Innenstädte

Nächster Laden in Emdens ältester Fußgängerzone schließt

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 19.10.2021 18:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auch in der Hunkemöller-Filiale in der Fußgängerzone Zwischen beiden Sielen sollen bald die Lichter ausgehen. Dann stehen fünf benachbarte Geschäfte in einer Reihe leer. Foto: J. Doden
Auch in der Hunkemöller-Filiale in der Fußgängerzone Zwischen beiden Sielen sollen bald die Lichter ausgehen. Dann stehen fünf benachbarte Geschäfte in einer Reihe leer. Foto: J. Doden
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Die Einkaufsstraße Zwischen beiden Sielen ist runtergekommen. Auch der Unterwäsche-Spezialist Hunkemöller will seine Filiale offenbar dichtmachen. Fließen Millionen aus Brüssel in die Innenstadt?

Emden - Die Emder Fußgängerzone Zwischen beiden Sielen kommt immer mehr auf den Hund. Anfang des nächsten Jahres soll dort auch die Filiale des niederländischen Wäsche- und Bademoden-Spezialisten Hunkemöller schließen. Das erfuhr diese Zeitung aus mehreren sicheren Quellen.

Was und warum

Darum geht es: Die Fußgängerzone Zwischen Beiden Sielen ist in die Jahre gekommen. Immer mehr Läden stehen dort leer.

Vor allem interessant für: Emder und Besucher, die in der Emder Innenstadt einkaufen wollen, und diejenigen, die sich für die gegenwärtige Krise und die Zukunft von Innenstädten interessieren

Deshalb berichten wir: Wir hatten mehrere Hinweise erhalten, dass ein weiteres Geschäft in der Einkaufsstraße schließt und sind dem nachgegangen.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Eine Sprecherin der Deutschland-Zentrale des Unternehmens in Gelsenkirchen wollte das allerdings weder bestätigen noch kommentieren. Nach Informationen dieser Zeitung wären von der Schließung fünf Voll- und Teilzeitkräfte betroffen. Hunkemöller eröffnete die Filiale vor zehn Jahren.

Fünf benachbarte Geschäfte leer

Kommt es zu der Schließung, werden an dieser belebten Einkaufsstraße fünf nebeneinanderliegende Läden leer stehen. Drei weitere Leerstände kommen an anderen Stellen der nur etwa 140 Meter langen Straße hinzu. Zwischen beiden Sielen war vor mehr als 40 Jahren als erste reine Fußgängerzone der Stadt eingerichtet worden. Die jüngste Sanierung liegt Jahre zurück.

In der Zwischenzeit ist diese Einkaufsstraße aber sichtlich in die Jahre gekommen. Die Stadt hatte in den vergangenen Jahren zwar Pläne, diese Fußgängerzone mit Geld aus einem Städtebauförderungsprogramm des Bundes und Landes zu sanieren. Darum war es zuletzt aber ruhig geworden.

Achse gewinnt an Bedeutung

Dabei hat die Straße als Achse zwischen dem erneuerten Neuen Markt und den neuen Neutor Arkaden jetzt wieder stark an Bedeutung gewonnen. „Dringenden Handlungsbedarf“ sieht gerade deshalb dort auch Johann Doden. Die Fußgängerzone sei „alt und ausgelutscht“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes mit Sitz in Emden. Er hatte bereits im Sommer angesichts des hohen Leerstandes gegenüber dieser Zeitung darauf hingewiesen, dass in dieser Straße schnell etwas geschehen müsse und bekräftigte diese Forderung jetzt.

„Die Erneuerung von Anlage und Ausstattung duldet keinen Aufschub mehr“, sagt Doden. Er sieht aber auch die Immobilienbesitzer in der Pflicht, die Häuser zu sanieren, um die Fußgängerzone wieder attraktiver für die Ansiedlung neuer Geschäfte zu machen. Auch an den Gebäuden gebe es „einen Sanierungsstau“.

Leerstand nimmt überall zu

Der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) nimmt den gravierenden Leerstand in der Einkaufsstraße Zwischen beiden Sielen auch immer wieder zum Anlass, für die Erneuerung und den Umbau der Innenstadt als „Erlebnisstadt“ zu werben. Diesem Ziel dienen auch die derzeit laufenden und heftig umstrittenen Verkehrsexperimente in der Innenstadt. Kruithoff ist mit seinem Vorgehen in Deutschland nicht allein, denn überall arbeiten die Kommunen an ihren Strategien für die Innenstadt.

Bundesweit hat sich die Krise der Innenstädte durch die Corona-Pandemie und den zunehmenden Online-Handel zugespitzt. Einer Untersuchung des Immobilienverbandes IVD zufolge nimmt der Leerstand vor allem in Klein- und Mittelstädten deutlich zu. „In 1A-Lagen stehen derzeit 15 Prozent der Läden leer, in kleineren und mittleren Städten sind es in 1B-Lagen bis zu 25 Prozent“, wird Michael Reink, Standort-Experte beim Handelsverband Deutschland, in der Fachzeitschrift Kommunal zitiert.

Chance auf Millionen von der EU

Emden bekommt jetzt auch die Chance, eine millionenschwere Förderung von der Europäischen Union (EU) für die nachhaltige Entwicklung der Innenstadt zu erhalten. Wie das niedersächsische Ministerium für Bundes-und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung vor wenigen Tagen mitteilte, gehört Emden zum Kreis der 36 Städte in Niedersachsen, die aufgerufen sind, sich um EU-Mittel von insgesamt 61,5 Millionen Euro zu bewerben.

Von den Bewerbungen sollen bis zu den Sommerferien im kommenden Jahr 15 ausgewählt werden. Laut dem Ministerium stehen ihnen dann für die EU-Förderperiode bis 2027 Budgets von jeweils zwischen 3,95 und 4,2 Millionen Euro zur Verfügung. Die „Resilienten Innenstädte“, so lautet der etwas sperrige Name des Programms, seien „ein Baustein, mit dem wir Städte dabei unterstützen, ihre Innenstadt zukunftssicher zu gestalten“, sagte Regionministerin Birgit Honé (SPD) in Hannover.

Stadt prüft eine Bewerbung

Förderfähig sind unter anderem Konzepte und Projekte zur Belebung der Citys, für klimagerechte Mobilität, für umweltgerechte Flächengestaltung sowie für Beteiligungsprozesse für die Bürgerinnen und Bürger. Das neue Programm ergänzt die bisherigen Förderungen der Landesregierung für Innenstädte, von denen Emden ebenfalls profitiert.

Die Stadt Emden werde eine Bewerbung für das neue Förderprogramm prüfen, sagt ihr Sprecher Eduard Dinkela. Es müsse allerdings kompatibel mit den bereits bestehenden Förderprogrammen sein, beispielsweise mit der laufenden Städtebauförderung für die Innenstadt sowie auch mit dem Sofortprogramm „Perspektive Innenstadt“, das derzeit in Emden läut. „Des Weiteren müssen wir die Förderquote prüfen, und eine mögliche Gegenfinanzierung muss haushälterisch abbildbar sein“, so Dinkela.

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