Sicherheit
Emder Verkehrsexperiment ist für Rettungsdienst kein Problem
In Emden erhitzt ein derzeit laufendes Verkehrsexperiment so manche Gemüter. Ein Problem für den Rettungsdienst gibt es durch die Einbahnstraßen aber nicht. Für ihn gelten im Notfall andere Regeln.
Emden - Es kommt häufiger vor: Der Rettungswagen fährt mit vollem Alarm in falscher Richtung in die Emder Neutorstraße. Diese ist für alle anderen Autofahrer als Teil eines Verkehrsexperiments in der Stadt eigentlich eine Einbahnstraße. Das gilt neuerdings auch für die Friedrich-Ebert-Straße. Aber: Auch diese dürfe weiterhin in beide Richtungen im Notfall vom Rettungsdienst befahren werden, erklärt Holger Rodiek. Er ist Geschäftsführer des Rettungsdienstes des Vereins RKSH, dessen Einsatzfahrzeuge vom Stadtteil Wolthusen aus starten. „Für uns gelten Sonderrechte“, erklärt er auf Nachfrage dieser Zeitung.
Was und warum
Darum geht es: Die Verkehrsführung in Emden regt einige Menschen sehr auf, andere sehen darin eine Chance oder zumindest kein Problem.
Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder
Deshalb berichten wir: Wir haben uns gefragt, was der Rettungsdienst zu der neuen Verkehrsführung in Emden sagt und ob es Probleme in Notfällen geben könnte. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
„Ist der Einsatz in dem Bereich, fahren wir rein“, sagt er. „Dann interessiert die Verkehrsordnung nicht.“ Dabei gilt allerdings: Durch „viel Lärm“ und „kräftig Blinken“ müssen die anderen Verkehrsteilnehmer gewarnt werden. Und: Andere dürfen nicht durch das Fahrmanöver gefährdet werden. Rodiek erklärt aber auch: Wenn möglich, werde in den meisten Fällen über den Autobahnring ausgewichen. Dadurch sei die Verkehrsgefährdung in Einsätzen deutlich geringer und etwa der Schulverkehr mit Bussen sowie Eltern mit ihren Autos in der Innenstadt könnten sie nicht unverhofft ausbremsen. Die Einsatzkräfte würden genau wissen, welche Route am schnellsten zum Ziel führe. „So groß ist die Stadt ja auch nicht“, sagt Rodiek.
Immer in unter 15 Minuten am Ziel
Bislang sei bei allen Einsätzen die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist eingehalten worden. Diese besage, dass in 95 Prozent der Einsätze der Rettungswagen nach maximal 15 Minuten nach Alarmierung am Notfallort sein soll. „Wir sind in hundert Prozent der Fälle immer deutlich schneller“, sagt Rodiek. Durch die Verkehrsexperimente sei man jetzt „nicht grundsätzlich später“ und kein Notfallpatient werde zu spät erreicht. „Das ist eine wichtige Aussage“, betont er.
Für die Fahrt zum Krankenhaus gelte keine Zeitvorgabe. Durch das qualifizierte Personal im Rettungswagen werde das Fahrzeug zu einer „rollenden Notaufnahme“. Seien - so wie derzeit häufiger - keine Internisten im Emder Krankenhaus, um Patienten zu behandeln, so würden die Notfälle nach Aurich, Leer, Westerstede oder anderswohin gebracht. In den allerwenigsten Fällen komme es, sind die Patienten erst einmal im Krankenwagen, auf die Zeit an. Das wäre nur bei Schlaganfallpatienten sowie gynäkologischen Blutungen der Fall, erklärt er. In Emden gibt es eine spezielle Schlaganfall-Station sowie eine Frauenklinik.