Osnabrück

„Alien on Stage“ eröffnet den „Focus on Europe“

Frank Jürgens
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Von Frank Jürgens
| 20.10.2021 11:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Ob „Alien“ auf der Bühne oder eine Tochter-Mutter-Beziehung dank Zeitschleife – in der Sektion „Fokus on Europe“ dominiert diesmal das Thema Familie.

Ridley Scotts „Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ ist ohne jeden Zweifel ein wegweisender Filmklassiker. Auch wenn er bereits 42 Jahre auf dem Buckel hat, hält er bis heute eine Riesenfangemeinde. Kein Wunder. Scotts Leinwandvision ist in jeder Hinsicht ihrer Zeit voraus.

 Die Idee, mit Hauptdarstellerin Sigourney Weaver eine starke weibliche Hauptfigur in dem zu jener Zeit männlich dominierten Action- und SF-Genre zu etablieren, wirkt für damalige Verhältnisse geradezu revolutionär. Aber auch der effektive Einsatz der Tricktechnik und die extrem spannende Dramaturgie erheben das Werk zu einem modernen Klassiker.

Warum um alles in der Welt soll man den Film dann nicht endlich von der Leinwand als Theaterstück auf die Bühne bringen? Fragt sich eine Gruppe von theaterbegeisterten Busfahrern aus der Grafschaft Dorset im Südwesten Englands. Zuvor hatte die bunte Laienspielgruppe bereits Stücke wie „Robin Hood“ auf die Bühne gebracht. Aber die Idee zu „Alien“ fruchtet. Jeder ist ein Fan. Und so adaptieren die Busfahrer mit Freunden und Familie sowie ganz viel kreativer Energie ihren Lieblingsfilm zu einem Theaterstück.

Doch dann die Enttäuschung. All das Herzblut scheint umsonst vergossen worden zu sein. Zur Vorführung im Allendale Centre in Wimborne, Dorset, erscheinen gerade mal 20 Zuschauer. Zum Glück befinden sich unter ihnen auch Danielle Kummer und Lucy Harvey. Die beiden Filmautorinnen sind so begeistert von der Amateurtruppe, dass sie beschließen einen Film darüber zu drehen. 

Endlich Erfolg am Westend

Und damit begleiten sie die Busastronauten bis ins Londoner Westend, wo sie tatsächlich am Leicester Square Theatre mit dem Raumschiff „Nostromo“ direkt in die Herzen der Zuschauer fliegen dürfen.

Der Dokumentarfilm „Alien on Stage“ über die liebenswerte, chaotisch-kreative Truppe, die frei von Ängsten durch die Macht der Begeisterung jede noch so unmöglich erscheinende Hürde nimmt, ist ein Lobgesang auf den Einfallsreichtum und die Kraft, die im Dilettantismus stecken kann. Aber auch ein liebenswertes Porträt jener eingeschworenen Gemeinschaft und ihrer Familien, die durch einen außergewöhnlichen Zusammenhalt geprägt sind.

Mit dieser schrägen, typisch britisch erscheinenden Geschichte aus dem echten Leben startet das Filmfest im Haus der Jugend (20.00 Uhr) heute in die Sektion „Focus on Europe“. Die diesmal sehr geprägt ist von familiären und zwischenmenschlichen Strukturen, wie auch der parallel im Filmtheater Hasetor laufende Spielfilm „Petite Maman - Als wir Kinder waren“, belegt.

Begegnung in der Zeitschleife

Céline Sciamma erzählt darin auf ungewöhnliche Art und Weise eine Mutter-Tochter-Geschichte, in der sich dank einer Zeitschleife die beiden als kleine Mädchen auf Augenhöhe begegnen und der Tochter die Augen für die Ängste und Nöte ihrer Mutter geöffnet werden.

Auch Melanie Lischkers persönliche Dokumentation „Bilder (m)einer Mutter“ (Lagerhalle, Fr., 20.00 Uhr), Sophie Linnenbaums Doku „Väter unser“ (So., Filmtheater Hasetor, 15.00 Uhr) und Piotr Domalewskis „I Never Cry“ (So., Filmtheater Hasetor, 17.00 Uhr) leuchten auf unterschiedliche Weise das weite Spannungsfeld Familie aus.

Skurrile Dokumentation

Skurril wird es hingegen wieder in Ondrej Vavreckas „Personal Life of a Hole“ (Haus der Jugend, Sa., 15.00 Uhr). In dieser collagenhaften Dokumentation äußern sich unter anderem ein Nuklearphysiker, eine Theologin und eine Frau mit einem Stuhl auf dem Kopf zum Thema Löcher.

Abgerundet wird die Sektion „Focus on Europe“ mit zwei Filmen über das Tanzen und Schachspielen. „In Bewegung bleiben“ (Haus der Jugend, Sa., 17.30) von Salar Ghazi nimmt den DDR-Alltag von Tänzern des Ensembles der Ost-Berliner Ballettkompagnie zum Anlass, über die Zeitlosigkeit der Bewegung zu reflektieren.

 Und Fans der Netflix-Serie „Das Damengambit“ sollten sich auf keinen Fall Tatia Skhirtladzes Dokumentation „Glory to the Queen“ (Lagerhalle, Sa., 20.00 Uhr) entgehen lassen, in der vier legendäre Schachspielerinnen porträtiert werden, die als Vorbilder für die Protagonistin der Serie gelten.

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