischen zwei Häusern eingeklemmt und etwas ganz Besonderes: die Emstreppe in Emden. Sie ist sowohl eine Verbindung zwischen Emdens Alt- und Neustadt als auch in die Vergangenheit. Seit dem 15. Jahrhundert gibt es sie. „Bis zur Verlandung des alten Emsbogens floss die Ems direkt an Emden vorbei, der Flusslauf schlängelte sich an der Burg vorbei zum Ratsdelft und von dort weiter Richtung Faldern und Borssum“, so heißt es auf der Erklärtafel zu dem Denkmal.
Damals schützte noch die Emsmauer das westliche Ufer der Altstadt vor dem Wasser, nach ihr ist auch die Emsmauerstraße benannt. Wachtürme waren in die Mauer eingebaut, um die Stadt vor Angriffen zu schützen. Einen Zugang zum Wasser der Ems von der ältesten Warft Emdens bildete die Emstreppe. Dass die Ems nach einer besonders starken Sturmflut 1509 bei Pogum im Rheiderland Landmassen weggeschwemmt hatte und danach direkt am Emder Kern vorbeifloss, brachte große Herausforderungen für die Hafenstadt.
Emder Hafen drohte zu verschlicken
Die Zufahrten und der Hafen drohten zu verschlicken. Ein Leitdamm, Nesserlander Höft genannt, der das Emswasser in die Schleife zum Hafen leiten sollte, um Schlickmassen abzuhalten, sollte gebaut werden. Trotz großer Investitionen misslang das. Die Strömung erwies sich als zu stark.
Einerseits hatte Emden mit diesen Gegebenheiten zu kämpfen, andrerseits wurde der Ort dennoch zum großen Hafen Westeuropas. Dabei half, dass ab 1540 zahlreiche Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden nach Emden kamen. Sie flohen vor dem niederländischen Unabhängigkeitskrieg.
Heute ist die Emstreppe in ihrer Art im Stadtgebiet einzigartig. Sie verbindet die Pelzerstraße, in der zwei der wenigen im Zweiten Weltkrieg nicht zerstörten Häuser Emdens stehen, mit der Emsmauerstraße und dem Behördenviertel. Die Treppe ziert als Denkmal Postkarten und Porzellan-Teller. Die Friedhofsmauer der ehemaligen Großen Kirche, heute Johannes-a-Lasco-Bibliothek, ruht noch immer auf den Fundamenten der alten Emsmauer. Reste des Mauerwerkes finden sich aber auch hinter den Häusern der Ringstraße.